Der Tod kommt zweimal – Body Double


Obsessionen, Voyeurismus, Mord und Sex: Brian De Palma manipuliert in seiner Variation von Hitchcocks "Das Fenster zum Hof" und "Vertigo" durch eine raffinierte Intrige nicht nur seinen Protagonisten, sondern auch die Zuschauer*innen. Bei Koch Films / Plaion ist der visuell brillante Thriller, der auch meisterhaft mit dem filmischen Blick spielt, mit zahlreichen Extras in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen.


Alfred Hitchcock war die große Referenz Brian De Palmas in den 1970er und frühen 1980er Jahren. Ob in "Sisters" ("Die Schwestern des Bösen" 1973), "Obsession" ("Schwarzer Engel", 1976) oder "Dressed to Kill" (1980) – immer wieder orientierte sich der 1940 geborene Amerikaner an Klassikern wie "Das Fenster zum Hof", "Vertigo" oder "Psycho".


Mit blutroten Credits lässt der Einstieg einen Horrorfilm erwarten und zu entsprechender Musik und dem Heulen von Wölfen öffnet die Kamera mit Rückwärtsfahrt den Blick auf einen Friedhof, über den der obligate Bodennebel zieht. Langsam gleitet sie zu einem Grab, in dem ein Vampir liegt, der abrupt seinen Mund öffnet. Mit dem Ruf "Action!" entpuppt sich die Szene aber als Filmset. Damit stimmt De Palma schon auf das Spiel von Schein und Realität ein, das sich durch "Der Tod kommt zweimal – Body Double" zieht, aber auch auf die Manipulation der Zuschauer*innen und das Spiel mit dem filmischen Blick.


Unzufrieden mit der Leistung des Vampirdarstellers Jake (Craig Wasson), der aufgrund einer Klaustrophobie im Sarg verkrampft agiert, schickt der Regisseur ihn zum Ausspannen nach Hause, wird ihn bei der Rückkehr aber schon durch einen anderen Schauspieler ersetzt haben.


Beiläufig setzt sich das Spiel mit Schein und Realität und der Illusionsmaschine Kino fort, wenn Jake auf dem Weg durch das Studiogelände zuerst eine Wüstenlandschaft, dann eine Palmenallee zu passieren scheint, beide sich aber sogleich als Filmkulissen entpuppen.


Der nächste Schock erwartet Jake zuhause, als er seine Freundin mit einem anderen im Bett erwischt. Glück scheint er immerhin bei der Suche nach einer neuen Wohnung zu haben, denn ein anderer Schauspieler überlässt ihm während seiner Abwesenheit das in den Hollywood Hills gelegene, von John Lautner konstruierte futuristische Chemosphere-Gebäude. Von dort genießt Jake nicht nur eine prächtige Aussicht über Los Angeles, sondern kann per Teleskop auch jeden Abend eine junge Frau bei erotischem Tanz und Masturbation beobachten.


Von Hitchcocks "Das Fenster zum Hof" hat De Palma selbstverständlich den Voyeurismus Jakes übernommen und spielt dabei auch mit dem Voyeurismus des Publikums. Sukzessive steigert sich die Schaulust Jakes, der bald nicht mehr den Blick von der Frau wenden kann und ihr auch im Alltag folgt. Eine furiose 15-minütige Verfolgungsjagd - eine Reminiszenz an die Verfolgung in "Vertigo" - per Auto und dann zu Fuß durch eine Galerie und schließlich bis an den Strand beginnt so. Wie James Stewart in "Vertigo" aufgrund seiner Höhenangst aber Madeleine nicht retten kann, muss hier Jake aufgrund seiner Klaustrophobie einen Handtaschenräuber ziehen lassen.


Wieder will so Jake in der folgenden Nacht die Frau beobachten, muss dabei aber zusehen, wie sie ermordet wird. Wie der versuchte Mord am Telefon sich an Hitchcocks "Bei Anruf Mord" orientiert, so kommt mit einem mächtigen Bohrer eine unübersehbar phallisch konnotierte Mordwaffe ins Spiel. Ins Groteske kippt die Szene freilich, als der Mordversuch zunächst scheitert.


Als Jake zufällig eine Querverbindung zwischen der von ihm beobachteten Frau und einer Porno-Darstellerin entdeckt, beginnt "Der Tod kommt zweimal" nicht nur in die Porno-Filmszene einzutauchen, sondern Jake kommt langsam auch einer raffinierten Intrige auf die Spur, mit der De Palma wiederum "Vertigo" zitiert.


Gleichzeitig wird mit der Pornofilm-Branche ebenso wie mit dem Horrorfilm am Beginn aber auch wieder mit der Schaulust und dem Voyeurismus des Publikums gespielt. Auf allen Ebenen geht es um den filmischen Blick, ob in den Film-im-Film-Szenen, beim voyeuristischen Beobachten oder bei der Verfolgung durch die Stadt. Die Bandbreite reicht dabei vom lüsternen bis zum angstvollen oder angstverzerrten Blick.


So trashig die Handlung und so bescheiden die schauspielerische Leistung von Craig Wasson sein mag, so großartig ist doch, wie De Palma und sein Kameramann Stephen H. Burum mit langen gleitenden Kamerafahrten diese Blicke inszenieren und Verunsicherung erzeugen, die durch die Musik von De Palmas Stammkameramann Pino Donaggio noch gesteigert wird.


In den 1980er Jahren wegen seines Voyeurismus kritisiert, kann man heute "Der Tod kommt zweimal" so als stylischen Metafilm über Voyeurismus sehen, der zwar nicht durchgängig die Spannung hochhalten kann, aber mit seiner brillanten Inszenierung großes Sehvergnügen bietet.


An Sprachversionen bieten die bei Koch Films / Plaion Pictures in einem Mediabook erschienene DVD und Blu-ray die englische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung.


Sehr umfangreich sind die durchgehend deutsch untertitelten Extras die auf einer Extra-DVD geboten werden. Neben einer Einführung des Produzenten Samuel Blumenfeld und einer 45-minütigen Masterclass mit Brian De Palma gibt es die 40-minütige Dokumentation "Pure Cinema" und jeweils rund 15-minütige Featurettes zu "Die Verführung", "Der Aufbau", "Das Geheimnis" und "Die Kontroverse". Dazu kommen Interviews mit Brian De Palma sowie den Schauspieler*innen Melanie Griffith, Craig Wasson und Deborah Shelton sowie Trailer und Bildergalerie und ein Booklet mit einem sehr fundierten Essay des Filmjournalisten Stefan Jung,

Trailer zu "Der Tod kommt zweimal - Body Double"