• Walter Gasperi

Der rebellische Schönling: Robert Redford


Im und mit dem New Hollywood der späten 1960er Jahre wurde der 1936 geborene Robert Redford zum Star. Mit dem Watergate-Aufdecker Bob Woodward in Alan J. Pakulas "All the President´s Man" (1976) spielte er vielleicht die Figur, die seinem Image als liberaler Amerikaner, das er mit seinen eigenen Regiearbeiten und der Gründung des Sundance Film Festivals prägte, am nächsten kommt. Das Filmpodium Zürich widmet dem Hollywoodstar von Juli bis September eine Filmreihe.


Auf einigen Umwegen kam der am 18. August 1936 in Santa Monica, Kalifornien geborene Redford zu Theater und Film. Zunächst hielt er sich in den 1950er Jahren nach einem abgebrochenen Studium mit diversen kleinen Jobs über Wasser, ging dann nach Europa, wo er kurzzeitig auch Kunst studierte und zeitweise als Straßenmaler tätig war, ehe er 1958 in die USA zurückkehrte. In New York begann er Theaterdesign zu studieren, entdeckte dann aber seine Leidenschaft für die Schauspielerei.


Nach einigen Rollen in Broadway-Produktionen feierte er 1962 im Kriegsfilm "War Hunt" ("Hinter feindlichen Linien"; Regie: Denis Sanders) sein Leinwanddebüt, doch seine Filmkarriere kam in dieser Zeit des Niedergangs des klassischen Hollywood-Kinos nur schleppend in Gang. Die Regisseure des New Hollywood wurden für ihn entscheidend. Schon 1966 drehte er mit Sidney Pollack "This Property is Condemned" ("Dieses Mädchen ist für alle"). Sechs weitere Filme mit diesem Regisseur folgten, darunter auch der Oscar-Abräumer "Out of Africa" ("Jenseits von Afrika", 1985).


Mehrfach spielte Redford bei Pollack den kritischen Amerikaner, in "Jeremiah Johnson" (1972) einen Trapper, der sich aus der Zivilisation in die ursprüngliche, raue Natur zurückzieht, in "The Electric Horseman" (1979) einen Rodeo-Reiter, der sich der Vermarktung in Tingeltangel-Shows schließlich entzieht, in "Three Days of the Condor" (1975) einen CIA-Mitarbeiter, der hinter die tödlichen Machenschaften seiner eigenen Organisation kommt.


Zum Weltstar stieg er aber mit zwei Filmen mit Paul Newman auf. In George Roy Hills "Butch Cassidy and the Sundance Kid" ("Zwei Banditen", 1969) und "The Sting" ("Der Clou", 1972) waren sie die Idealbesetzung der smarten Gangster-Duos. Auch im Alter von über 80 knüpfte er in David Lowerys Gaunerkomödie "The Old Man and the Gun" (2018) nochmals an dieses Rollenimage an. Lust an Abenteuer und Freiheitsdrang kennzeichnen diese Rollen ebenso wie Redfords Figuren im Skifahrerfilm "Downhill Racer" ("Schussfahrt", 1969), dem Fliegerfilm "The Great Waldo Pepper" ("Tollkühne Flieger", 1975) oder J. C. Chandors meisterhaftem Seglerdrama "All Is Lost" (2013).


Der Abenteurer mit blondem Haar und blauen Augen, der in Sidney Pollacks "Havana" (1990) auch mal auf den Spuren des Bogart-Klassikers "Casablanca" wandelt, und der kritische Amerikaner sind von Anfang an die zwei Pole von Redfords Figuren. Eine kritische Stellungnahme zur amerikanischen Politik gab er mit seiner Rolle in Michael Ritchies "The Candidate" ("Bill McKaye – Der Kandidat", 1972), mit unmenschlichen Gefängnispraktiken rechnete er in Stuart Rosenbergs "Brubaker" (1980) ab.


1980 begann Redford auch selbst Regie zu führen und gewann sogleich für sein Debüt "Ordinary People" ("Eine ganz normale Familie", 1981) den Regie-Oscar, während er es als Schauspieler insgesamt nur auf eine Oscar-Nominierung für seine Rolle in "The Sting" brachte. Die Linie, die er als Schauspieler pflegte, setzte er mit seinen Regiearbeiten fort.


Gesellschaftskritik übte er in der Komödie "The Milagro Beanfield War" (1988), der vom Aufstand eines Dorfes gegen die Baupläne eines Immobilienunternehmers erzählt, einen kritischen Kommentar zur Politik der Bush-Administration brachte "Lions for Lambs" ("Von Löwen und Lämmern", 2007) und mit "The Company You Keep" (2013) knüpfte er an die Politthriller des New Hollywood an. In "A River Runs Through It" (1992) und "The Horse Whisperer" (1998) spielt dagegen wie schon im Western "Jeremiah Johnson" die Liebe - und implizit die Erhaltung - der unberührten Natur eine große Rolle.


Diese Haltung Redfords kommt auch in seinem Engagement für den Umweltschutz und die Rechte der indigenen Bevölkerung, aber auch in der Gründung des Sundance Film Festivals, das er nach seiner Rolle in "Butch Cassidy and the Sundance Kid" benannte, zum Ausdruck. Nicht Hollywood-Produktionen, sondern unabhängige Filme, die sich oft kritisch mit den USA auseinandersetzen, werden bei diesem seit 1984 in Park City in Utah veranstalteten Festival alljährlich im Januar gezeigt. – Eine Einrichtung, die inzwischen aus dem Festival-Kalender nicht mehr wegzudenken ist und deren Bedeutung für die Erhaltung und Entwicklung des künstlerisch anspruchsvollen Films in den USA gar nicht überschätzt werden kann.


Bis September: Filmreihe im Filmpodium Zürich


Kurze Szenen aus Robert Redford-Filmen