top of page

Rebuilding

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 12 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit
"Rebuilding": Leises, aber bewegendes Drama über Verlust, Neubeginn und die Kraft von Empathie und Solidarität
"Rebuilding": Leises, aber bewegendes Drama über Verlust, Neubeginn und die Kraft von Empathie und Solidarität

Ein Rancher, der bei einem Waldbrand seinen ganzen Besitz verloren hat, schöpft durch die Begegnung mit anderen Menschen langsam wieder Lebensmut und Hoffnung: Mit einem famosen Josh O´Connor in der Hauptrolle gelingt Max Walker-Silverman ein in die großartige Landschaft Colorados eingebettetes, unaufgeregtes Drama über Resilienz und die Macht von Solidarität und Empathie.


Nur rote Funken und Ascheteilchen erhellen die schwarze Leinwand. Die Katastrophe ist schon vorüber, wenn "Rebuilding" einsetzt, doch die verbrannten Bäume und ein Bulldozer, der die Reste der bis auf die Grundmauern abgebrannten Ranch beseitigt, zeugen unbarmherzig von ihren Folgen. Seit Generationen hat die Familie des zurückhaltenden Dusty (Josh O´Connor) hier eine Rinderzucht betrieben, doch jetzt steht er vor dem Nichts und kann nur noch sein Vieh bei einer Auktion verkaufen.


Im genauen und mitfühlenden Blick spürt man das persönliche Engagement des Regisseurs Max Walker-Silverman, der selbst in Colorado aufgewachsen ist und sich vom Brand des Hauses seiner Großmutter zu seinem zweiten Spielfilm inspirieren ließ. Doch schon der Titel "Rebuilding" macht klar, dass nicht der Verlust im Zentrum steht, sondern der langsame Weg zurück ins Leben.


Großartig vermittelt der Brite Josh O´Connor mit Blicken und wortkargem Spiel die anfängliche Verlorenheit und Orientierungslosigkeit Dustys. Wie soll es nun weitergehen? Zum Cowboy fühlt er sich geboren, möchte die Ranch wieder aufbauen, doch der Bankbeamte kann ihm keinen Kredit geben, da auf dem abgebrannten Land mindestens acht Jahre lang nichts wachsen wird.


Kein böser Blick auf einen herzlosen Banker ist dies aber, sondern man spürt, wie gern dieser Dusty helfen würde und wie schwer ihm seine Absage fällt. Jobmöglichkeiten in der Region bietet nur der Straßenbau, doch Dusty muss nicht lange erklären, wie wenig ihm dies zusagt, sondern man sieht es, wenn er mit einer Tafel zur Regelung des Verkehrs auf einem Highway steht.


Genug Arbeit gäbe es auch auf einer anderen Ranch der Region, doch dem Eigentümer fehlt das Geld, um ihn anzustellen. So bliebe als Option nur noch ein Aushilfsjob auf der Ranch seiner Cousine im 500 Kilometer entfernten Montana, doch dafür müsste er nicht nur seine Heimat, sondern auch seine neunjährige Tochter Callie-Rose (Lily LaTorre), die bei der Familie seiner Ex-Partnerin Ruby (Meghann Fahy) lebt, zurücklassen.


Im Grunde will Dusty Ruby nur kurz besuchen, doch diese nimmt ihn ebenso herzlich auf wie ihre Mutter Bess (Amy Madigan) und bittet ihn, sich für ein paar Stunden um Callie-Rose zu kümmern. Langsam kommen sich so Vater und Tochter näher, wenn sie im Pickup durch die Gegend fahren oder vor der geschlossenen Bibliothek sitzen, um für Schulaufgaben das Wlan zu nutzen.


Von der FEMA (Federal Emergency Management Agency), die für Katastrophenhilfe zuständig ist, erhält Dusty als vorübergehende Unterkunft einen Wohnwagen in einem Trailerpark, in dem auch andere Opfer des Waldbrands leben. Widerwillig bezieht er diese neue Bleibe, meidet zunächst den Kontakt zu Nachbarn, doch auch hier kommt – nicht zuletzt durch den Einfluss seiner kleinen Tochter – langsam etwas in Bewegung: Ein benachbarter Klempner kümmert sich um die Wasserversorgung, Callie-Rose sorgt für einen magischen Moment im Wohnwagen, wenn sie die Wände mit Sternen beklebt, die in der Dunkelheit leuchten, und bald sitzt die vom Schicksal geschlagene Gruppe, zu der auch eine alleinerziehende Mutter, die beim Brand ihren Mann verloren hat, und ein älteres lesbisches Paar gehört, gemeinsam am abendlichen Lagerfeuer.


An Chloe Zhaos "Nomadland" und "The Rider" erinnert "Rebuilding" im Blick auf die abseits der Gesellschaft im Trailerpark lebende Gruppe ebenso wie in der Fokussierung auf der Welt heutiger Rancher. Ungeschönt und zurückhaltend, aber voller Liebe zu den Figuren ist Walker-Silvermans Inszenierung. Auf dramatische Momente verzichtet er, konzentriert sich auf die ruhige und feinfühlige Schilderung der Entwicklung der Charaktere und ihrer Beziehungen.


Knapp sind die Dialoge, Blicke und Gesten reichen aus, um bewegend die Kraft der Empathie und der Solidarität zu vermitteln, durch die – wie ein einzelner kleiner grüner Sprössling im verbrannten Land – langsam Lebensmut und Hoffnung wachsen. Die sanften Gitarrenklänge von Jake Xerxes Fussell und James Elkington sorgen dabei immer wieder für einen Resonanzboden, der die Gefühle und die Sehnsucht nach Heilung verstärkt, während Totalen der ebenso weiten wie grandiosen Landschaft Colorados (Kamera: Alfonso Herrera Salcedo) einerseits die Handlung in den Raum einbetten, andererseits Dustys intensive Bindung an dieses Land nachvollziehbar und spürbar machen.


In seinem unaufgeregten und langsamen Erzählrhythmus, in dem jeder Szene Zeit gelassen wird, entwickelt "Rebuilding" so bewegende Kraft und Schönheit. Immer wieder kann dieses leise und sanfte Drama dabei zu Tränen rühren, aber nie stellt sich das Gefühl von verlogener Harmoniesucht und Sentimentalität ein, sondern echt wirken die Gefühle und die Figuren und ansteckend wirken der Mut und die Hoffnung, die diese filmische Perle verbreitet.



Rebuilding

USA 2025

Regie: Max Walker-Silverman

mit: Josh O’Connor, Lily LaTorre, Meghann Fahy, Kali Reis, Amy Madigan, Zeylianna Martinez

Länge: 95 min.



Läuft derzeit in den Schweizer Kinos, z.B. im Kinok St. Gallen und im Skino Schaan.



Trailer zu "Rebuilding"



Kommentare


bottom of page