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  • AutorenbildWalter Gasperi

Mamma ante portas


Weil es mit dem Partner nicht mehr klappt und ihre eigene Wohnung renoviert wird, zieht die 70-jährige Jacqueline bei ihrer Tochter ein, die gerade versucht, ihre Ehe nochmals zu kitten: Der Stoff birgt Potential, doch Éric Lavaines Komödie fehlt es an Esprit und auch die bescheidenen Gags zünden nicht wirklich.


2016 erzählte Éric Lavaine in der Komödie "Willkommen im Hotel Mama" von der 40-jährigen Stéphanie, die nach Verlust ihres Jobs vorübergehend bei ihrer verwitweten Mutter einzieht. Nun dreht der 61-jährige Franzose den Spieß gewissermaßen um: Die Mutter zieht nun zur Tochter.


Dabei ist die 70-jährige Jacqueline (Josiane Balasko) gerade erst bei ihrem Nachbarn und Liebhaber Jean (Didier Flamand) eingezogen, doch ihr dominantes Auftreten führt bald zum Streit. Zurück in die alte Wohnung kann sie derzeit aber auch nicht, da diese renoviert wird. Auch ihre Lieblingstochter Stéphanie kommt nicht als vorübergehende Bleibe in Frage, da diese in Brasilien arbeitet.


Nach Losentscheid der beiden anderen Kinder soll zwar Sohn Nicolas die Mutter aufnehmen, doch da diesen gerade seine Frau verlässt, landet die Witwe rasch bei ihrer zweiten Tochter Carole (Mathilde Seigner). Diese ist aber nicht nur beruflich belastet, sondern versucht auch mittels Paartherapie ihre Ehe mit ihrem etwas unbeholfenen Ehemann Alain (Jérôme Commandeur) zu retten. Komplikationen sind vorprogrammiert, da die Mutter im Haus der Tochter sehr dominant auftritt. Wenn dann auch noch die Großmutter anlässlich ihres 90. Geburtstags eingeladen wird, wird klar, von wem die Mutter ihr Verhalten geerbt hat.


Durchaus Potential für eine spritzige Komödie hat dieser Clash der Generationen, doch Éric Lavaine weiß dieses nicht auszuschöpfen. Redlich bemühen sich zwar die Schauspieler:innen, doch wirklich Profil können sie ihren Figuren nicht verleihen. Die französische Mittelmeerküste um La Ciotat sorgt zwar vor allem am Beginn mit einem Bootstrip für einen pittoresken Rahmen, doch der Bildsprache und der Erzählweise fehlt es davon abgesehen entschieden an Esprit.


Vorhersehbar ist, wenn Carole der Mutter lang und breit die Fernbedienung des Fernsehers erklärt, sie an ihre Rückenprobleme erinnert oder bittet, die beiden Schalen mit Schlüsseln nicht umzustellen, dass diese Details später noch eine Rolle spielen werden. Doch flach und harmlos bleiben die Witze um die Lieblings-Fernsehserie der Mutter, die Sitzungen beim Paartherapeuten, der Tochter und Ehemann ausnimmt, oder den Handwerker, der bei der Renovierung nicht weiter kommt.


Ein Lichtblick ist hier der Auftritt der zuletzt in "Im Taxi mit Madeleine" brillierenden Line Renaud als 90-jährige Großmutter. Sie bringt im Gegensatz zu den anderen Schauspieler:innen allein mit ihrer Präsenz und ihrer Ausstrahlung Emotionen in die ansonsten farblose Komödie.


Gerade wenn das Drehbuch nicht besonders originell ist, reicht es nicht, nach Schema F eine Geschichte zu erzählen, sondern es müsste dem Film mit feurigem Spiel und Regieeinfällen Leben eingehaucht werden. Während hier aber auf der einen Seite die selbstsüchtige Mutter mit ihrem dominanten Auftreten nur nervt, kann auf der anderen Seite das unter diesem unerwünschten Gast leidende Ehepaar kaum Mitleid und Interesse wecken.


Kommt dazu mit Witzen um einen der Sprache nicht mächtigen polnischen Handwerker zunächst scheinbar noch ein ausländerfeindlicher Akzent, so wird dieser Ansatz schließlich immerhin in eine andere Richtung geführt. Aber dennoch zünden diese Witze so wenig wie das Spiel um die vermeintlich wilde sexuelle Aktivität der Mutter, sodass das Vergnügen insgesamt sehr dürftig ausfällt und diese Nichtigkeit ohne Nachwirkung verpufft.

Denn dass sich am Ende alles in Wohlgefallen auflöst, war wohl von Anfang an klar und weder neu noch weltbewegend ist die Moral der Geschichte, dass Familie wichtig ist, dass man aber auch jedem Mitglied wie Pflanzen Luft zum Atmen lassen muss.

Mamma ante portas – Un tour chez ma fille Frankreich 2021 Regie: Éric Lavaine mit: Josiane Balasko, Mathilde Seigner, Jérôme Commandeur, Line Renaud, Alexandra Lamy, Didier Flamand Länge: 89 min.



Läuft in den österreichischen und deutschen Kinos, z.B. im Cinema Dornbirn. TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Do 1.6. bis Mo 5.6.


Trailer zu "Mamma ante portas"



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