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Bruno - Der junge Kreisky

Autorenbild: Walter Gasperi
Walter Gasperi
vor 14 Stunden
3 Min. Lesezeit
"Bruno - Der junge Kreisky": Biederes, viel zu glattes Biopic über Bruno Kreisky
"Bruno - Der junge Kreisky": Biederes Biopic über Bruno Kreisky, das auf Ambivalenzen und Reibungen verzichtet.

Vom gutbürgerlichen Elternhaus zur sozialistischen Partei: Harald Sicheritz konzentriert sich auf die Entwicklung Bruno Kreiskys zwischen 1927 und dem "Anschluss" Österreichs 1938. – Ein sorgfältig ausgestattetes, aber auch sehr biederes Biopic, das auf Reibungen, Ambivalenzen und Widersprüche verzichtet.


Bruno Kreisky war zweifellos eine prägende Persönlichkeit der Zweiten Republik. Der Sozialdemokrat war nicht nur von 1959 bis 1966 österreichischer Außenminister, sondern vor allem von 1970 bis 1983 Bundeskanzler. Niemand hatte in Österreich dieses Amt so lange inne wie er, am nächsten kam ihm Franz Vranitzky mit zehn Jahren (1986 – 1997). Die zahlreichen Reformen der "Ära Kreisky" von der Öffnung der Universitäten über Strafrechtsreform und Fristenlösung bis zu Einführung von Gratis-Schulbüchern, Schülerfreifahrten und Einführung der 40-Stunden-Woche listet Harald Sicheritz aber nur im Nachspann auf.


Der 68-jährige Regisseur, der neben erfolgreichen Kinokomödien wie "Hinterholz 8" (1998) und "Poppitz" (2002) vor allem zahlreiche Folgen von "Tatort" und die TV-Serie "Vorstadtweiber" (2014 – 2019) inszeniert hat, konzentriert sich ganz auf die späten 1920er und 1930er Jahre. Ausgehend von der Verhaftung Kreiskys durch die Staatspolizei im Jahr 1935 rollen Sicheritz und seine Co-Drehbuchautor:innen Helene Maimann und Fritz Schindlecker die Entwicklung zu dieser Haft auf, kehren aber auch immer wieder in die Gefängniszelle zurück, in der Kreisky mit einem Kommunisten und einem Nazi zusammenleben und kooperieren muss.


Auf der anderen Seite steht der Weg, des aus gutbürgerlichem Haus stammenden Gymnasiasten in die sozialistische Arbeiterjugend, in der er um Anerkennung kämpfen muss. In geschmäcklerisch monochromen Rückblenden ruft Sicheritz den Justizpalastbrand 1927, bei dem Kreisky Augenzeuge war, wie über 80 Menschen von der Polizei getötet wurden, als prägendes Ereignis für seine politische Entwicklung in Erinnerung.


Zweifellos sorgfältig ist "Bruno – Der junge Kreisky" ausgestattet, doch die aufgeräumt-sauberen Bilder lassen weder Atmosphäre aufkommen, noch die Armut spüren, die damals in den Straßen Wiens herrschte. Historisch korrekt mag sowohl das verständnisvolle Verhalten der Eltern gegenüber der politischen Entwicklung ihres Sohnes sein als auch die Attraktivität, die der junge Mann auf Frauen ausübte, doch um Kraft und Glaubwürdigkeit zu entwickeln, werden diese Aspekte viel zu glatt und platt inszeniert.


Statt dichte und komplexe Szenen zu entwickeln, hakt Sicheritz Momente in Kreiskys Biographie ab. Nicht über die Informationen im Wikipedia-Beitrag zu Bruno Kreisky geht so die Aufforderung Otto Bauers hinaus, er solle Jus und nicht Medizin studieren, die Beziehung zu seinem Bruder Paul, der Austritt aus der israelitischen Kultusgemeinde oder sein letztes Rigorosum kurz nach dem "Anschluss" Österreichs.


Leben entwickelt ein (Spiel)Film aber nicht durch die sorgfältige Nachzeichnung von Fakten, sondern erst durch die differenzierte Ausgestaltung von Szenen und durch die Zeichnung von starken Figuren. Redlich bemüht sich so zwar Nils Arztmann in der Titelrolle, dennoch bleibt Kreisky, auch wenn dessen Kampf gegen Arbeitslosigkeit schon auf den späteren Politiker verweist, eine blasse und kantenlose Figur: Als makellose Lichtfigur wird er gezeichnet, doch Ambivalenzen und Widersprüche, die eine Figur erst zu einem spannenden Charakter aus Fleisch und Blut machen, sucht man bei ihm ebenso wie bei den Eltern, seinen Mitstreitern oder politischen Gegnern vergebens.


Zwischentöne gibt es hier nicht. Plakativ werden den Schergen des Ständestaats und der Nazis die jungen Sozialist:innen gegenübergestellt und holzschnittartig bleibt auch die Einbettung in den politischen Kontext von der Weltwirtschaftskrise über die Errichtung des Ständestaats bis zum "Anschluss" Österreichs. Wenig überzeugend sind auch die Liebesgeschichten mit einer Hausangestellten (Maresi Riegner) und der fiktiven Sängerin Adele Holzer (Maya Unger), sowie die verschmähte Liebe einer Parteigenossin.


Diese Figuren wirken ebenso wie Aufputz, um dem Film mehr publikumskräftigen "Human Touch" zu verleihen, wie Szenen vom ungezwungenen Nacktbaden in freier Natur. So bietet Sicheritz´ Film, bei dem auch der anachronistisch-jazzige Soundtrack irritiert, zwar einen gewissen Einblick in die Jugendjahre Kreiskys, bleibt aber ganz an der Oberfläche und bringt einem diesen charismatischen Politiker nicht wirklich näher.



Bruno – Der junge Kreisky

Österreich / Deutschland 2026

Regie: Harald Sicheritz

mit: Nils Arztmann, Maya Unger, Soi Schüssler, Noah Perktold, Simon Morzé, Juergen Maurer, Marie-Therese Futterknecht, Maresi Riegner

Länge: 116 min.



Läuft derzeit in den österreichischen Kinos, z.B. im Cinema Dornbirn und im Kino GUK in Feldkirch.



Trailer zu "Bruno - Der junge Kreisky"



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