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The Housemaid - Wenn sie wüsste

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 2 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
"The Housemaid - Wenn sie wüsste": Wendungsreiche, aber unentschlossen zwischen Psychothriller und Satire pendelnde Bestsellerverfilmung
"The Housemaid - Wenn sie wüsste": Wendungsreiche, aber unentschlossen zwischen Psychothriller und Satire pendelnde Bestsellerverfilmung

Eine junge Frau nimmt in der Luxusvilla eines superreichen Paares eine Stelle als Hausangestellte an. Doch der vermeintliche Traumjob kippt aufgrund der psychischen Verfassung der Hausherrin bald in einen Albtraum: Paul Feigs wendungsreiche, aber völlig überzogene Bestsellerverfilmung pendelt unentschlossen zwischen Psychothriller und Satire.


2022 gelang der New Yorkerin Freida McFadden mit ihrem Psychothriller "The Housemaid" ein internationaler Bestseller. Eine Verfilmung konnte aufgrund des Erfolgs nicht lange auf sich warten lassen.


Ansatzlos setzt Paul Feigs Leinwandadaption mit der Fahrt der jungen Millie (Sydney Sweeney) zum Vorstellungsgespräch in der in Upstate New York gelegenen Luxusvilla der Familie Winchester ein.


Millie hofft auf den Job als Hausangestellte. Freundlich wird sie von Nina Winchester (Amanda Seyfried) durch das geradezu steril saubere Haus geführt. Erst danach informiert die Protagonistin im Voice-over, dass sie ihren Lebenslauf gefälscht hat, in Wahrheit eine zehnjährige Haftstrafe hinter sich hat und nun im Auto schläft.


Dennoch erhält sie den Job, doch dieser entwickelt sich rasch zum Albtraum, als Nina sie mit ihren extremen psychischen Schwankungen zu terrorisieren beginnt. Fragen darf man sich hier, wieso sich Millie das gefallen lässt und trotz ihrer finanziellen Notlage nicht kündigt.


Bei allen psychischen Problemen sind aber dennoch die Handlungen von Nina völlig überzogen und unglaubwürdig. Wie die Küche entweder klinisch sauber oder aber völlig verdreckt ist, gibt es auch sonst keine Zwischentöne, sondern jede Figur und jede Szene tendiert ins Extrem. Da steht der Furie Nina ihr stets charmant lächelnder und sanfter Ehemann Andrew (Brandon Sklenar) gegenüber, während sich die etwa achtjährige Tochter Cecilia (Indiana Elle) Millie gegenüber reserviert verhält. Dazu kommt ein schweigsamer Gärtner, der mehr zu wissen scheint als er sagt, und sichtlich für Andrew schwärmende und klatschende Nachbarinnen.


Grobschlächtig und klischeehaft werden die gesellschaftliche Kluft und Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse skizziert, wenn der labilen Herrin die duldsame Dienerin gegenübersteht und Millies klappriger Wagen einen Kontrapunkt zu Ninas weißem SUV sowie Andrews schwarzem Sportwagen bildet. Reines Klischee ist auch, dass Töchterchen Cecilia Ballettunterricht besucht, während Mutter Nina die Nachbarinnen zum Kaffeekränzchen einlädt.


Von Anfang an, weiß man nicht, ob Paul Feig seine Figuren und die Handlung ernst nimmt oder ob er die Schilderung der scheinbar so heilen und glücklichen Welt der Oberschicht bewusst karikaturistisch überzeichnet. Dem satirischen Blick auf die Nachbarinnen steht so immer wieder die durchaus ernste Schikanierung und Bedrohung Millies gegenüber. Doch einerseits untergräbt das hemmungslose Überziehen den Spannungsaufbau, andererseits schlägt sich Feig nicht entschieden auf die satirisch-komödiantische Seite.


Zu viel sollte über die Handlung nicht verraten werden, denn "The Housemaid" lebt von seinen zahlreichen Wendungen. Während zumindest eine davon vorhersehbar ist, wirken andere wiederum völlig an den Haaren herbeigezogen. Dass dabei auch Haare eine wichtige Rolle spielen, passt also bestens.


Nach linearem Beginn öffnen sich so etwa mit Perspektivenwechsel und Rückblenden ganz neue Sichtweisen auf die Figuren. Damit entwickelt sich "The Housemaid" aber nicht nur vom Psycho- zum Erotikthriller, sondern schließlich auch zu einem weiteren Genre. Bis zum Ende, bei dem mit einer letzten Wendung schon eine Fortsetzung vorbereitet wird, steigert Feig dieses Spiel.


Handwerklich ist das durchaus kompetent inszeniert und auch die Hauptdarsteller:innen spielen mit spürbarer Leidenschaft. Sydney Sweeney sorgt mit ihrer Ausstrahlung dafür, dass man mit ihrer Millie leidet, während Amanda Seyfried als Nina lustvoll überzieht und Brandon Sklenar großartig zurückhaltend den smarten Andrew spielt.


Wirklich Vergnügen kann diese trashige Produktion, die sich in den USA und England zum Kassenschlager entwickelte, aber nur bereiten, wenn man das Gehirn ausschaltet. Ist man nicht dazu bereit, wird man aber über die Figuren und die zahlreichen wilden Wendungen, die der beachtliche 130 Minuten lange Film schlägt, immer wieder den Kopf schütteln.



The Housemaid – Wenn sie wüsste

USA 2025

Regie: Paul Feig

mit: Sydney Sweeney, Amanda Seyfried, Brandon Sklenar, Michele Morrone, Elizabeth Perkins, Indiana Elle

Länge: 132 min.



Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Cineplexx Hohenems und im Skino Schaan. Spielboden Dornbirn: Sa 28.2. + Di 17.3. - jeweils 19.30 Uhr.


Trailer zu "The Housemaid - Wenn sie wüsste"



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