• Walter Gasperi

Zwischen zwei Feuern - The Indian Fighter


Kirk Douglas versucht als Trapper zwischen dem Stamm der Sioux und Weißen zu vermitteln und einen Krieg zu verhindern. André de Toths leichtgewichtiger, aber großartig fotografierter Western aus dem Jahre 1955 ist bei Koch Media auf Blu-ray erschienen.


Mit "Tag der Gesetzlosen" ("Day of the Outlaw", 1959) schuf der aus Ungarn stammende André de Toth einen düsteren und kompromisslosen schwarzweißen Schneewestern. Eine ganz andere Stimmung evozieren hier schon die ersten Bilder von Kameramann Wilfried M. Cline, denn mit Cinemascope und kräftigen Technicolorfarben wird der Zuschauer in eine idyllische Wald- und Flusslandschaft versetzt.


Nicht im winterlichen Wyoming und auch nicht - wie wohl die meisten Western - in den Halbwüsten des amerikanischen Südwestens, sondern in Oregon spielt "Zwischen zwei Feuern" und wurde auch dort gedreht. Nur eine Innenszene in einem Fort gibt es, davon abgesehen spielt der ganze Film unter freiem Himmel. Im Zentrum steht der Trapper Johnny Hawks (Kirk Douglas), der gute Kontakte zu den Sioux pflegt und sich bemüht zwischen der indigenen Bevölkerung und den Weißen zu vermitteln, denn nur in Friedenszeiten kann er gute Geschäfte machen.


Als Macho spielt Kirk Douglas diese Figur, die auch gleich einmal über eine Sioux, die er von klein auf kennt, herfällt und glaubt, das Recht zu haben, sie mit Gewalt zu Küssen zwingen zu dürfen. Etwas seltsam mutet schon an, dass dennoch aus Hawks und Onahti (Elsa Martinelli) bald ein Paar wird, das auch für ein zukünftiges Miteinander von Indianern und Weißen stehen soll.


Gefährdet ist der Frieden vor allem dadurch, dass Weiße es auf das Gold der Sioux abgesehen haben und durch Tauschangebote die Fundorte in Erfahrung bringen wollen. Der Gier auf der einen Seite steht auf der anderen Seite ein geradezu modernes ökologisches Denken des Häuptlings der Sioux gegenüber, der die Zerstörung der Natur durch die Weißen und deren Folgen beklagt.


Auch Hawks argumentiert in diese Richtung, wenn er nichts von der Erschließung des Westens hält, sondern vielmehr will, dass die Region ihre Ursprünglichkeit bewahrt. Setzt er sich zunächst für einen schmierigen weißen Goldsucher (Walter Matthau) ein und erreicht, dass dieser von den Sioux der weißen Gerichtsbarkeit übergeben wird, so muss er im Fort erkennen, dass der Kommandant ihn bald freilässt und mit dem Treck nach Westen schickt, den Hawks durch das Gebiet der indigenen Bevölkerung führen soll.


Auch dieser Treck bietet wieder die Möglichkeit für zahlreiche prächtige Landschaftsaufnahmen, die zumindest teilweise darüber hinwegsehen lassen, dass de Toth zu viel hineinpackt, nichts aber wirklich entwickelt. So gibt es im Treck auch eine von Douglas´ erster Ehefrau Diana Dill gespielte Siedlerin, die den Trapper umwirbt, während dieser doch nur Augen für Onahti hat.


Zum Repertoire eines solchen Trecks gehört freilich auch ein aufgeweckter Junge, während ein Fotograf doch eine ungewöhnliche und interessante Figur ist. Auch mit diesem von seiner Kunst begeisterten Charakter kann freilich die Frage der Zivilisierung angesprochen werden, wenn er glaubt, dass er mit der Verbreitung seiner Bilder Menschenmassen in den Westen locken kann.


Douglas wiederum spielt in diesem Western, den er auch über seine frisch gegründete Produktionsgesellschaft Bryna produzierte, den Trapper schon fast zu lässig und cool. Als freiheitsliebenden Windhund, der nicht sesshaft werden will, legt der am 5. Februar im Alter von 103 Jahren verstorbene Hollywood-Star diesen Johnny Hawks an, aber Tiefe und Vielschichtigkeit kann er ihm nicht verleihen.


Um wirklich spannend zu werden, lösen sich Konflikte und Bedrohungen auch immer wieder zu schnell auf. Der Handlungsreichtum und ungewöhnliche Einfälle wie ein Angriff der Sioux mit "Brandbomben" oder ein Zweikampf, der wie ein Turnier in einem Ritterfilm beginnt, halten "Zwischen zwei Feuern" aber doch am Laufen und sorgen auch nach 65 Jahren noch für solide Unterhaltung.


An Sprachversionen bietet die bei Koch Media erschienene Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras umfassen den englischen und den deutschen Trailer, eine Bildergalerie und vor allem ein Booklet mit einem informativen Text von Fritz Göttler.


Trailer zu "Zwischen zwei Feuern - The Indian Fighter"