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  • AutorenbildWalter Gasperi

Verrückt nach Figaro - Falling for Figaro


Eine erfolgreiche britische Fondsmanagerin gibt ihren lukrativen Job auf, um ihren Traum von einer Karriere als Opernsängerin zu verwirklichen. – Bezaubernde britische Komödie, die mit markanter Figurenzeichnung, originellen Schauplätzen und einer sanften Liebesgeschichte nicht nur Opernfans verzaubern sollte.


Millie Cantwell (Danielle MacDonald) schmilzt in der Oper förmlich dahin, während ihr Freund, der gleichzeitig ihr Boss ist, einschläft. Nun soll sie in der Firma als erfolgreiche Fondsmanagerin noch einen besser bezahlten Job erhalten, doch sie verzichtet auf das Angebot, denn sie will nun endlich ihren Kindheitstraum von einer Karriere als Opernsängerin verwirklichen.


Ihre Lehrerin am Konservatorium sieht zwar wenig Chancen, verweist sie aber an die in den schottischen Highlands lebende Gesangslehrerin Meghan (Joanna Lumley), warnt Millie aber auch gleich schon vor deren Macken. Will sie diese ehemalige Operndiva zunächst nicht annehmen, wird sie bei dem angebotenen Honorar doch schwach.


Auch das erste Vorsingen Millies überzeugt sie nicht, sondern sie macht die etwas übergewichtige Frau so richtig nieder. Dennoch hält Millie an ihrem Traum fest, bleibt in dem schottischen Kaff, in dem das Pub Treffpunkt der ganzen Gemeinde ist.


In Max (Hugh Skinner) gibt es dabei zudem noch einen Konkurrenten auf musikalischer Ebene. Schon zweimal ist er in der Show "Sänger des Ruhms" angetreten, die als Sprungbrett zur Opernkarriere gilt, konnte aber nie gewinnen. Auch Max wird von Meghan unterrichtet, arbeitet nebenbei aber auch noch als Koch im Pub, als Klempner oder füttert die Hühner.


Vorhersehbar ist, dass Millie und Max sich näher kommen werden, doch dann gibt es da eben immer noch Millies Freund Charlie. Und abzusehen ist auch, dass sich unter der rauen Schale von Meghan im Grunde ein wohlwollender Kern verbirgt.


Doch dass Ben Lewins "Verrückt nach Figaro" im Grunde nach bekannten Mustern verläuft, stört kaum, denn das Vergnügen stellt sich hier durch Details ein. Da ist einmal die im Film sonst selten präsente Opernwelt, die dieser Komödie doch ihre eigene Note verleiht und die zahlreichen Arien können beim einen oder der anderen vielleicht auch Lust auf Oper wecken.


Mit Montagesequenzen von den Gesangsproben rafft Lewin auch mehrfach die Handlung und hält so das Tempo hoch. Treffend, aber unaufdringlich arbeitet der 77-jährige australische Regisseur auch mit Gegensätzen, wenn er der profitorientierten Finanzwelt des 21. Jahrhundert die Opernwelt des 19. Jahrhunderts, in der es immer um Liebe und Leidenschaft geht, und dem Finanzzentrum London die in Herbstfarben getauchten, malerischen schottischen Highlands gegenüberstellt.


Dort findet sich auch viel Raum für skurrile Figuren und Situationen. Vor allem der Besitzer des Pubs mit dem eigenwilligen Namen "Zum dreckigen Schwein" sticht hier heraus (Gary Lewis). Zeigt er sich zuerst mürrisch und will Millie kein Zimmer vermieten, da der Aufwand zu groß sei, gibt er doch nach, als sie erklärt, dass sie vielleicht ein Jahr bleiben wolle.


Die anderen Dorfbewohner:innen gewinnen zwar kein Profil, sind aber wichtig als Background für das Bild einer kleinen Community, in der praktisch jeder von jedem alles weiß. Im Zentrum steht ganz klar das Dreieck Millie, die Lehrerin Meghan und Max. Während sich Max langsam Millie nähert, weist sie ihn immer wieder ab, fördert aber damit gerade seine sängerischen Fähigkeiten, lernt er durch die emotionalen Enttäuschungen doch auch mehr Leidenschaft in seinen Gesang zu legen.


Früh schon spürt man im Spiel der beiden bestens harmonierenden Danielle Macdonald und Hugh Skinner, wie sehr Millie und Max im Grunde füreinander geschaffen sind, doch immer wieder lässt Lewin auf eine kurze Annäherung Konflikt und Distanzierung folgen. Noch stärker als die beiden Hauptdarsteller:innen bleiben aber wohl Joanna Lumley als Gesangslehrerin Meghan und Gary Lewis als zunächst mürrischer Pub-Besitzer in Erinnerung. Herrlich bissig sind ihre Kommentare, bis beide eben langsam doch auftauen und ihr Herz zeigen.


Wesentlich zum Vergnügen, das "Verrückt nach Figaro" bereitet, trägt aber auch die visuelle Qualität bei. Sind die schottischen Highlands immer ein Augenschmaus, so tauchen Lewin und Kameramann Nic Lawson die Bilder auch noch stets in warmes goldenes Licht und kräftige warme Farbtöne. Speziell im Pub fehlt dabei auch ein Gespür für Einstellungen nicht, bei denen sich allein durch die Positionierung der Gäste Witz einstellt.


Das Ende wirkt zwar etwas notdürftig angeklebt, schlägt aber einerseits den Bogen zum Anfang und begeistert andererseits nochmals mit einer großartigen Opernarie, bei der Bühnengeschehen und Realität ineinander fließen.


Verrückt nach Figaro Australien / Großbritannien 2020 Regie: Ben Lewin mit: Danielle MacDonald, Hugh Skinner, Joanna Lumley, Gary Lewis Länge: 105 min.



Läuft in den österreichischen und deutschen Kinos.


Trailer zu "Verrückt nach Figaro - Falling for Figaro"


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