Vie privée – Paris Murder Mystery
- Walter Gasperi

- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit

Eine Psychiaterin stürzt nach dem Tod einer Patientin in eine Krise und steigert sich in den Verdacht, dass die Verstorbene einem Mord zum Opfer fiel: Ein rasanter Mix aus Thriller und Komödie, der aber trotz der beiden blendend harmonierenden Hauptdarsteller:innen Jodie Foster und Daniel Auteuil und zahlreicher Wendungen nicht richtig zünden will.
Eleganz verbreiten die handgeschriebenen leuchtend roten Credits auf schwarzem Grund und auch der Hit "Psychokiller" von den Talking Heads stimmt auf ein aufregenden Kinoerlebnis ein. Dynamisch ist auch der Beginn, wenn die seit Jahrzehnten in Paris lebende amerikanische Psychiaterin Lilian Steiner (Jodie Foster) feststellen muss, dass eine Patientin nicht zum vereinbarten Termin erscheint und ein anderer ihr vorwirft, dass sie es in acht Jahren nicht geschafft habe, ihn vom Rauchen zu befreien, während eine Hypnotiseurin dies in einer einzigen Sitzung erreichte.
Wirklich aus der Bahn wirft Lilian aber die Nachricht, dass die Patientin (Virginie Efira), die den Termin verpasste, verstorben ist sowie die wütende Reaktion des Witwers (Mathieu Amalric), als sie beim Kaddisch erscheint. Hilfe suchend wendet sie sich an ihren Ex-Mann Gabriel (Daniel Auteuil), einen Augenarzt, sucht aber auch die Hypnotiseurin ihres Patienten auf. Zunehmend verstärkt sich dabei ihr Verdacht, dass die Patientin nicht Selbstmord beging, sondern ermordet wurde.
Da die Polizei sie nicht ernst nimmt, beginnt sie auf eigene Faust zu recherchieren und die Verdächtigen zu beobachten. Unterstützung erhält sie dabei von ihrem Ex-Mann und durch die häufigen Begegnungen kommen sich Lilian und Gabriel auch wieder näher.
Eine ziemlich wilde Geschichte hat sich Rebecca Zlotowski zusammen mit Anne Berest und Gaëlle Macé für ihren sechsten Spielfilm ausgedacht. Mit hohem Tempo und zahlreichen Wendungen hält sie diese Kinomaschine aber am Laufen und kann auch auf ihre Schauspieler:innen vertrauen.
Ein Vergnügen ist es Mathieu Amalric als cholerischem Witwer zuzuschauen und blendend harmoniert Daniel Auteuil, der als Gabriel Lilian gerne zurückerobern möchte, mit Jodie Foster. Die zweifache Oscar-Preisträgerin drückt in ihrer ersten fast ausschließlich französischsprachigen Rolle seit Jean Pierre Jeunets "Un long dimanche de fiançailles" ("Mathilde – die große Liebe", 2004) diesem Film den Stempel auf. In jeder Szene ist sie präsent, konsequent aus ihrer Perspektive erzählt Zlotowski.
Wie die zahlreichen Wendeltreppen unübersehbar für das Eindringen in die menschliche Psyche stehen, so steht dem Ergründen der menschlichen Seele durch die Figur Fosters mit Auteuils Ex-Mann als Augenarzt die Beschäftigung mit dem Sichtbaren und körperlicher Beeinträchtigung gegenüber. Angeschnitten, doch kaum weiter entwickelt wird dabei auch die Frage, inwieweit Psychiater:innen und Psychotherapeut:innen professionelle Distanz aufrecht halten können, wenn sie bei ihrer Arbeit vielfach mehr über Privatleben und Psyche ihrer Patient:innen erfahren als deren nächsten Angehörigen.
Andererseits erzählt Zlotowski auch davon, dass hier nicht Patient:innen geheilt werden müssen, sondern vielmehr die Psychiaterin selbst als therapiebedürftig erscheint. Kühl ist nämlich Lilians Beziehung zu ihrem Sohn, dessen Baby sie nicht in den Arm nehmen will, und auch Schuldgefühle am Tod der Patientin werden sichtbar, wenn sie in Hypnose ins Paris des Zweiten Weltkriegs eintaucht und Zeugin der Deportation ihrer jüdischen Patientin wird.
Mag sich so die von Foster mit Verve gespielte Psychiaterin auch immer mehr in absurde Spekulationen hineinsteigern, so wird sie letztlich doch eine Wandlung durchmachen. Während sie am Beginn hektisch und emotional kalt wirkt, zeigt sie sich am Ende ungleich empathischer und gelassener.
Dank des lustvoll aufspielenden Ensembles, der eleganten Inszenierung und der zahlreichen Wendungen bleibt "Vie privée" so zwar unterhaltsam, kann aber dennoch nicht völlig überzeugen. Unentschieden pendelt die Erzählweise nämlich zwischen Thriller und Komödie, bietet zwar manche Lacher, schlägt dann aber doch wieder ernste Töne an. Weder kommt so richtige Spannung auf noch echte Komödienstimmung, sondern irgendwo dazwischen bleibt dieser Film hängen und lässt damit das Publikum doch recht unbefriedigt zurück.
Für ein wehmütiges Highlight sorgt aber auf jeden Fall - wie schon in "Jane Austen a gaché ma vie" - ein letzter Cameo-Auftritt der im Februar verstorbenen amerikanischen Dokumentarfilmlegende Frederick Wiseman als ehemaliger Psychiater und Mentor Lilians.
Vie privée – Manhattan Murder Mystery
Frankreich 2025
Regie: Rebecca Zlotowski
mit: Jodie Foster, Daniel Auteuil, Virginie Efira, Mathieu Amalric, Vincent Lacoste, Luàna Bajrami
Länge: 100 min.
Läuft derzeit in den deutschen und Schweizer Kinos, z.B. im Kinok St. Gallen und im Skino in Schaan. - Ab 23. April in den österreichischen Kinos. TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Sa 9.5. bis Mo 11.5.
Trailer zu "Vie privée – Paris Murder Mystery"




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