top of page

Buzzheart

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit
"Buzzheart": Visuell starker Psychothriller
"Buzzheart": Visuell starker Psychothriller

Eine junge Frau besucht mit ihrem neuen Freund ihre Eltern in deren Landhaus. Diese wollen aber mit zunehmend brutaleren Tests prüfen, ob der Mann ein geeigneter Partner für ihre Tochter ist. – Dennis Iliadis´ visuell starker Psychothriller ist bei Busch Media Group auf DVD und Blu-ray erschienen.


Der erste Besuch bei den Eltern des neuen Partners oder der neuen Partnerin kann beträchtlichen Stress erzeugen. Der Grieche Dennis Iliadis, der in den USA unter anderem das Remake des Horrorfilms "The Last House on the Left" (2009) drehte und nun das erste Mal seit 20 Jahren wieder in seiner Heimat und auf Griechisch arbeitete, spitzt die Situation aber nochmals deutlich zu.


Schon der Einstieg irritiert, wenn die junge Physiotherapeutin Mary (Konstantina Messini) den etwa gleichaltrigen Argiris (Claudio Kaya) bei seiner ersten Sitzung auf eine entsprechende Andeutung ohne zu zögern mit der Hand befriedigt. Überraschend lädt sie ihn dann auch noch zu einem Wochenende mit ihren Eltern ein. Etwas irritiert scheint Argiris zwar, ist aber auch so erfreut, dass er ohne Zögern zusagt.


Die Vorspanninserts haben aber schon angedeutet, dass der junge Mann damit zu einem Versuchskaninchen wird. Hingewiesen wird darin nämlich, dass vom Behaviorismus geprägte Psychologen in den 1960er Jahren versuchten, mittels Tierversuchen das Geheimnis der menschlichen Liebe zu erforschen. Unterstrichen wird diese Thematik mit unscharfen Aufnahmen von Experimenten mit Affen, die dem Vorspann unterlegt sind.


Beunruhigung kann dann auch die nächtliche Fahrt zum in der Einöde gelegenen Landhaus der Eltern auslösen. Auch das moderne Gebäude evoziert mit seiner kühl-sterilen Ausstattung, seinen Glasfronten sowie einer bepflanzten Toilettenschüssel im Gästezimmer und einem in buntes Licht und Farben getauchten Partykeller weniger Wohlgefühl als vielmehr Unbehagen. Geschickt steigert Kameramann Evan Maragkoudakis diese Stimmung mit überlegten Einstellungen und teils ungewöhnlichen Perspektiven.


Weitgehend auf diesen Schauplatz sowie das junge Paar und Marys Eltern als einzige Figuren beschränkt sich Iliadis. Mit Zeitinserts spannt er die Handlung übers Wochenende von Freitag bis Montag, doch unklar bleibt wieso der Film aufs Jahr 1995 und auf den Übergang vom Karneval zur Fastenzeit datiert ist.


Kurz nach Ankunft erklärt Marys Mutter Sandra (Evelina Papoulia), die einst als vom Behaviorismus begeisterte Psychologin Tierversuche machte, dass sie mit Tests prüfen wolle, ob Argiris auch der richtige Partner für ihre Tochter sei. Der Vater (Yorgos Lantos), der als Kinderarzt arbeitet, hält sich dagegen eher zurück. Muss Argiris so zunächst in den mit Laub bedeckten und verschmutzten Pool springen, so muss er bald im Partykeller singen oder Fragen beantworten, wie er sich in bestimmten Situationen gegenüber Mary verhalten würde.


Argiris reagiert auf diese Tests einerseits irritiert, hat andererseits aber stets große Angst falsch zu antworten und beim Test schlecht abzuschneiden. Gleichzeitig erzählt Mary ihm aber auch, dass in ihrer Kindheit die Mutter auch mit ihr Versuche machte und sie ständig überwachte. Alte Video-Aufnahmen, die dies bestätigen, wecken Erinnerungen an Michael Powells Klassiker "Peeping Tom", doch in erster Linie ist "Buzzheart" ein später Vertreter der Greek Weird Wave.


In konventionelleren Bahnen bewegt sich Iliadis zwar, wenn bruchstückhafte Rückblenden zu einem Abendessen Marys mit ihren Eltern in einem vornehmen Lokal schließlich Einblick in die Hintergründe bieten, doch die Versuchssituation an sich erinnert unweigerlich an Yorgos Lanthimos´ "Dogtooth". Andererseits kann man auch einen Einfluss des dänischen Thrillers "Speak No Evil" vermuten, wenn Argiris stets beherrscht und höflich bleibt und bei den Tests mitspielt.


Aber so konzentriert "Buzzheart" mit der Beschränkung auf ein Wochenende, das Landhaus sowie auf die Eltern und das junge Paar auch ist und so stark auch die Bilder sind, so will dieser Mix aus Psychothriller und schwarzer Komödie doch nicht recht zünden. Einerseits fehlt Iliadis dazu die Schärfe und der gnadenlose Blick eines Yorgos Lanthimos, andererseits gelingt es ihm auch nicht Argiris zur starken Identifikationsfigur aufzubauen, mit der man mitleidet.


Statt in das Geschehen emotional involviert zu werden, bleibt man wie bei einem Experiment distanzierte:r Zuschauer:in. Die stets neuen und überraschenden Tests halten den Film zwar bis zum Ende am Laufen, doch die Spannungskurve verflacht nach starkem Beginn zunehmend.


An Sprachversionen bieten die bei Busch Media Group erschienene DVD und Blu-ray die griechische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Die Extras beschränken sich auf den originalen Kinotrailer und Trailer zu weiteren bei Busch Media Group erschienenen Filmen.



Trailer zu "Buzzheart"



Kommentare


bottom of page