• Walter Gasperi

Das alte finstere Haus


Ein Amerikaner wird in England in einem Landschloss in eine Mordserie um das Erbe einer schrulligen Familie verwickelt. William Castles 1963 entstandene milde, aber unterhaltsame Horrorkomödie ist bei Koch Media als zweiter Titel der William Castle-Collection in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen.


1932 gelang James Whale mit der J. B. Priestley-Verfilmung "The Old Dark House" nach "Frankenstein" ein weiterer Klassiker der Universal-Horrorfilme. Von der ursprünglichen Handlung ist bei William Castle, der die Geschichte in die Gegenwart der frühen 1960er Jahre verlegte, nicht allzu viel übrig geblieben.


Während der schon bei Koch Media erschienene "Mr. Sardonicus" zwar teilweise in England spielt, aber in den USA gedreht wurde, entstand "Das alte finstere Haus", bei dem Castle mit dem auf Horrorfilme spezialisierten britischen Hammer Studio zusammenarbeitete, zur Gänze in England. Im Gegensatz zum schwarzweißen "Mr. Sardonicus" wurde dieser Film auch in Farbe gedreht, aus Kostengründen dann aber in einer schwarzweißen Fassung in den USA in die Kinos gebracht.


Unvermittelt setzt "Das alte finstere Haus" mit einem Treffen des amerikanischen Autoverkäufers Tom Penderel (Tom Poston) mit dem Briten Casper Femm in einem Londoner Casino ein. Casper bittet dabei Penderel das von ihm gekaufte Auto selbst zu seinem alten Familienanwesen in Dartmoor zu bringen. Ein komödiantischer Ton wird dabei schon auf dieser Fahrt angeschlagen, wenn der Autoverkäufer peinlich versucht das Cabrio blitzblank zu halten, bald aber Regen einsetzt, die schlammige Straße die Karosserie beschmutzt und schließlich beim Eingang zum Schloss ein Steinlöwe vom Tor auf die Motorhaube fällt.


Nicht genug damit landet Penderel beim Benutzen des Türklopfers auch sogleich durch eine Falltür im Keller und muss erfahren, dass Casper ermordet wurde. So lernt er dessen Familie kennen von der ständig strickenden Tante Agatha über den Waffennarren Roderick bis zu Potiphar, der eine Arche baut und schon mit Tierpaaren beladen hat, um eine bevorstehende neue Sintflut zu überleben. Dazu kommen die junge Cecily und die Femme fatale Morgana, die sich sogleich gegen den Willen ihres aggressiven Vaters an Penderel ranmacht. Nach außen gibt man sich zwar harmonisch, doch weitere Morde machen rasch deutlich, dass hier jemand die Konkurrenten um das Familienerbe ausschalten will.


Mehr als von der Frage, wer nun der Mörder oder die Mörderin ist, lebt "Das alte finstere Haus" von den schrulligen und lustvoll gespielten Figuren. Beschränkt auf das Schloss als einzigem Schauplatz und eine Nacht als Handlungszeitraum kann Castle hier durchaus Dichte und Dynamik entwickeln. Thrill oder ein Gefühl der Bedrohung kommt zwar kaum auf, denn zu harmlos wirkt diese Familie. Mehr in witzige als gruselige Szenen wird so Penderel immer wieder verwickelt und auch Slapstick fehlt nicht, wenn der Protagonist mehrfach im Keller landet und von Morganas Vater verfolgt wird.


Von eher bescheidenem Niveau ist der Witz zwar, dennoch ist das - nicht zuletzt aufgrund der liebevollen Machart - unterhaltsam. Auch die für die Hammer-Filme typische expressive Farbdramaturgie sorgt für nette Akzente. Geschickt stechen hier das kräftige Rot und Blau von Agathas Strickwaren, ein oranges, körperbetont-enges Kleid von Morgana oder ihr rosa Nachthemd aus den dominierenden gedeckten und blassen Farben heraus.


An Sprachversionen bieten die bei Koch Media in einem Mediabook erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras umfassen neben dem englischen Trailer und einer Bildergalerie vor allem die Wahlmöglichkeit zwischen der originalen farbigen und der schwarzweißen Fassung. Dazu kommen der Vorspann der deutschen Fassung sowie die zwei deutsch untertitelten Featurettes "Not too Spooky" und "House and Castle", in denen jeweils ausführlich Produktion sowie Inhalt mit Stärken und Schwächen des Films beleuchtet werden.


Trailer zu "Das alte finstere Haus"