• Walter Gasperi

Duell am Mississippi


Anfang des 19. Jahrhunderts gefährden Banditen die Existenz der Plantagenbesitzer im Mississippi-Delta. – William Castles farbenprächtiger, aber flacher Abenteuerfilm mit Lex Barker in der Hauptrolle ist bei Explosive Media (Vertrieb: Koch Films) auf Blu-ray erschienen.


Schwierig ist die Genrezuordnung bei diesem 1955 entstandenen Film: Als Western kann man ihn aufgrund des Mississippi-Deltas als Schauplatz und den Kämpfen zwischen Besitzern von Zuckerrohrplantagen und Banditen als Thema kaum bezeichnen. Zudem duelliert man sich hier statt mit Pistolen mit Degen und Machete. Am ehesten scheint noch die Einordnung als Abenteuerfilm zu passen.


Ein Off-Erzähler führt in die Handlung ein, informiert über den Aufstieg der Plantagenbesitzer durch den Handel mit dem wertvollen Zucker und die Gefährdung ihrer Macht durch Banditen und Piraten. Quasi um dies zu beweisen, folgen unmittelbar darauf ein Überfall auf eine Plantage und der Raub der Zuckerernte des Jahres. Angeführt wird die Bande von einer Frau - Lili Scarlet (Patricia Medina). Diese wird vom Sohn des Plantagenbesitzers, André Tulane (Lex Barker), zwar gestellt, kann dann aber entkommen.


Vorhersehbar ist, dass sich eine Liebesbeziehung zwischen diesen Kontrahenten entwickeln wird. Gefahr droht Tulane aber von Lilis früherem Verlobten und Helfer, der ihn als hervorragender Fechter zu einem Duell fordert. Am Happy End können freilich nie Zweifel aufkommen.


Schlag auf Schlag geht es in dem nur 72-minütigen Film. Mal rückt die Romanze in den Vordergrund, mal die Action, zu der auch eine Schlägerei unter Frauen zählt, und auch Komik kommt nicht zu kurz. Der B-Film-Spezialist Castle ("Der unheimliche Mr. Sardonicus", "Das alte finstere Haus", "Kennwort Kätzchen) entwickelt die einzelnen Szenen aber kaum und die Inszenierung bleibt holzschnittartig. Auch die sozialen Gegensätze zwischen den vornehmen Plantagenbesitzern auf der einen Seite und den rauen Banditen auf der anderen werden nur behauptet, aber nicht differenzierter herausgerarbeiet.


Über diese Schwächen lässt aber teilweise die starke Figur der Lili Scarlet hinwegsehen. Sie ist eine Verwandte von Barbara Stanwycks Rancherin in Sam Fullers "Forty Guns" oder von Joan Crawfords Saloon-Besitzerin in Nicholas Rays "Johnny Guitar". Dominant tritt sie auf, lenkt die Geschäfte in dem Spielsalon auf ihrem Mississsippidampfer, kontrolliert die Aktionen ihrer Bande und befiehlt auch lustvoll über Tulane, der ihr aufgrund eines nicht bezahlten Schuldsein seines Vaters für gewisse Zeit als Leibeigener dienen muss.


Castle versteht es Patricia Medina mit ihren roten Haaren und einem in jeder Szene anderen schulterlosen Kleid, das dank der Technicolorfarben mal rot, mal grün, mal schwarz oder auch türkis und hellblau leuchtet, in Szene zu setzen. Blickfang und Zentrum von "Duell am Mississippi" ist diese Lili. Umso enttäuschender ist, wie sie sich am Ende in die Hände Tulanes begibt und sich ihm quasi unterwirft.


Die Botschaft ist klar: Unabhängig und stark darf eine Frau sein, solange sie unverheiratet ist, in der Ehe aber hat sie sich dem Mann unterzuordnen. So konservativ die damit präsentierten Geschlechterrollen sind und im Kern auch von der Zähmung einer Widerspenstigen erzählt wird, so sehr verwundert auch, wie die Plantagenbesitzer speziell im einleitenden Voice-Over als gute Herren vorgestellt werden und die Sklaverei, auf der ihr Reichtum beruht, mit keinem Wort erwähnt wird.


An Sprachversionen bietet die bei Explosive Media (Vertrieb: Koch Films) erschienene Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung, sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras beschränken sich auf den US-Kino-Trailer und eine Bildergalerie.


Trailer zu "Duell am Mississippi"