• Walter Gasperi

Bodenständig statt glamourös: Frances McDormand


Three Billboards Outside Ebbing, Missouri (Michael McDonagh)

Ob als Polizistin in „Fargo“, als verbitterte Mutter in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ oder als Nomadin in „Nomadland“ – immer geht Frances McDormand entschlossen ihren Weg. Das Berner Kino Rex widmet der vierfachen Oscarpreisträgerin im Sommer eine Filmreihe.


Ganz selbstverständlich fügt sich Frances McDormand in Chloé Zhaos „Nomadland“ (2020) in den Cast von Laien. Nie spürt man, dass sie eine Schauspielerin ist, sondern sie wirkt so authentisch wie die echten Nomaden, denen sie auf ihrer Reise durch die USA begegnet.


Nicht nur in diesem quasidokumentarischen Roadmovie, für das sie sowohl den Oscar als beste Hauptdarstellerin als auch als Produzentin für den besten Film gewann, ist der am 23. Juni 1957 als Cynthia Ann Smith in Chicago geborenen Schauspielerin alles Gekünstelte, Gestylte und Glamouröse fern. Bodenständigkeit zeichnet auch ihre Mildred Hayes in Michael McDonaghs „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ aus. Voll Trauer über die Ermordung ihrer Tochter und voll Zorn über die Untätigkeit der Polizei nimmt sie hier die Dinge selbst in die Hand. Nicht kleinkriegen lässt sie sich, sondern entschlossen tritt sie gegenüber der Männergesellschaft der Kleinstadt auf. Ganz selbstverständlich bewegt sie sich aber auch in einer harten Männerwelt in Niki Caros „North Country“ („Kaltes Land““, 2005), in dem sie eine von wenigen Bergarbeiterinnen spielt.


Gut vorstellbar ist, dass sie diese Entschlossenheit schon in der Kindheit entwickelte, denn als eines von mehreren Adoptivkindern musste sie wohl kämpfen, um ihren Platz in der Familie zu behaupten. Taff präsentierte sie sich auch schon in ihrer ersten Filmrolle, wenn es ihr im Neo-Noir „Blood Simple“ (1984) als untreue Ehefrau gelingt, trotz Mord, Intrigen und Irrtümern zu überleben.


Entscheidend nicht nur für ihre Karriere, sondern auch für ihr Privatleben war dieses Debüt von Joel und Ethan Coen, denn noch im gleichen Jahr heiratete sie Joel Coen und spielte in der Folge in sieben weiteren Filmen des Brüderpaars und zuletzt unter der Solo-Regie ihres Mannes im grandiosen „The Tragedy of Macbeth“ (2021) Lady Macbeth.


Mit „Fargo“ brachte ihr auch die Hauptrolle in einem Coen-Film 1997 den ersten Oscar ein. Eine klassische McDormand-Rolle ist diese hochschwangere Polizistin, die in der winterlichen amerikanischen Provinz eine Mordserie aufklären soll.


Dass sie freilich auch ganz anders kann, bewies sie als besorgte Mutter in Cameron Crowes „Almost Famous“ (2000), der ihr ebenso eine Oscar-Nominierung einbrachte wie die Verkörperung der eingeschüchterten Ehefrau eines Ku-Klux-Klan-Mitglieds in Alan Parkers Thriller „Mississippi Burning“ (1988). Und auch unter der Regie von Wes Anderson konnte sie in „Moonrise Kingdom“ und zuletzt in „The French Dispatch“ (2021), in dem sie eine Politjournalistin spielte, die über die Studentenunruhen 1968 recherchiert, eine ganz andere – komödiantische - Seite an den Tag legen. Aber auch auf Ausflüge ins Blockbuster-Kino verzichtet Frances McDormand nicht, wie ihre Nebenrollen in Aeon Flux (2005) und „Transformers 3“ (2015) zeigen.


Dass sie nun auf eine bald 40-jährige Karriere zurückblicken kann, die man angesichts ihrer Vielfalt und Konstanz mit der von Meryl Streep vergleichen kann, hat McDormand aber sicher auch dem Umstand zu verdanken, dass sie nie auf – vergängliche – körperliche Schönheit, sondern von Anfang an auf markante Charaktere setzte. Wie sie diese immer mit Leben füllte und dabei wohl auch immer viel von ihrer eigenen Persönlichkeit hineinlegte, sorgt nicht nur dafür, dass man sich immer auch in diese Figuren hineinfühlen kann und sie einem nahe kommen, sondern auch, dass sie haften bleiben.


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