• Walter Gasperi

Black Box – Boîte noire


Ein Techniker der Flugsicherheit stößt bei der Suche nach der Ursache für einen Flugzeugabsturz auf Widersprüche und verbohrt sich zunehmend in den Fall. – Yann Gozlan gelang ein packender Thriller, der sich am US-Paranoia- und Aufdeckungskinos der 1970er Jahre orientiert, und beunruhigende Fragen zur Rolle und Entwicklung der Technik aufwirft.


Vom Cockpit einer Passagiermaschine auf dem Flug von Dubai nach Paris gleitet die Kamera zurück durch den Passagierraum in einen leeren Raum mit der Blackbox mit dem Voice Recorder. Schon mit diesm Einstieg mit einer Plansequenz baut Yann Gozlan große Spannung auf, füllt das Bild mit der Ahnung einer nahenden Katastrophe.


Mit einem Schnitt wechselt "Black Box" aber in die Büros der BEA, der für Sicherheitsuntersuchungen in der Zivilluftfahrt zuständigen Behörde. Geschockt erfahren hier die Mitarbeiter*innen vom Absturz der Passagiermaschine in den Alpen. Alle 300 Passagiere kamen dabei ums Leben. Um die Ursache zu klären, wird ein Team zur Bergung der Blackbox mit dem Voice Recorder an die Unfallstelle geschickt. Den jungen Mathieu (Pierre Niney), der ständig nachfragt, sich nicht mit einfachen Lösungen zufrieden gibt, sondern immer bohrend nach der Wahrheit sucht, will der Leiter der Abteilung aber nicht dabei haben.


Als dieser Beamte aber wenige Tage später verschwindet, wird doch Mathieu mit dem Fall betraut und soll die Ursache des Absturzes aufklären. Bald glaubt er auf den Aufzeichnungen ein "Allahu akbar" zu hören und auch ein Islamist scheint sich unter den toten Passagieren zu finden, sodass als Ursache ein islamistischer Terroranschlag genannt wird, doch dann stößt Mathieu auf Widersprüche, die ihn weiter nachforschen lassen: War es vielleicht doch ein Pilotenfehler oder etwa ein technischer Defekt, den die Flugzeugfirma vertuschen will?


Immer mehr verbeißt sich Mathieu in den Fall, denn mysteriös bleibt auch das Verschwinden seines Vorgesetzten. Mit seinen Recherchen gefährdet er aber auch seine Ehe mit Noémie (Lou de Laâge), die gerade einen Job bei dieser Flugzeugfirma angenommen hat. Konkurrenten scheinen sie nun nämlich zu sein, Misstrauen schleicht sich in ihre Beziehung und bald kennt Mathieu keine Skrupel mehr, um an Informationen von Noémie zu kommen.


Unübersehbar an Francis Ford Coppolas Meisterwerk "The Conversation" orientiert sich Gozlan, wenn er Mathieu immer wieder das Band abhören, Geräusche herausfiltern und auf kleinste Details achten lässt. Packend ist "Black Box" dabei, weil dieser Thriller das Publikum auch mit der detailreichen und genauen Schilderung dieser Arbeit ganz in die Perspektive des Protagonisten versetzt und es zunehmend verunsichert, weil die Grenzen zwischen Herauslesen von Informationen und Hineininterpretieren verschwimmen.


Leidet Mathieu an Paranoia, wenn er verbrecherische Aktionen der Fluggesellschaft und Bestechung auszumachen scheint, oder ist er damit einer beunruhigenden Wahrheit auf der Spur? Großartig spielt Pierre Niney diesen Techniker, der von seiner Obsession zunehmend zerfressen wird und zu zerbrechen droht.


Das Privatleben Mathieus baut Gozlan nur knapp ein, um auch einen emotionalen Konflikt aufbauen zu können, fokussiert aber davon abgesehen auf den Ermittlungen. Geradlinig und konventionell ist das im Grunde erzählt, entwickelt aber in dieser schnörkellosen und nüchternen Inszenierung große Spannung. Die Dominanz von Blau- und Grautönen sowie von Büroräumen und anderen öffentlichen Orten evozieren eine kalte und zunehmend beunruhigende Atmosphäre.


Gleichzeitig geht "Black Box" aber über reine Thrillerunterhaltung hinaus und wirft schließlich – dystopisch in die Zukunft blickend – Fragen nach technischen Entwicklungen auf, bei denen die Menschen zunehmend mächtigen Konzernen ausgeliefert scheinen. Eine Beunruhigung löst Gozlan damit aus, die über das Filmende nachwirkt und nachdenken lässt.


Läuft derzeit in den Schweizer und Deutschen Kinos


Trailer zu "Black Box - Gefährliche Wahrheit"