• Walter Gasperi

Die drei Tage des Condor


Von wem droht Gefahr und wem kann man in der modernen Welt noch trauen? – In Sydney Pollacks klassischem Paranoia-Thriller geht ein hoher CIA-Angestellter mit brutalen Mitteln gegen eine eigene Abteilung vor. Nur ein Mitarbeiter kann entkommen und versucht die Intrige aufzudecken. Bei Studiocanal ist der mit Robert Redford, Faye Dunaway und Max von Sydow stark besetzte, hochspannende Thriller auf DVD und Blu-ray erschienen.


Mitte der 1970er Jahre erlebte das Paranoia-Kino in den USA einen Höhepunkt. Die Ermordung John F. Kennedys 1963 sowie Robert Kennedys und Martin Luther Kings 1968, vor allem aber die Watergate-Affäre, die schließlich zum Rücktritt Richard Nixons als Präsident führte, hatten eine tiefe Verunsicherung ausgelöst.


Heil wirkt die Welt noch am Beginn von Sydney Pollacks 1975 gedrehtem Thriller, wenn die Arbeit in einer als "Amerikanische Literaturgesellschaft" getarnten New Yorker Außenstelle des CIA geschildert wird. Abrupt bricht aber mit einem Überfall, bei dem sieben Mitarbeiter getötet werden und Joe Turner (Robert Redford), der den Decknamen "Condor" trägt, nur entkommt, weil er gerade den Lunch für das Team besorgte, brutale Gewalt herein..


Als Turner seine Dienststelle informiert, erhält er aber keine Hilfe, sondern vielmehr wird ein Killer auf ihn angesetzt. Geschockt muss er auch feststellen, dass durch Manipulation des CIA ihm medial ein Mord in die Schuhe geschoben wird. Einzige Chance um seinen Kopf zu retten, sieht er darin, selbst den Drahtzieher dieser Intrige innerhalb des CIA ausfindig zu machen.


Er, der sich bislang vor allem aufs Lesen konzentrierte, muss nun das Wissen aus diesen Büchern in die Praxis umsetzen, muss nicht nur recherchieren, sondern Strategien entwickeln, seine Gegner mit telefonischen Manipulationen irritieren und auch Schlagkraft entwickeln. So entführt er zunächst die Fotografin Kathy (Faye Dunaway), um in deren Wohnung unterzutauchen, doch langsam entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden. Gleichzeitig droht aber immer Gefahr durch den Killer (Max von Sydow), dem Turner in einer hochspannenden Aufzugsszene nur mit einer List entkommt.


Während James Gradys Roman noch den Titel "Die sechs Tage des Condor" trägt, hat Pollack den Handlungsrahmen auf drei Tage verkürzt. Dicht gestrickt und dynamisch wird die Geschichte entwickelt und meisterhaft wird ein Gefühl der Unsicherheit erzeugt. Wie Kathy eine Zeit braucht, bis sie zu Turner Vertrauen fasst, so kann er niemandem trauen und muss auch hinter seinem direkten Vorgesetzten einen Gegner vermuten, der nach seinem Leben trachtet.


Spannung und Dichte entwickelt dieser Thriller, der die Techniken klassischer Hitchcock-Filme wie "Die 39 Stufen" und "Der unsichtbare Dritte" mit gesellschaftlicher Aktualität kurzschließt, auch durch die realistische und ungeschönte Optik. Keine Hochglanzbilder werden hier präsentiert, sondern vorzüglich verankert Kameramann Owen Roizman die Handlung im winterlich kalten, vorweihnachtlichen New York. Geschickt verlängert Pollack die Verunsicherung auch über das Filmende hinaus, wenn Turner zwar erklärt, dass die New York Times die schmutzigen Spiele des CIA publik machen wird, doch offen bleibt, ob die Presse nicht auch schon vom Geheimdienst manipuliert wird und die Geschichte verschweigt.


An Sprachversionen bieten die bei Studiocanal erschienene DVD und Blu-ray die englische Original-, die deutsche und französische Synchronfassung sowie deutsche und französische Untertitel. Die Extras umfassen neben einer etwa 20-minütigen, deutsch untertitelten Dokumentation, die sich laut Titel zwar dem "Paranoia-Kino der 70er Jahre" widmet, sich aber ganz auf "Die drei Tage des Condor" konzentriert, einen ebenfalls deutsch untertitelten Audiokommentar, in dem Regisseur Sydney Pollack viele spannende Details erläutert.


Trailer zu "Die drei Tage des Condor"