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Der Klang der Stradivari – Les Musiciens

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 2 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
"Der Klang der Stradivari - Les Musiciens": Wie wird aus vier Solist:innen ein homogenes Quartett?
"Der Klang der Stradivari - Les Musiciens": Wie wird aus vier Solist:innen ein homogenes Quartett?

Vier herausragende Musiker:innen sollen auf originalen Instrumenten von Antonio Stradivari ein Konzert geben, doch aus den Individualist:innen muss zunächst ein homogenes Quartett gebildet werden: Ebenso konzentriertes wie leichthändiges, von Witz durchzogenes Drama, das von einem starken Ensemble und der Begeisterung für die Musik getragen wird.


Nüchtern "Les musiciens" heißt Grégory Magnes nach "L´air de rien" (2012) und "Parfüm des Lebens" (2019) dritter Spielfilm im Original. Wird damit der Blick auf die Akteur:innen gelenkt, rückt der deutsche Titel "Der Klang der Stradivari" die Instrumente ins Zentrum - wohl um mit dem berühmten Namen Publikum ins Kino zu locken.


Tatsächlich beginnt dieses von Witz durchzogene Drama auch mit Instrumenten des italienischen Geigenbauers Antonio Stradivari (1644 oder 1648 – 1737). Endlich hat die Musikenthusiastin Astrid Carlson (Valerie Donzelli) nämlich ein Stradivari-Cello gefunden, das zum Kauf angeboten wird und ihre Sammlung von drei Instrumenten ergänzen soll. Gemäß dem Willen ihres verstorbenen Vaters soll damit ein Musikstück aufgeführt werden, das er schon vor 30 Jahren in Auftrag gegeben hat. Auch drei der vier Musiker:innen hat er noch zu Lebzeiten bestimmt, nur die Wahl der vierten hat Astrid mit der jungen Bratschistin Apolline Dessartre (Emma Ravier) selbst getroffen.


Das Verhältnis von Wirtschaft und Kunst, aber auch die astronomischen Preise für diese Instrumente werden angeschnitten, wenn Astrid im Vorstand des in einer Krise steckenden Familienunternehmens durchsetzen muss, dass sie bei der Versteigerung des Cellos bis zu 10 Millionen Euro bieten darf. Man spürt in dieser Szene, aber auch im wiederholten Blick auf diese historischen Instrumente und Anmerkungen zu ihrem ganz eigenen Klang Magnes Begeisterung für diese rund 300 Jahre alten Kunstwerke.


Mit den Mustern von Heist-Movies oder ähnlichen Filmen, bei denen ein Team einen Auftrag lösen muss, arbeitet der Franzose im Grunde, wenn Astrid zunächst die vier Musiker:innen für ihr Projekt gewinnen muss und das Quartett erst langsam zusammenfinden muss. Spannung soll dabei auch mit einem Countdown aufgebaut werden, bei dem mit Inserts die letzten sieben Tage bis zum Konzert heruntergezählt werden.


Kurz gestreift wird die Adaptierung der kleinen Kirche. Publikum soll es keines geben, doch die Rechte für die Aufnahme sollen weltweit verkauft werden. Im Zentrum stehen aber die vier Solist:innen, die zwar Könner ihres Fachs sind, von denen aber jeder zunächst für sich spielt, statt sich gegenseitig zuzuhören. Da sorgt der erste Geiger (George Massaro) mit seinem arroganten Auftreten und ständiger Kritik an seinen Kolleg:innen für Streit, während die Bratschistin wegen ihrer Social-Media-Posts von den anderen einerseits belächelt und andererseits wegen ihrer Berühmtheit auch beneidet wird. Und schließlich gibt es auch persönliche Differenzen zwischen dem blinden Geiger Peter Nicolescu (Daniel Garlitzky) und der Cellistin Lise Carvalho (Marie Vialle), die vor Jahren gemeinsam in einem Streichquartett spielten.


Weil es Astrid nicht gelingt, die Musiker:innen zu einem Team zu formen, sucht sie den Komponisten (Frédéric Pierrot) auf, der zurückgezogen lebt und mit diesem Werk nichts mehr zu tun haben will. Dennoch kommt er schließlich doch zu den Proben ins edle französische Landhaus. Indem er die persönlichen Fehler und Probleme der Solist:innen durchschaut und anspricht, kann er sie zu einem aufmerksamen Zusammenspiel anregen, hegt aber auch Zweifel an seiner eigenen Komposition.


Getragen von einem starken Ensemble deckt Magne nicht nur die Differenzen zwischen den Musiker:innen auf, sondern feiert in ausführlichen Probenszenen bis hin zum Konzert auch immer wieder die Schönheit der Musik. Eindrücklich wird aber vor allem der Virtuosität des einzelnen die Bedeutung des Zusammenspiels gegenübergestellt. Plastisch wird so sichtbar, dass die Fähigkeit dem Spiel des anderen zuzuhören und darauf einzugehen mindestens gleichrangig steht neben absoluter Könnerschaft.


Problemlos lässt sich dieses Plädoyer für Teamgeist, das hier so sinnlich am Beispiel der Musik gefeiert wird, selbstverständlich auf andere Bereiche übertragen und rund und konzentriert auf das Quartett, die Organisatorin und den Komponisten erzählt Magne, der auch zusammen mit Haroun für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, seine Geschichte. Zu leicht und zu schnell lösen sich freilich immer wieder die Konflikte auf, die während der Probenwoche auftreten, um diesem grundsympathischen Film Nachdruck zu verleihen.



Der Klang der Stradivari – Les Musiciens

Frankreich 2025

Regie: Grégory Magne

mit: Valérie Donzelli, Frederic Pierrot, Mathieu Spinosi, Emma Ravier, Daniel Garlitsky, Marie Vialle, Nicolas Bridet, François Ettori

Länge: 102 min.



Läuft in den deutschen und österreichischen Kinos.



Trailer zu "Der Klang der Stradivari – Les Musiciens"


 

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