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Cinque secondi

Autorenbild: Walter Gasperi
Walter Gasperi
vor 2 Stunden
3 Min. Lesezeit
"Cinque secondi": Stark gespieltes, aber wenig fokussiertes, sanftes Drama
"Cinque secondi": Stark gespieltes, aber wenig fokussiertes, sanftes Drama

Ein wortkarger Eigenbrötler wird in seinem verfallenden Rückzugsort in der Toskana von einer Gruppe junger Erwachsener gestört, die den vernachlässigten Weinberg wieder kultivieren wollen: Mit starken Schauspieler:innen, aber wenig fokussierter Dramaturgie erzählt Paolo Virzi gefühlvoll von Schuldgefühlen, Einsamkeit und einem Neubeginn.


2010 feierte Paolo Virzi mit "Das ganze Leben liegt vor dir" ("Tutta la vita davanti", 2008) auch in den österreichischen und deutschen Programmkinos einen Erfolg. 2017 schien er mit dem englischsprachigen Alzheimer-Drama "Das Leuchten der Erinnerung" (The Leisure Seeker", 2017) nicht zuletzt dank der Hauptdarsteller:innen Donald Sutherland und Helen Mirren den großen internationalen Durchbruch zu schaffen, doch dann wurde es zumindest in den deutschsprachigen Ländern um den 1964 geborenen Italiener wieder still.


Mit einem langen Schwenk über ein verfallendes toskanisches Anwesen eröffnet er nun "Cinque Secondi". Leichter Schneefall evoziert eine winterlich-frostige Atmosphäre und auch in den Stallungen, in denen sich Adriano (Valerio Mastandrea) eingerichtet hat, kommt angesichts des Chaos in der Küche, des durch die Decke tropfenden Regens und der verwitterten Erscheinung des alternden Mannes kein Wohlgefühl auf.


Wenn freilich zum Ärger des wortkargen Einzelgängers auf den Feldern eine Gruppe von jungen Erwachsenen auftaucht, die unter der Leitung der Enkelin (Galatéa Bellugi) des ehemaligen Besitzers den vernachlässigten Weinberg wieder kultivieren will, ist vorhersehbar, dass sich Adriano unter diesem Einfluss langsam wandeln wird.


Klischeehaft werden zwar nicht nur der einsame Alte und die feiernden Jungen einander gegenübergestellt und das langsame Aufblühen der Natur mit einem Auftauen Adrianos verknüpft, doch das starke Spiel von Valerio Mastandrea, der hinter der Verschlossenheit seiner Figur tiefen Schmerz und eine traumatische Erfahrung spüren lässt, und von Galatéa Bellugi, die als schwangere, junge Mathilde mit ihrer Offenheit und Tatkraft ein starkes Gegengewicht bildet, lassen über diese Schwäche ebenso hinwegsehen wie Virzis warmherzige und von sanftem Humor durchzogene Inszenierung.


Vorhersehbar ist auch, dass das abweisend-schroffe Verhalten Adrianos mit seiner Vergangenheit erklärt werden muss. Spannung baut Virzi zwar auf, wenn er nur langsam diese Vorgeschichte seines Protagonisten lüftet, doch mit dieser in Rom spielenden Parallelhandlung, auf die sich auch der Titel "Cinque secondi" bezieht, verliert dieses unaufgeregte Drama sein Zentrum und pendelt wenig überzeugend zwischen den beiden Ebenen.


Aber auch der Erzählstrang um die Beziehung zwischen Adriano und den engagierten jungen Erwachsenen ist nicht makellos. Denn scheint es zunächst um die Rekultivierung des Weinbergs zu gehen, rückt bald die Schwangerschaft Mathildes ins Zentrum und zu abrupt ändert auch der Einzelgänger seine Haltung, setzt sich für die Landbesetzer gegenüber der Polizei ein und glaubt sich als Ersatzvater um Mathilde kümmern zu müssen.


Mit Alt und Jung stellt Virzi so auch dem traditionellen Familienkonzept Adrianos mit Mathilde eine selbstbewusste Frau gegenüber, die ihr Kind mit der ganzen Gruppe als Vaterersatz aufziehen will, und er kontrastiert auch das landwirtschaftliche Engagement dieser jungen Önolog:innen, Biolog:innen, Klimaforscher:innen und Agrarwissenschaftler:innen mit den Interessen einer Immobilienfirma.


Weiter entwickelt werden diese gesellschaftlichen Themen aber so wenig wie ein schwieriges moralisches Dilemma, das gegen Ende mit den titelgebenden fünf Sekunden angesprochen wird. Statt in die Tiefe zu gehen, packt Virzi so entschieden zu viele Themen hinein, die dann wieder im Sand verlaufen, gefühlvolle Unterhaltung wird nicht zuletzt dank der Kameraarbeit von Luca Bigazzi, der mit Licht- und Farbdramaturgie stimmungsvoll die unterschiedlichen Jahreszeiten evoziert, dennoch geboten.


 

Cinque secondi

Italien 2025

Regie: Paolo Virzi

mit: Valerio Mastandrea, Galatéa Bellugi, Valeria Bruni Tedeschi, Ilaria Spada, Luca Charles Brucini

Länge: 106 min.



Läuft derzeit in den Schweizer Kinos, z.B. im Kinok St. Gallen und im Skino Schaan.



Trailer zu "Cinque secondi"



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