Cimarron (1960)
- Walter Gasperi
- vor 3 Stunden
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Anthony Mann spannt in seiner Mischung aus Western, Familiengeschichte und Melodram den Bogen von 1889 bis 1914. – Bei Plaion Pictures ist der 1960 entstandene, episch breite, aber oberflächliche und langatmige Bilderbogen als 67. Titel der Edition Western-Legenden auf Blu-ray erschienen.
In den 1950er Jahren schuf Anthony Mann mit Filmen wie "Winchester ´73" (1950), "The Naked Spur" ("Nackte Gewalt", 1953), "The Man from Laramie" ("Der Mann aus Laramie", 1955) und "Man of the West" ("Der Mann aus dem Westen", 1958) Meisterwerke des Western. Mit der Verfilmung von Edna Ferbers 1929 erschienenem und 1930 von Wesley Ruggles erstmals verfilmtem Roman "Cimarron" konnte er aber nicht an diese Erfolge anknüpfen.
Nach den packenden psychologischen Western setzte er mit diesem Film nach "Spartacus", dessen Regie ihm nach künstlerischen Differenzen von Produzent und Hauptdarsteller Kirk Douglas entzogen und Stanley Kubrick übergeben wurde, seinen Weg zu Großproduktionen fort, auf die er sich auch im Folgenden mit den historischen Epen "El Cid" (1961) und "The Fall of the Roman Empire" ("Der Untergang des Römischen Reichs", 1964) spezialisieren sollte.
Doch während seine Western der 1950er Jahre mit vielschichtigen und zerrissenen Charakteren und fesselnder Auseinandersetzung mit menschlicher Gewalt begeisterten, verliert sich "Cimarron" weitgehend in Oberflächlichkeit. Kein Thema wird in der breiten Erzählweise wirklich ausgelotet, keine Figur versteht zu packen.
Vom Vorspann an großartig sind die Farbbilder von Kameramann Robert Surtees und temporeich wird am Beginn noch ein Aufbruch beschworen, wenn der Abenteurer Yancey Cravat (Glenn Ford) mit seiner Frau Sabra (Maria Schell) gegen den Willen von deren Eltern vom Osten der USA 1889 nach Oklahoma reist, um beim Oklahoma Land Run teilzunehmen. Auf ein Startsignal hin wurde dabei in einem Wettrennen Territorium der Native Americans kostenlos an die schnellsten vergeben.
Mitreißend filmen Mann und Surtees diesen Wettlauf, wechseln zwischen Totalen und nahen Einstellungen, zeigen stürzende Wagen und Reiter und picken immer wieder Einzelschicksale aus der Masse heraus. Der frühe spektakuläre Höhepunkt des im Original 147 Minuten langen und für die deutsche Kinoauswertung um elf Minuten gekürzten Films ist das.
Weil Yancey das gewünschte Stück Land nicht bekommt und ein befreundeter Zeitungsherausgeber bei dem Wettlauf ums Leben kommt, gibt er seinen Plan Farmer zu werden auf und beschließt in der entstehenden Stadt eine Zeitung aufzubauen. Gegen Rassismus gegenüber einer Familie von Native Americans schreitet er dabei ebenso ein wie gegen Revolverhelden und versucht einen jüngeren Jugendfreund vom Abgleiten in die Bandenkriminalität zu bewahren.
Ein makelloser, sich stets treu bleibender und nicht korrumpierbarer, aber auch unsteter Abenteurer ist dieser Protagonist, der es nicht lange an einem Ort aushält und bald seine Frau für mehrere Jahre verlässt, um neue Abenteuer zu erleben. Der Fokus verschiebt sich damit von Yancey zu Sabra, der Maria Schell aber kaum Profil verleihen kann, und aus dem Western wird ein Melodram.
In kurzatmigen Szenen zeichnet Mann das Ende des Westens und den Beginn der Moderne bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs nach. Steht zunächst das weite unbesiedelte Land im Mittelpunkt, so rückt zunehmend die Stadt ins Zentrum. An die Stelle des Aufbaus treten belebte Straßen, auf denen bald auch eine Straßenbahn und schließlich Autos fahren. Gleichzeitig werden die Pioniere, die die Landnahme ermöglichten, mit Ölfunden, bei denen die Native Americans wieder betrogen werden, durch Wirtschaftstreibende und Politiker abgelöst und auch Sabras Zeitung entwickelt sich zu einem Medienimperium.
An Handlung mangelt es "Cimarron" somit sicher nicht und zahlreiche spannende Aspekte stecken in diesem Film, doch weil nichts weiter entwickelt, nichts verdichtet wird, bleibt statt der spannenden und vielschichtigen Nachzeichnung einer historisch-gesellschaftlichen Entwicklung nur ein zwar handwerklich kompetent inszenierter, aber oberflächlicher und kraftloser Bilderbogen.
An Sprachversionen bieten die bei Plaion Pictures als 67. Titel der Edition Western-Legenden erschienene Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische Untertitel. An Extras gibt es neben dem englischen Trailer, einer Bildergalerie und einem Booklet mit einem Essay von Fritz Göttler die gekürzte deutsche Kinofassung.
Buchtipp zu Anthony Mann: Ines Bayer, Anthony Mann. Kino der Verwundung, Deep Focus 30, Bertz + Fischer Verlag, Berlin 2019, 304 Seiten, 16 Farbseiten, 176 Fotos, € 36, ISBN 978-3-86505-333-6
