• Walter Gasperi

Hollywood Story - The Big Knife


Jack Palance als Hollywoodstar, der einem von Rod Steiger gespielten Produzenten ausgeliefert ist. – Robert Aldrichs 1955 entstandene, schonungslose Abrechnung mit der Traumfabrik ist bei explosive media (Vertrieb: Koch Films) auf DVD und Blu-ray erschienen.


Ein Off-Erzähler führt mit Ansichten von Villen mit ihren prächtigen Gärten und Pools ins Hollywooder Nobelviertel Bel Air ein, macht aber auch schon deutlich, dass sich hinter dem Glamour Abgründe verbergen. Vom allgemeinen Setting engt Robert Aldrich den Blick ein auf das Anwesen des Hollywoodstars Charles Castle (Jack Palance).


Die Herkunft des Films von Clifford Odets 1949 uraufgeführtem Bühnendrama merkt man "Hollywood Story" an, wenn das Wohnzimmer dieser Villa in den folgenden 110 Minuten kaum einmal verlassen wird und die wenigen Außenszenen entbehrlich wirken. Nicht einmal über die Wendeltreppe in das Obergeschoß wird die Kamera von Ernest Laszlo den Protagonist*innen folgen.


Vom düsteren Film noir "Rattennest - Kiss Me Deadly" (1955) , den Aldrich unmittelbar davor gedreht hatte, und dem danach entstandenen Kriegsfilm "Ardennen 1944 - Attack!" (1956) unterscheidet sich "Hollywood Story" allein schon durch diese räumlichen Engführung deutlich. Aber durch die Konzentration auf den einen Raum entwickelt der Film Dichte. Hier kann Aldrich die Konfrontation der Figuren aufbauen, die Konfliktfelder und Abhängigkeiten scharf herausarbeiten.


Im Zentrum steht Charles Castle, der einen neuen Siebenjahresvertrag beim skrupellosen Produzenten Stanley Hoff (Rod Steiger) unterzeichnen soll. Aufgrund eines von Castle in alkoholisiertem Zustand verursachten Autounfalls, bei dem ein Passant getötet wurde, hat Hoff Castle in der Hand. Castles Frau (Ida Lupino) droht dagegen mit Scheidung, falls ihr Mann den Vertrag unterzeichnet, denn sie sieht, dass er sich mit Hoffs billigen Kommerzproduktionen verkauft hat und möchte ihn aus dem Zugriff des Produzenten befreien.


Wie Aldrich mit dem luxuriösen Wohnzimmer mit großer Bar und Gemälden an den Wänden treffend den Reichtum von Stars vermittelt, so präzise und zynisch ist auch sein Blick auf das Machtgefüge in Hollywood. Schonungslos deckt er die Macht des skrupellosen Produzenten aus, für den der Star nur ein Objekt ist, mit dem er Geld verdienen kann. Ein willfähriger Helfer Hoffs ist dabei sein Assistent Smiley Coy (Wendell Corey), der die Drecksarbeit für seinen Boss erledigt. So lässt er auch Castles Frau abhören, um auch diese unter Druck zu setzen, und verdreht in Presseaussendungen gezielt Tatsachen, um den schönen Schein zu wahren.


Mit einer Klatschjournalistin, die unübersehbar nach dem Vorbild der legendären Hedda Hopper angelegt ist, fehlt auch eine Abrechnung mit der Macht des Boulevards nicht und mit der jungen Dixie Evans (Shelley Winters), die eine Zeugin von Castles Unfall war, kommt schließlich auch ein Starlet ins Spiel. Um sich ihr Schweigen zu erkaufen, hat Hoff sie unter Vertrag genommen, denkt aber nicht daran, ihr eine Rolle in einem Film zu geben. Einerseits schwärmt diese Dixie für Castle, andererseits droht sie auch ihr Wissen publik zu machen. Um das zu verhindern, schrecken Hoff und Smiley auch nicht vor Mord zurück, während der zwischen der Liebe zu seiner von ihm getrennt lebenden Frau und seiner Karriere zerrissene Castle Skrupel entwickelt.


Aldrich inszeniert zupackend, kann mit Kamerabewegungen, Schnitt und dem Wechsel von Großaufnahmen und Totalen das theaterhafte Setting des dialoglastigen Films vergessen machen und auf ein starkes Ensemble vertrauen. Sein Stammschauspieler Jack Palance ("Ardennen 1944", "Vor uns die Hölle - Ten Seconds to Hell") überzeugt als zerrissener Star, in dem Robert Lorenz in seinem großartigen Buch "Traumafabrik. Hollywood im Film" eine Hommage an den früh verstorbenen Schauspieler John Garfield sieht (S. 202ff.), ebenso wie Ida Lupino als liebende Gattin.


Herausragend ist aber vor allem Wendell Corey als Hoffs eiskalte rechte Hand, während Rod Steiger als cholerischer Produzent zumindest auf den ersten Blick zu Overacting zu neigen scheint. Doch laut Lorenz ist auch diese Figur trotz ihrer scheinbaren Überzeichnung eine sehr genaue Synthese der realen Hollywood-Moguln Harry Cohn (Columbia Pictures) und Louis B. Mayer (MGM) (S. 210f.).


Kein Wunder ist es, dass Aldrich diese ebenso grelle wie schonungslose Abrechnung mit Hollywood und dem Star-System nur drehen konnte, indem er sie selbst produzierte. Gleichzeitig machte er sich mit dem ebenso treffenden wie vernichtenden Blick auf die allmächtigen Produzenten in der Traumfabrik freilich unbeliebt und konnte sich anschließend nur durchsetzen, weil Ende der 1950er Jahre die Macht dieser Moguln mit dem Niedergang des klassischen Hollywoods langsam zerbröckelte.


An Sprachversionen bieten die bei explosive media (Vertrieb: Koch Films) erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras beschränken sich auf den Kinotrailer, eine Bildergalerie und einen fünfminütigen TV-Spot über die Entstehung des Films und seine Stars.


Trailer zu "Hollywood Story - The Big Knife"