• Walter Gasperi

City of Lies


Basierend auf den ungeklärten Morden an den Rappern Tupac Shakur und Notorious B.I.G. in den 1990er Jahren rechnet Brad Furman mit Polizeigewalt gegen Afroamerikaner und Korruption ab, setzt aber auch dem Ermittler Russell Poole ein Denkmal. Der engagierte und stark gespielte, aber zu wenig stringente Polizeifilm ist bei Koch Films auf DVD und Blu-ray erschienen.


Zum Vorspann informieren Nachrichten über Ausschreitungen während des Begräbnisses des Rappers Notorious B.I.G. und das brutale Einschreiten der Polizei von Los Angeles, ehe die Handlung mit einer tödlich endenden Auseinandersetzung zwischen einem weißen und einem schwarzen Autofahrer einsetzt. – Erstaunlicherweise entpuppen sich beide als Polizisten.


Auf die Perspektive des (realen) Ermittlers Russell Poole wird das Publikum durch sein Voice-over als Ich-Erzähler eingeschworen. Rückblickend hält er fest, dass in den späten 1990er Jahren der Fall des Rappers und diese Auseinandersetzung zweier Polizisten ihn Karriere und Familie kosteten, denn zunehmend verbiss er sich in den Fall, den man offiziell längst schon zu den Akten legen wollte.


Knapp 20 Jahre später sucht der (fiktive) Journalist Jack Jackson (Forest Whitaker) Poole auf und weckt nochmals sein Interesse an dem Fall, der nun in Rückblenden wieder aufgerollt wird. Während Poole Polizist wurde, um der Gerechtigkeit zu dienen, musste er bald entdecken, wie korrupt der Polizeiapparat ist und dass viele Polizisten gemeinsame Sache mit den Gangstern machen. Gleichzeitig erinnert Furman aber auch immer wieder an die Aggressivität der Polizei gegenüber Afroamerikanern.


Stark ist Johnny Depp als gebrochener Protagonist und Furman setzt dem 2015 verstorbenen Polizisten ein Denkmal, während Forest Whitaker als heruntergekommener Journalist brilliert, der zunehmend für die Aufdeckung der Wahrheit zu kämpfen beginnt.


Mit Inserts zu Zeit und Ort bekräftigt Furman immer wieder die Authentizität des Geschilderten, allerdings geht diese Faktenorientierung des Films, der auf Randall Sullivans 2002 erschienenem Tatsachenroman "Labyrinth: A Detective Investigates the Murder of Tupac Shakur and Notorius B.I.G., the Implication of Death Row Records’ Suge Knight, and the Origins of the Los Angeles Police Scandal“ beruht, auch auf Kosten der detaillierten Entwicklung von Szenen und Charakteren. Reportageartig wird vieles referiert, aber kaum vertieft.


So gelingt es Furman zwar ein düsteres Bild des korrupten Polizeiapparates und der Rap-Szene von Los Angeles zu zeichnen, doch ein durchgängiger Spannungsbogen ergibt sich nicht. Engagiert ist dieser Polizeifilm zweifellos und betont nochmals im Nachspann seine Stoßrichtung, wenn darauf hingewiesen wird, dass 50% der Morde an Afroamerikanern nicht aufgeklärt werden, aber mit verwandten Filmen wie David Finchers "Zodiac" oder Sidney Lumets "Serpico" kann "City of Lies" nicht mithalten. Zu wenig stringent ist die Erzählweise, auch der ständige Wechsel zwischen Gegenwart und Rückblenden in die 1990er Jahre stört den Erzählfluss.


An Sprachversionen bieten die bei Koch Films erschienene DVD und Blu-ray die englische Originalfassung, zu der deutsche Untertitel zugeschaltet werden können, sowie die deutsche Synchronfassung. Die Extras umfassen den originalen und den deutschen Trailer, einen Teaser und eine Sammlung nicht verwendeter Szenen sowie ein Deutsch untertiteltes, zehnminütiges Featurette mit Brad Furman und Johnny Depp zur Entwicklung der Charaktere und der Besetzung sowie einen – allerdings nur englischen – Audiokommentar von Regisseur Furman und Buch- und Drehbuchautor Randall Sullivan.


Trailer zu "City of Lies"