• Walter Gasperi

Filmbuch: Traumafabrik – Hollywood im Film


Als Ort, an dem Stars geboren werden, und als Traumfabrik gilt Hollywood, doch Robert Lorenz deckt anhand der Analyse von 23 Filmen über die Filmmetropole auch die Schattenseiten des Business auf. Brillant versteht es der Autor dabei Filmbeschreibungen mit Parallelen in der Realität zu verknüpfen und bietet somit gleichermaßen vielfältige Informationen wie Lesegenuss.


Immer wieder entstanden in Hollywood selbstreflexive Filme über die Filmstadt. 23 hat Robert Lorenz ausgewählt und stellt sie nach einem Vorspann mit einem Überblick über Hollywood und seine Widersprüche chronologisch geordnet auf 400 Seiten ausführlich vor. Der Bogen spannt sich vom 1932 entstandenen "What Price Hollywood?" bis zu Michel Hazanavicius´ Oscar gekröntem Stummfilm "The Artist" aus dem Jahre 2011.


Ganz unterschiedlich lang sind die Analysen, reichen von acht Seiten bei "The Artist" bis zu 45 Seiten bei George Cukors Remake von "A Star Is Born" (1954), gemeinsam ist den Kapiteln, dass jedes mit Filmstills aus dem vorgestellten Film abgeschlossen wird. Neben Klassikern wie dem schon erwähnten "A Star is Born", dessen Erstverfilmung von William A. Wellman aus dem Jahre 1937 ebenfalls vorgestellt wird, oder Billy Wilders "Sunset Boulevard" (1950), dem Gene Kelly/Stanley Donen-Musical "Singin´in the Rain" (1952), Vincente Minnellis "The Bad and the Beautiful" (1952) und Robert Altmans "The Player" (1992) fehlen auch weniger bekannte Werke nicht.


Durchaus kritisch blickt Lorenz dabei auf Filme wie Harry Lachmans "It Happened in Hollywood" (1937), John Cromwells "The Goddess" (1958) oder Peter Bogdanovichs "Nickelodeon" (1976), denn es geht ja nicht darum ausschließlich Meisterwerke der Filmgeschichte zu präsentieren, sondern Filme, die einen Blick auf zentrale Aspekte Hollywoods bieten.


Die Themen wiederholen sich so immer wieder. Mal geht es um Stars, die von Ruhm träumen oder die mit ihrem schwindenden Ruhm nicht fertig werden, bald um mächtige und skrupellose Studiobosse, dann wieder um PR-Agenten, die die Vita der Stars umschreiben, negative Ereignisse vertuschen, positive aufbauschen.


Begeisternd ist nicht nur die Detailtreue der Filmbeschreibungen, sondern mehr noch wie leichthändig Lorenz immer wieder Parallelen zum realen Hollywood herausarbeitet. Immer wieder bietet der Autor so Einblick in Leben und Karrieren von Persönlichkeiten, die als Vorbild der Filmfiguren dienten, verweist auf aufgezwungene Namensänderungen und Schönheitsoperationen, macht Parallelen zu den glanzvollen Film-Villen in der Realität ausfindig und stellt reale Cafés und Bars, aber auch das Grauman´s Chinese Theatre vor, die in Film und Realität gleichermaßen zentrale Plätze Hollywoods sind oder waren.


Nie verliert sich Lorenz dabei in seinem bestechenden Detailwissen, sondern versteht es dieses meisterhaft in die Schilderung einzubauen, sodass "Traumafabrik" auch nie überladen wirkt, sondern durchgehend großen Lesegenuss bietet. Perfekt integriert in die Darstellung werden auch immer wieder kurze originale englische Zitate, mit denen die Schilderung bekräftigt wird.


Geschickt wird aber auch mit der Filmauswahl der Bogen von der Frühzeit bis zur Gegenwart gespannt. Einblick in die Frühzeit bekommt man so mit den Barackensiedlungen in "Nickelodeon" ebenso wie in den Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm mit Filmen wie "Singin´ in the Rain" oder "The Artist", die Glanzzeit mit der grenzenlosen Macht der Studiobosse ("The Bad and the Beautiful") bis hin zum Untergang des alten Hollywood (Billy Wilders "Fedora") und der Ablöse der durchaus filmaffinen Mogule durch reine Geschäftsleute ("The Player").


Abgerundet wird das mit Verve und Leidenschaft geschriebene Buch mit einem 50-seitigen Abspann, in dem Lorenz nochmals die zentralen Themen zusammenfasst und quasi eine Zusammenschau der vorgestellten Filme bietet, aber auch auf weitere verweist.


Auch eine Filmographie mit den Credits zu den vorgestellten Filmen, eine Literaturliste und ein ausführlicher Index, der ein problemloses und schnelles Auffinden von Filmtiteln und Personen ermöglicht, fehlt nicht. - Erschienen ist diese fundierte, mitreißende und umfassende Darstellung Hollywoods nicht in einem der renommierten auf Filmliteratur spezialisierten Verlage, sondern über Books on Demand, da so der Autor über Covergestaltung, Layout und Erscheinungstermin selbst entscheiden konnte und auch die Urheberrechte in seinem Besitz verblieben.

Robert Lorenz, Traumafabrik. Hollywood im Film, Books on Demand, Norderstedt 2021, 508 S., € 29,90, ISBN 978-3-7534-5311-8 (Print) (e-book: € 19,99, ISBN 978-3-7531-9050-1)