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Le chant des fôrets – Das Flüstern der Wälder

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 3 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
"Le chant des fôret - Das Flüstern der Wälder": Vincent Munier lehrt mit Bildern und Tönen aus den Wäldern der Vogesen das Staunen
"Le chant des fôret - Das Flüstern der Wälder": Vincent Munier lehrt mit Bildern und Tönen aus den Wäldern der Vogesen das Staunen

In grandiosen Bildern und Tönen spürt Vincent Munier Flora und Fauna in den moosbedeckten Wäldern der Vogesen nach. – Einzig die etwas zu ausladenden Gespräche zwischen dem Regisseur, seinem Vater und seinem Sohn stören diesen betörend schönen Dokumentarfilm, der bei den Zuschauer:innen Staunen auslösen und Sensibilität für die Schönheiten, aber auch für die Fragilität der Natur wecken soll.


Für seinen Dokumentarfilm "La Panthère des Neiges" (Der Schneeleopard", 2021) streifte der Wildtierfotograf Vincent Munier zusammen mit der Filmemacherin Marie Amiguet durch das menschenleere Hochland von Tibet. Für "Das Flüstern der Wälder", an dem Munier insgesamt über einen Zeitraum von zehn Jahren arbeitete, musste er dagegen keine weite Reise unternehmen, ist er doch selbst in den Vogesen geboren und aufgewachsen.


Doch wie das Hochland von Tibet wirken auch die Wälder dieses französischen Mittelgebirges der modernen Welt enthoben. Kein Auto, kein Handy und außer der Kamera des Fotografen und einem Fernglas keine moderne Technik sieht man im ganzen Film. Jede Zivilisation scheint fern, nur eine kleine Holzhütte, in der aber nur Kerzen für Licht sorgen, verweisen auf einen menschlichen Eingriff in eine ansonsten unberührte Natur.


Wie ein Märchenhaus wirkt diese Hütte, wenn die Kamera sie nachts von außen in einer Totale erfasst und im Wald das von warmem Licht erhellte Fenster aufleuchtet. In der Hütte sitzen Munier selbst, sein Vater Michel und sein 13-jähriger Sohn Simon. Simon nimmt dabei gewissermaßen die Rolle des Kinopublikums ein, denn über ihn wird das Publikum durch den Vater und vor allem durch den Großvater in Fauna und Flora des Waldes und in die Naturbeobachtung eingeführt.


Etwas zu ausladend sind zwar diese Gespräche, doch atemberaubende Kraft entwickelt "Das Flüstern der Wälder", wenn es hinaus in den Wald geht und sich der Film ganz auf die Natur einlässt. Weil sich der Mensch dabei quasi unsichtbar machen muss, um die scheuen Tiere zu Gesicht zu bekommen, versteckt sich das Trio immer wieder im Dickicht oder in einem Unterstand. Geduldiges Warten und Lauschen sind hier notwendig, bis sich vielleicht doch noch das ersehnte Tier den Naturbeobachtern – und damit auch dem Publikum – zeigt.


Aber auch mit dem wiederkehrenden Nebel, aus dem bald die Wälder, bald durch einen Fluss schwimmende Hirsche und Enten langsam auftauchen, spielt Munier mit verschiedenen Schattierungen von Sichtbarkeit bis hin zu schemenhaften und teilweise fast abstrakten Bildern. Immer wieder wirken diese Aufnahmen, deren Ausstrahlung wie bei "Der Schneeleopard" durch die melancholische Musik von Warren Ellis gesteigert wird, wie Gemälde. Großartig wird dabei nicht nur mit dem Licht gespielt, das durch die Bäume fällt und Äste leuchten lässt, sondern intensiv wird auch das wechselnde Wetter mit prasselndem Regen, leise rieselndem Schnee bis hin zu einem heftigen Gewitter mit Kamera und Mikrofon eingefangen.


Mit den Naturbeobachtungen will Munier aber auch dem Kinopublikum das kaum Sichtbare sichtbar machen und für die Schönheiten der Natur sensibilisieren. Dies gelingt ihm nicht nur durch grandiose Bilder und einen ruhigen Erzählrhythmus, sondern fast im gleichen Maße durch eine fantastische Tonkulisse. Da sieht man nicht nur Dachs, Eichhörnchen, verschiedene Vogelarten, den Revierkampf zweier Hirsche oder gewaltige Vogelschwärme, sondern hört auch das Röhren der Hirsche und das Aufeinanderkrachen der Geweihe, den Ruf der Eule, das Hämmern eines Spechts oder das Knacken der Zweige.


Besonderes Augenmerk widmet Munier freilich speziellen Tieren. Eindrücklich beschwört er die Majestät des scheuen Luchs, der als europäisches Gegenstück zum Schneeleoparden seines Vorgängerfilms gesehen werden kann, und mehrfach kommt der Großvater auf den Auerhahn zu sprechen, der über Jahrtausende in den Vogesen heimisch war, dessen Balzgesang er aber in dieser Gegend schon lange nicht mehr gehört hat. Bis nach Norwegen müssen die drei Männer so reisen, um den vom Aussterben bedrohten Vogel doch noch zu Gesicht zu bekommen.


So kommt auch die Bedrohung der Natur durch menschliche Eingriffe und den Klimawandel ins Spiel. Doch nicht zum plakativen ökologischen Plädoyer wird "Das Flüstern der Wälder" dabei, sondern vielmehr zielt dieser betörende Dokumentarfilm mit seiner Bild- und Tonkraft darauf ab, zu beeindrucken, das Staunen zu wecken, das Bewusstsein für die Fragilität der Natur zu fördern und unaufdringlich zu Achtsamkeit aufzurufen, aber auch an die Vergänglichkeit und den ewigen Kreislauf von Entstehen, Leben und Vergehen zu erinnern.



Le chant des fôrets – Das Flüstern der Wälder

Frankreich 2025

Regie: Vincent Munier

Dokumentarfilm mit: Michel Munier, Simon Munier, Vincent Munier

Länge: 95 min.



Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Skino Schaan und ab 1.4. im Kinok St. Gallen. FKC Dornbirn im Cinema Dornbirn: Mi 15.4., 18 Uhr + Do 16.4., 19.30 Uhr (franz. OmU.)



Trailer zu "Le chant des fôrets - Das Flüstern der Wälder"


 

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