Backrooms
- Walter Gasperi

- vor 5 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

In Kane Parsons´ Horrorfilm tauchen Menschen im Keller eines heruntergekommenen Möbelhauses in eine Parallelwelt ein: Ein mit meisterlicher Bild- und Tonsprache eine dichte Atmosphäre der Verunsicherung und Bedrohung erzeugendes Spielfilmdebüt, das ins Unterbewusstsein der Protagonist:innen entführt.
Inspiriert von der in der Internetkultur entwickelten modernen Sage "The Backrooms", laut der man aus der Realität in eine Parallelwelt mit sehr weiten Räumen und Landschaften eintreten kann, entwickelte der 16-jährige Kane Parsons unter dem Pseudonym Kane Pixels 2022 den Kurzfilm "Backrooms", der seither über 80 Millionen Mal auf Youtube aufgerufen wurde.
Aufgrund des Erfolgs baute Parsons den Film zu einer Webserie aus und nun produzierte das auf eigenwillige Independent-Filme wie die Horrorfilme von Ari Aster oder den Oscarsieger "Everything Everywhere All at Once" spezialisierte US-Unternehmen A24 eine Spielfilmfassung. Der mit einem Budget von 10 Millionen Dollar verhältnismäßig billig produzierte Film entwickelte sich mit einem Einspielergebnis von bislang 260 Millionen Dollar in den USA sofort zum Sensationserfolg und ließ Blockbuster wie "Star Wars: The Mandalorian and Grogu" alt aussehen.
Parsons benötigt weder teure Special-Effects noch einen großen Cast. Klein gehalten ist die Handlung und kommt weitgehend mit fünf Schauspieler:innen aus. Unübersehbar mit dem Fake-Found-Footage-Klassiker "The Blair Witch Project" spielt der 21-jährige Amerikaner dabei, wenn man am Beginn seines 1990 spielenden Films einem Mann mit subjektiver Kamera durch leere, in gelb getauchte Büroräume folgt, bei denen sich hinter jeder Tür und jedem Gang ein weiterer Raum öffnet. Mit unscharfer Videokamera-Ästhetik und engem 4:3-Format schafft Parsons nicht nur das Gefühl von Authentizität, sondern auch große Intensität, bis die Szene mit einem vermutlichen Angriff und Geschrei abrupt abbricht.
Im Kontrast zu diesen Videokamera-Bildern, mit denen Parsons auch später immer wieder arbeitet, stehen die gestochen scharfen Breitwandbilder, der eigentlichen Erzählung. Im Mittelpunkt steht der Besitzer eines heruntergekommenen Möbelgeschäfts (Chiwetel Ejiofor), der vor kurzem von seiner Partnerin verlassen wurde und nun bei einer Therapeutin (Renate Reinsve) psychologische Hilfe sucht.
Auf der Suche nach den Gründen für den erhöhten Stromverbrauch in seinem Geschäft entdeckt er im Untergeschoss einen Spalt in einer Wand, durch den er in eine Parallelwelt eintritt, in der sich stets neue Räume öffnen. Die Psychologin, die einen Lebensratgeber mit dem Titel "The Window Within" geschrieben hat, hört seinen Erzählungen ungläubig zu, macht sich aber auf die Suche nach ihm, als er nicht mehr zu den Sitzungen erscheint, und taucht ebenfalls in diese Parallelwelt ein.
Im Grunde spielt Parsons mit dem Motiv des unheimlichen Hauses, doch hier steht keine grausige Vergangenheit mit ungesühnten Morden dahinter und auch kein Killer treibt sein Unwesen. Äußerlich passiert nicht viel und auf konkrete Gewaltszenen wird lange verzichtet. Stattdessen entwickelt "Backrooms" mit einer sehr beweglichen Kamera, dem Wechsel von subjektiver Perspektive und Blicken auf die Protagonist:innen sowie einem meisterhaften Sounddesign eine intensive Atmosphäre und zieht in diese Parallelwelt hinein.
Das liegt auch daran, dass die Ursachen der Bedrohung nie gezeigt, sondern nur angedeutet werden. In der Fantasie muss man sich hier ausmalen, was hinter den plötzlichen Geräuschen und den schweren Schritten steckt. Zudem gibt es hier keine ironische Brechung und der Ernst der Inszenierung wird auch durch das konzentrierte Spiel von Chiwetel Ejiofor und Renate Reinsve verstärkt.
Nicht wirklich fassbar wird dabei die Bedrohung, doch zunehmend wird klar, dass es sich bei dieser Parallelwelt im Kern um das Unterbewusstsein der Protagonist:innen und dem Unsichtbaren hinter der sichtbaren Welt handelt. Vertraut Parsons dabei in der Parallelwelt ganz auf seine Bild- und Tonsprache, während Dialoge kaum eine Rolle spielen, bieten in der Realität Flashbacks und Gespräche bei den Therapiesitzungen sukzessive Einblick in die Psyche der beiden Protagonist:innen.
Kindliche Traumata werden ebenso angedeutet wie ein Leistungsdruck, der den Mann in Alkoholismus und Gewaltbereitschaft treibt. – Simple Aufklärung und einfache Lösungen darf man sich von "Backrooms" dabei nicht erwarten, aber gerade mit diesem Verzicht und der Offenheit für vielfältige Interpretationen wirkt dieser Horrorfilm nach.
Backrooms
USA / Kanada 2026
Regie: Kane Parsons
mit: Chiwetel Ejiofor, Avan Jogia, Renate Reinsve, Lukita Maxwell, Finn Bennett, Mark Duplass
Länge: 112 min.
Läuft derzeit in den Kinos.
Trailer zu "Backrooms"




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