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A Sad and Beautiful World

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 9 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
"A Sad and Beautiful World": Mitreißende Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der krisenhaften Geschichte Libanons
"A Sad and Beautiful World": Mitreißende Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der krisenhaften Geschichte Libanons

Cyril Aris verknüpft eine sich über 30 Jahre spannende Liebesgeschichte mit der Geschichte seines Heimatlands Libanon: Ein trotz des bedrückenden Hintergrunds leichthändiges und verspieltes, zwischen Optimismus und Zukunftsängsten pendelndes Spielfilmdebüt, das von den zwei großartig harmonierenden Hauptdarsteller:innen Mounia Akl und Hasan Akil getragen wird.


Zu im engen 4:3 gehaltenen, teils echtem, teils wohl fingiertem Archivmaterial berichtet die unsichtbar bleibende Yasmina (Mounia Akl) im Voice-over, dass sie fast zeitgleich mit Nino in den 1980er Jahren im gleichen Beiruter Krankenhaus geboren wurde, während auf den Straßen der Bürgerkrieg tobte. Gleichzeitig beschwören Fernsehnachrichten vom Start einer libanesischen Weltraumrakete aber auch die Hoffnung auf eine glorreiche Zukunft.


Dieses Spannungsfeld von Ängsten und Resignation auf der einen Seite und Optimismus auf der anderen Seite verkörpern rund 25 Jahre später Yasmina und Nino (Hasan Akil) immer noch und stehen damit wohl auch für die gespaltene Stimmung im Libanon. Mit Verve folgt die Kamera Joe Saades so Nino durch sein Restaurant "Chez Nino" und vermittelt so auch über die visuelle Ebene seinen Elan und seine Leidenschaft.


Dieser Bewegtheit stehen im Bürogebäude, in dem Yasmina an einem Konzept für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Heimatlands arbeitet, nicht nur vorwiegend distanzierte statische Einstellungen gegenüber, sondern auch dem warmen Braun und Rot im Restaurant kaltes Blaugrau des von Stahl, Glas und Beton bestimmten modernen Baus.


Erst ein Zufall führt Nino und Yasmina hier zusammen und erst der Blick auf ein altes Foto löst Erinnerungen an die gemeinsame Grundschulzeit aus. Zu Freunden wurden sie damals und Halt gaben sie sich gegenseitig, als Nino die Trauer über den Unfalltod seiner Eltern und Yasmina die bevorstehende Scheidung ihrer Eltern belastete. Doch bald trennten sich ihre Wege und sie verloren sich aus den Augen.


Rasch flammt nun aber die Leidenschaft wieder auf, doch gleichzeitig steht die Beziehung von Anfang an aufgrund unterschiedlicher Zukunftsvorstellungen auf brüchigen Beinen. Denn während Nino voll Optimismus an sein Restaurant glaubt, bemüht sich Yasmina schon länger um eine Versetzung ins Ausland.


Aber auch andere Konfliktpunkte stellen sich ein. Denn während Nino von einer Familie träumt, steht Yasmina einem Kinderwunsch angesichts der eigenen schmerzhaften Kindheitserfahrungen und der vielfältigen Krisen der heutigen Welt skeptisch gegenüber, und die schwere libanesische Wirtschaftskrise seit 2019 verstärkt bei ihr wieder den Gedanken an Emigration.


Unaufdringlich, aber prägnant bettet Cyril Aris sein Spielfilmdebüt, das auch von eigenen Erfahrungen beeinflusst ist, in den gesellschaftlichen und politischen Hintergrund ein, verliert aber seine beiden Protagonist:innen nie aus den Augen. Großartig harmonieren Mounia Akl und Hasan Akil als Duo, das einerseits in seiner spürbaren leidenschaftlichen Liebe wie füreinander bestimmt scheint, das andererseits aber die charakterliche Gegensätzlichkeit immer wieder auseinandertreibt.


Trotz des ernsten Hintergrunds bewahrt "A Sad and Beautiful World", zu dessen Titel sich Aris von einer Dialogzeile Roberto Benignis in Jim Jarmuschs "Down By Law" inspirieren ließ, dabei immer Leichtigkeit. Dafür sorgen vor allem am Beginn von Humor durchzogene Momente, andererseits die verspielte Inszenierung. Intensiv werden so mit Farben, Licht und ruckeligem Bild die wild ausbrechenden Gefühle und Romantik beschworen, während ein Streit dadurch einen witzigen Anstrich erhält, dass die Kamera Yasmina und Nino sich durch ein Schlüsselloch unterhalten lässt.


Leichthändig fügt Aris aber auch immer wieder kurze Rückblenden in die Kindheit ein, die das Bild langsam vervollständigen, und beschwört mit einem Traum Ninos immer wieder ein sorgenfreies Glück auf einer paradiesischen Insel. Beeindruckend sicher verbindet der Debütant nicht nur diese verschiedenen Ebenen, sondern kontrolliert auch souverän das Erzähltempo, wenn er sich nach dynamischem Beginn später auch Zeit für ruhige Momente lässt, in denen die Charaktere in langen statischen Einstellungen in ihre Befindlichkeit blicken lassen.


So entwickelt sich eine berührende Liebesgeschichte, die einerseits universell ist, andererseits aber auch nie die permanente reale Angst und Bedrohung im Libanon aus den Augen verliert, wenn beispielsweise ein Feuerwerk sofort Gedanken an einen Bombenangriff oder eine kriegerische Auseinandersetzung weckt.


 

A Sad and Beautiful World

Libanon / Deutschland / USA / Saudi-Arabien / Katar 2025

Regie: Cyril Aris

mit: Mounia Akl, Hasan Akil, Julia Kassar, Camille Salameh, Tino Karam, Nadyn Chalhoub

Länge: 110 min.



Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Kinok St. Gallen. TaSKino Feldkirch im Kino GUK: 14. - 18.9.



Trailer zu "A Sad and Beautiful World"



 

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