• Walter Gasperi

Die Outsider - The Outsiders


Francis Ford Coppolas 1983 entstandene Verfilmung von S. E. Hintons gleichnamigem Jugendbuch ist ein Klassiker des Jugendfilms. Bei Studiocanal ist das nostalgische Drama um rivalisierende Jugendgangs in der originalen Kinofassung und einer von Coppola erstellten 22 Minuten längeren Fassung dank digitaler Restaurierung in perfekter Bildqualität und mit umfangreichem Bonusmaterial auf DVD und Blu-ray erschienen.


Ungewöhnlich ist die Entstehungsgeschichte dieser Verfilmung von S. E. Hintons 1967 erschienenem Debütroman. Wie Francis Ford Coppola in einem Interview, das sich unter den Extras findet, erzählt, wendete sich nämlich eine Schulbibliothekarin mit einem Brief, den 300 Schüler*innen unterschrieben, mit der Bitte einer Verfilmung an ihn. Dieser Bibliothekarin und den Schüler*innen hat der Regisseur von "Der Pate" und "Apocalypse now" seinen Jugendfilm auch gewidmet.


Nach dem kommerziellen Desaster von "One from the Heart" (1982) entstand "The Outsiders" quasi als Doppelpack. Denn kurz nach diesem klassischen nostalgischen Jugendfilm drehte dieser letzte Tycoon Hollywoods auch den ungleich experimentelleren "Rumble Fish" (1983). Dem Schwarzweiß und einer Bildsprache, die an den expressionistischen deutschen Film der 1920er Jahre erinnert, von letzterem stehen bei ersterem kräftige Farben und eine unübersehbare Orientierung an Nicholas Rays James Dean-Klassiker "Rebel Without a Cause" gegenüber.


Die Handlung spielt in Tulsa, Oklahoma in den frühen 1960er Jahren. Mit einem Aufsatz, den der 14-jährige Ponyboy Curtis (C. Thomas Howell) schreibt, und seinem Voice-over ist die Erzählung als Rückblende gekennzeichnet. Mit der Rückkehr zu dieser Ausgangssituation am Ende rahmt der Moment des Schreibens auch den Film.


Die Erzählung Ponyboys, der seit dem Unfalltod seiner Eltern mit seinen älteren Brüdern Darrell (Patrick Swayze) und Sodapop (Rob Lowe) in einem heruntergekommenen Haus am Stadtrand lebt, setzt mit dem Verlassen eines Kinos ein. "The Hustler" (1961) von Robert Rossen hat Ponyboy darin gerade gesehen. Mit diesem Auftakt verankert Coppola "The Outsiders" einerseits zeitlich, andererseits verweist er damit schon auf das klassische Holllywood als Referenzpunkt.


Der zentrale Konflikt zwischen der Jugendgang "Greasers", deren Mitglieder aus einfachen Verhältnissen stammen und zu denen auch Ponyboy gehört, und den aus der Oberschicht stammenden "Socs" wird schon eingeführt, wenn Ponyboy auf dem Heimweg vom Kino von den Socs angegriffen wird.


Immer wieder kommt es zwischen diesen Gangs, die auch in unterschiedlichen Stadtvierteln leben, zu Streitereien. Einzig die mit den Socs befreundete Cherry (Diane Lane), die Sympathien für Ponyboy entwickelt, versucht zu vermitteln, kann aber wenig ausrichten. Verschärft werden die Konflikte durch den soeben aus dem Gefängnis entlassenen, aggressiven Greaser Dallas (Matt Dillon).


Ganz aus der Perspektive der Jugendlichen erzählt Coppola, Erwachsene sind weitgehend abwesend. Einen famosen Cast an damals noch unbekannten jungen Schauspieler*innen, die umwerfend frisch und natürlich spielen, wurde dafür gefunden. Mit Lederjacken und Jeans sowie einer markanten Farbdramaturgie, bei der Nachtszenen konsequent in Blau getaucht werden und denen in Rot getauchte Sonnenuntergänge gegenüberstehen, evoziert Coppola perfekt die Stimmung des Klassikers "Rebel without a Cause", zitiert andererseits aber auch "Gone with the Wind", dessen Vorlage von Margaret Mitchell Ponyboy gerade liest.


Keine realistische Schilderung der Zeit und dieser Bandenkämpfe soll hier geboten werden, sondern nostalgisches Kino, das mit seinen kräftigen Bildern auch keine Angst vor Kitsch kennt. Gleichzeitig gelingt es Coppola aber auch tief in die Gefühle der Jugendlichen einzutauchen und ihre Sehnsüchte und Ängste intensiv zu vermitteln.


Im Zentrum stehen dabei Ponyboy und die Greasers, die reichen Socs dienen nur der Kontrastierung dieser Unterschicht-Teenager, in deren Leben aufgrund sozialer Vernachlässigung und materieller Benachteiligung Gewalt eine große Rolle spielt, die aber dennoch von einer Veränderung und einem Ausbruch aus dieser Misere träumen.


Musste Coppola den Film auf Drängen des Verleihers Warner Brothers für den Kinostart 1983 auf 90 Minuten kürzen, so erstellte er 2005 eine 22 Minuten längere Fassung, der er den Untertitel "The Complete Novel" gab. Vor allem die Eingangsszene wurde dabei ergänzt, durch die der Film erst seinen Rückblenden-Charakter erhält. Gleichzeitig veränderte er aber auch den Soundtrack. Die ursprüngliche Musik seines Vaters Carmine Coppola drängte Coppola zurück und verstärkte mit zahlreichen Songs von Elvis Presley die Zeitstimmung.


An Sprachversionen bieten die bei Studiocanal erschienene DVD und Blu-ray die englische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung. Verfügbar sind auch englische Untertitel für Hörgeschädigte. Neben der originalen Kinofassung wird auch die längere Version angeboten. Dazu kommen als – jeweils deutsch untertitelte - Extras Interviews zur Restaurierung des Films mit James Mockoski, mit Kameramann Stephen H. Burum, und mit Coppola über die Entstehung des Films sowie über seine Lieblingsszenen.


Ein Featurette bietet Einblick in die Geschichte des Hauses, in dem Ponyboy und seine Brüder leben, vom langsamen Zerfall über die Renovierung bis zur Umgestaltung zu einem Museum. Und auch deutsch untertitelte Audiokommentare einerseits der Schauspieler Matt Dillon, C. Thomas Howell, Diane Lane, Rob Lowe, Ralph Macchio und andererseits von Francis Ford Coppola fehlen nicht.


Trailer zu "Die Outsider - The Outsiders"