• Walter Gasperi

Tag der Gesetzlosen - Day of the Outlaw


Eine Gangsterbande terrorisiert ein abgelegenes Kaff in Wyoming. – André De Toths kompromissloser und grimmiger Schneewestern, den Quentin Tarantino als eines der Vorbilder für „The Hateful Eight“ nennt, ist bei Koch Media auf DVD und Blu-ray erschienen.


Eine vergessene Perle ist dieser 1959 entstandene, im winterlichen Wyoming spielende Western. In der Filmliteratur findet man kaum Informationen darüber, dennoch handelt es sich um einen meisterhaften und für das Genre ungewohnt düsteren und harten Film. Nicht nur in der Vermummung der durch den Schnee reitenden Männer nimmt „Tag der Gesetzlosen“ dabei schon Sergio Corbuccis Italo-Western „Leichen pflastern seinen Weg“ vorweg.


Statt in Farbe hat De Toth in Schwarzweiß gedreht. Grautöne, die dem Film einen schmutzigen Anstrich geben, dominieren. Durch eine weite Schneelandschaft nähern sich zwei Reiter einem nur aus wenigen windschiefen Bruchbuden bestehenden Kaff. Später wird man erfahren, dass gerade einmal 20 Menschen, darunter vier Frauen in dieser trostlosen Siedlung leben. Die Zivilisation ist hier noch nicht ganz angekommen, denn Sheriff gibt es noch keinen, sondern man organisiert sich selbst.


Ein klassisches Western-Motiv wird eingeführt, wenn der ankommende Rancher Blaise Starrett (Robert Ryan) seinen Unmut über den Stacheldraht äußert, den er auf einem Wagen sieht. Ein Konflikt mit dem Farmer Crane, der sein Land einzäunen will und zudem mit Starretts früherer Geliebten verheiratet ist, ist damit vorbereitet.


Einst haben Starrett und andere zwar für die Zivilisierung der Gegend gesorgt, nun wird er aber zunehmend verdrängt von neuen Siedlern aus dem Osten. Seiner Vorstellung, dass das Land allen gehört, steht die Entwicklung von Privateigentum durch Einzäunung mit Stacheldraht gegenüber.


Schon scheint ein Duell zwischen Starrett und Crane unausweichlich, da trifft eine Gangsterbande ein, die eine Lohnkutsche der Armee ausgeraubt hat. Während die jüngeren Bandenmitglieder, die in ihrer Brutalität und Rohheit auch schon auf den Italo-Western vorausweisen, sich an die Frauen ranmachen wollen, hält ihr Anführer Captain Bruhn (Burl Ives) sie trotz seiner Schussverletzung in Zaum. Weil Starrett aber erkennt, dass nach dem Tod Bruhns Terror und Willkür losbrechen werden, gibt er vor die Bande durch die Schneewüste über die Berge führen zu können…


Man mag kritisieren, dass der zunächst aufgebaute Konflikt zwischen Starrett und Crane sowie ihre Rivalität um eine Frau nach dem Auftreten der Gangsterbande nicht weiter entwickelt werden, doch offen bleibt freilich, ob dieser Kampf nach Befreiung von der Bande nicht erneut ausbricht.


Zwingend und kompromisslos erzählt De Toth und erzeugt Spannung und Härte zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus der feindlichen und kalten Schneelandschaft sowie dem meisterhaften Wechselspiel zwischen Innen- und Außenszenen. Entwickelt sich „Tag der Gesetzlosen“ nach dem Auftakt in der von verschneiten Bergen begrenzten Weite zunächst zu einem Kammerspiel, so geht es gegen Ende wieder in die todbringende Schneewüste hinaus. Als neues Thema kommt dabei menschliche Gier ins Spiel.


Reduziert setzt De Toth auch Musik ein und inszeniert in den Innenszenen immer wieder in langen Totalen, in denen sich die Spannung zwischen den Figuren aufbauen kann. Auch bei einer brutalen Schlägerei geht die Kamera von Russell Harlan auf Distanz, um die Szene eindrücklich in den Raum einzubetten, kreist andererseits bei einem Tanz schier endlos lange um die Paare.


Dazu kommen eine prägnante Figurenzeichnung, die die Gegensätze akzentuiert, und die perfekte Besetzung. Großartig ist vor allem der auf harte und zerrissene Charaktere abonnierte Robert Ryan als Starrett, der sich schließlich für eine Gesellschaft einsetzt, in der es für ihn im Grunde keinen Platz mehr gibt. Wie John Waynes Tom Doniphon in John Fords „The Man Who Shot Liberty Valance“ (1962) hat ihn die Zeit überholt, aber auch ein Verwandter von Paul Newmans Charakter in Martin Ritts „Hombre“ (1967) ist er im Einsatz für die Gemeinschaft.


An Sprachversionen bieten die bei Koch Media erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras beschränken sich auf den Vorspann ohne Credits und eine Bildergalerie.