Das Drama – Noch einmal auf Anfang
- Walter Gasperi

- vor 2 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Welche Auswirkungen auf eine Beziehung hat es, wenn einer der Partner kurz vor der Hochzeit ein dunkles Geheimnis seiner Vergangenheit lüftet: Unterstützt von den blendend harmonierenden Hauptdarsteller:innen Robert Pattinson und Zendaya lotet Kristoffer Borgli in seiner schwarzen Komödie mit kalter Präzision, aber sehr unterhaltsam die Fragilität einer Beziehung aus.
Vom Kennenlernen bis zur Hochzeitsplanung spannt Kristoffer Borgli in der Pre-Title-Sequenz den Bogen. Eine romantische Komödie könnte sich entwickeln, doch schon hier baut der gebürtige Norweger Widerhaken ein, wenn das Kennenlernen auf einer Lüge aufbaut und der Museumskurator Charlie (Robert Pattinson) seinem Freund eine andere Version der Beziehung erzählt als die Buchhändlerin Emma (Zendaya) ihren Freundinnen. Wenn dabei Szenen mit Variationen wiederholt werden, wird auch die Frage aufgeworfen, ob eine Beziehung, die auf Lügen fußt, Bestand haben kann.
Abrupt zerbricht dann aber jede Romantik, als Charlie und Emma mit dem befreundeten Paar Mike (Mamoudou Athie) und Rachel (Alana Haim) im Restaurant zur Planung des Hochzeitsessen zusammensitzen und reichlich Alkohol fließt. Bald kommt da auch die Idee auf, dass jeder vom Schlimmsten erzählen soll, das er je getan hat. Man ahnt, dass dieses scheinbar harmlose Spiel gravierende Folgen haben könnte und haben wird, denn plötzlich sieht man den Partner/die Partnerin mit anderen Augen.
Auch wenn diese Szene schon nach etwa 20 Minuten spielt, soll nicht verraten werden, welches Geheimnis preisgegeben wird und von nun an "The Drama" bestimmt. Auf den ersten Schock folgen nämlich bald zahlreiche Fragen: Soll man nach dieser Erkenntnis wirklich noch heiraten? Macht es einen Unterschied, ob man die Sache einst durchgezogen oder nur geplant hat? Kann sich der Mensch inzwischen nicht geändert haben, sodass man einen Schlussstrich darunter ziehen sollte? Wie geht man damit um, dass man die Sache rational zwar abhaken will, es emotional aber nicht kann?
Plötzlich stellt man die zuvor gerühmte Empathiefähigkeit des Partners / der Partnerin in Frage. Harmlose Handlungen und Wörter bekommen nun eine ganz andere Bedeutung und auf Situationen, über die man zuvor lachte, reagiert man nun gereizt und aggressiv. Wenig hilfreich scheint es da auch, wenn die Vergangenheit durchbesprochen wird, um das damalige Verhalten zu verstehen.
Kühl und trocken erzählt Borgli, dem zuletzt mit "Dream Scenario" ein herrlich surreal-durchgeknallter Film gelang. Immer wieder bricht er mit Vorausblenden oder auch mit Träumen, die durch ein knisterndes Geräusch von der Realitätsebene abgehoben sind, die Chronologie auf. Auch die kalten metallenen Klänge von Daniel Pembertons Soundtrack torpedieren die romantische Stimmung, die punktuell durch sanfte Filmmusik aufzukommen scheint.
In einem Wechselbad zwischen dem Versuch so zu tun, als ob alles in bester Ordnung sei, und sich zuspitzenden Konflikten entwickelt Borgli die Handlung bis zur vorhersehbaren Eskalation, die Erinnerungen an Thomas Vinterbergs "Das Fest" wecken kann. Laut auflachen kann man hier selten, vielmehr bleibt einem das Lachen immer wieder im Hals stecken.
Gewagt ist nämlich schon, mit welchem Geheimnis hier gespielt wird. Auch an die Zuschauer:innen richtet der Film dabei die Frage, wie sie selbst mit so einer Situation umgehen würden, ob sie darüber wirklich hinwegsehen würden, wenn es beim Plan blieb und nie zur Tat kam und zudem die Ereignisse schon über ein Jahrzehnt zurückliegen.
Raffiniert spielt "Das Drama – Noch einmal auf Anfang" so mit den Mustern der RomCom und wandelt diese in eine schwarze Komödie um, die die Belastbarkeit und Fragilität einer Beziehung austestet. Gleichzeitig fragt der Film mit dem sich von Anfang bis Ende durchziehenden Satz "Noch einmal auf Anfang", mit dem eine Situation wiederholt wird, ob zwei Menschen auch zusammenkommen würden, wenn sie von Anfang an, die ganze Wahrheit über ihr Gegenüber wissen würden.
Perfekt besetzt sind die beiden Hauptrollen mit Robert Pattinson und Zendaya. Während der einstige "Twilight"-Star und Teenie-Schwarm Pattinson Charlie mit zerzaustem Haar als etwas nerdigen Museumskurator spielt, der zunehmend verunsichert agiert und zwischen Apathie und cholerischen Aussetzern pendelt, legt Zendaya ihre Emma als hochkontrollierte Frau an, in der aber ein großes Aggressionspotential zu schlummern scheint. – Ein großes Vergnügen ist es diesem Duo zuzusehen und auch die Beziehungsfragen, die aufgeworfen werden, können zum Nachdenken anregen.
Das Drama – Noch einmal auf Anfang USA 2026 Regie: Kristoffer Borgli mit: Robert Pattinson, Zendaya, Mamoudou Athie, Alana Haim, Michael Abbott Jr., YuYu Gosselin, Sydney Lemmon Länge: 106 min.
Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Cineplexx Hohenems, im Kinotheater Madlen in Heerbrugg und im Skino Schaan.
Trailer zu "Das Drama - Noch einmal auf Anfang"




Kommentare