top of page

Crime 101

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • 6. März
  • 3 Min. Lesezeit
"Crime 101": Packender Heist-Thriller
"Crime 101": Packender Heist-Thriller

Bart Layton verknüpft um eine Raubserie am kalifornischen Highway 101 mehrere Erzählstränge zu einem packenden Heist-Movie: Mit Übersicht und Intelligenz inszeniertes Genrekino, das mehr von den Charakteren als von Action getragen wird und souverän die Spannung über 140 Minuten aufrecht hält.


Der Establishing Shot der zunächst auf dem Kopf stehenden Skyline des nächtlichen Los Angeles mit seinen erhellten Highways weckt schon Erinnerungen an Michael Manns "Heat" (1995) und "Collateral" (2004). Wie Mann entwickelt auch der Brite Bart Layton in seiner Verfilmung von Don Winslows gleichnamiger Kurzgeschichte im Folgenden ein packendes Katz-und-Mausspiel zwischen einem raffinierten, aber auf jede Gewalt verzichtenden Räuber (Chris Hemsworth) und einen abgehalfterten Polizisten (Mark Ruffalo). Dazu kommt noch eine Versicherungsagentin (Halle Berry), die für ihre Firma lukrative Kunden gewinnen soll.


Eingebettet sind diese Protagonisten in sie frustrierende Systeme. Denn während der Dieb für einen Hehler (Nick Nolte) arbeitet, der ihm einst offensichtlich geholfen hat, nervt den Polizisten sein Chef, der von seinem Team nur eine möglichst hohe Aufklärungsrate erwartet, egal ob dabei auch wirklich die Schuldigen oder Unschuldige verhaftet werden. Die Versicherungsagentin wiederum verärgert zunehmend, wie ihr von ihren männlichen Vorgesetzten zwar stets Beförderungen versprochen, diese aber dann doch nie gewährt werden.


In furioser Parallelmontage entwickelt Layton souverän diese drei Erzählstränge, die sukzessive verzahnt und am Ende selbstverständlich zusammengeführt werden. Spektakuläre Actionszenen wie ein raffinierter Juwelenraub mit anschließender wilder Flucht am Beginn oder eine schweißtreibende Verfolgungsjagd durch die Straßen von L.A. fehlen dabei nicht, doch im Mittelpunkt stehen immer die Charaktere, die sich zunehmend an ihren Systemen reiben.


Als Gegenpol zum smarten Dieb baut Layton dabei einen impulsiven Motorradfahrer (Barry Keoghan) auf, der für den Hehler auch riskante Aufträge übernimmt und vor Gewalt nicht zurückschreckt. Dem besonnenen Handeln des Diebs steht dessen Gier und Hektik gegenüber, die mit nervösem Schnitt und Handkamera intensiv vermittelt wird.


Mit bekannten Standards arbeitet Layton zwar mit dem ebenso verbissenen wie intelligenten Polizisten, der langsam ein Muster im Handeln des Diebs erkennt, aber von seinem Vorgesetzten stets kritisiert wird, und dem raffinierten Meisterdieb, doch hier wirken diese Figuren nicht abgegriffen, sondern frisch und echt. Offen legt der 51-jährige Brite, der vom Dokumentarfilm kommt, auch seine Vorbilder auf den Tisch. Neben dem sichtbaren Einfluss der Thriller von Michael Mann erweist er nicht nur mit einem Dialog des Polizisten und des Diebs über die Filme von Steve McQueen auch dessen "Bullitt" (1968) und "The Thomas Crown Affair" (1968) seine Reverenz.


Denn die Parallelen reichen vom Meisterdieb in "Thomas Crown" bis zu den Verfolgungsjagden und dem Ford Mustang in "Bullitt". Dazu kommt, dass Chris Hemsworth als Dieb auch mit seinem Spiel in die Fußstapfen des "King of Cool" McQueen tritt. Nichts gibt er von seinem Privatleben preis. Keine privaten Fotos finden sich in seinem zwar exklusiven, aber spartanisch eingerichteten Appartement, weder hat er einen Lieblingssong noch ein Lieblingsrestaurant. Wie der Gangster in Thomas Arslans meisterhaftem Thriller "Verbrannte Erde" wechselt auch er immer wieder seine Unterkunft, um alle Spuren zu verwischen.


So cool und überlegt, wie der Dieb agiert, inszeniert auch Layton. Atmosphärisch dicht bettet er die Handlung durch die starke Kameraarbeit von Erik Wilson in die Metropole Los Angeles ein und steigert auch mit der treibenden Musik des britischen Elektronic-Musikers Blanck Mass bis zum großen Finale die Spannung. Vergnügen bereitet "Crime 101" dabei auch dadurch, dass und wie Layton seine Protagonist:innen gegen die Systeme revoltieren und sich befreien lässt.



Crime 101

USA / Großbritannien 2026

Regie: Bart Layton

mit: Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Barry Keoghan, Halle Berry, Monica Barbaro, Corey Hawkins, Nick Nolte, Tate Donovan

Länge: 140 min.



Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Cineplexx Hohenems und im Skino Schaan.


Trailer zu "Crime 101"


Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare


bottom of page