• Walter Gasperi

The Dead Don´t Die

Nach dem Vampirfilm in „Only Lovers Left Alive“ hat sich Jim Jarmusch nun des Zombiefilms angenommen. Mit vielen liebevollen Zitaten erweist er diesem Subgenre des Horrorfilms seine Reverenz, erzählt gewohnt entschleunigt und bietet einem großen Starensemble eine Plattform, um lakonisch skurrile Typen zu präsentieren, doch die Handlung bietet wenig Originelles.


Immer wieder hat sich die Indie-Ikone Jim Jarmusch am Genrekino abgearbeitet und die Muster liebevoll variiert. Dem Western erwies er in „Dead Man“ (1995) seine Reverenz, dem Gangsterfilm in „Ghost Dog“ (1999), dem Vampirfilm mit „Only Lovers Left Alive“ (2013). An George A. Romeros klassischem Zombiefilm „Night of the Walking Dead“ orientiert sich nun „The Dead Don´t Die”.


Schauplatz der Handlung ist die Kleinstadt Centerville, im Mittelpunkt stehen die Polizisten Cliff (Bill Murray) und Ronnie (Adam Driver), ein typisches ungleiches Paar mit dem erfahrenen alten Cop und seinem jungen Partner. Um sie herum gruppiert Jarmusch die klassischen Schauplätze vom Diner über eine Farm, ein Motel, eine Tankstelle, einen Laden bis zu einem Jugendgefängnis und natürlich einem Friedhof.


Und an diesen Orten finden sich wieder die bekannten Typen wie drei junge Erwachsene aus der Großstadt, die im Motel ein Zimmer nehmen, Bedienung und Putzfrau im Diner oder der Inhaber des Motels. Als Außenseiter kommt noch der im Wald lebende Bob (ein unter dem mächtigen Bart kaum zu erkennender Tom Waits) dazu.


Auch der Handlungsaufbau bietet wenig Überraschungen, wenn zunächst die Polizisten wegen eines verschwundenen Huhns zum Farmer gerufen werden, bald alle Haustiere sich seltsam zu benehmen beginnen, dann sich die ersten Toten aus dem Friedhof erheben und schließlich ganze Horden von Zombies die Bewohner der Kleinstadt bedrohen.


Überraschend wenig fällt Jarmusch auf dieser Ebene ein, und die einzelnen Handlungsfäden und Figuren werden auch mehr notdürftig als zwingend verknüpft. Hier geht es Jarmusch nicht darum etwas Neues zu schaffen, sondern speziell mit dem Polizeirevier als zentralem Schauplatz auch an Genreklassiker wie Howard Hawks´ „Rio Bravo“ (1959) oder auch John Carpenters „Assault on Precinct 13“ (1976) anzuknüpfen und zu erinnern.


Auch der gesellschaftskritische Akzent mit Kritik am Materialismus steht in der Nachfolge der Filme Romeros. Nicht mit Biss, sondern voll Melancholie zeigt Jarmusch auf, dass die Untoten sich nicht anders verhalten wie zuvor schon als seelenlos Lebende, die sich einzig für ihre Vergnügungen vom Kaffee über Chardonay bis zum Handy oder verschiedene Sportarten interessieren.


An heutige Probleme angepasst ist freilich die Ursache der Wiederkehr der Toten, wenn „Polarfracking“ zu einer Verschiebung der Erdachse führt, die großen Konzerne dies aber als Ursache des Klimawandels leugnen. Seitenhiebe auf das Amerika Donald Trumps fehlen nicht, milde bleibt aber Jarmuschs Blick, gesellschaftskritischer Biss ist nicht seine Sache.


Spürbar eine Labour of Love ist dieser Film und seine Schönheiten liegen nicht im Gesamtkonzept, sondern eindeutig in den Details. Neben den Verweisen auf Romeros Vorbild, auf Hitchcocks „Psycho“ und andere Horrorklassiker bis zu Murnaus „Nosferatu“ sowie einer Verbeugung vor Regielegende Samuel Fuller durch eine Grabsteininschrift sind es zunächst einmal die entschleunigte Erzählweise und das erlesene Ensemble, das für diesen Film trotz seiner Schwächen einnimmt.


Auch das selbstreferentielle Spiel und Running Gags mit Sturgill Simpsons Titelsong „The Dead Don´t Die“ oder Drivers und Murrays Diskussionen über das Drehbuch des Films sorgen durchaus für Witz. Vor allem ist dies dabei für die zahlreichen Stars, die Jarmusch engagiert hat, eine große Plattform und wirkt dabei auch wie eine Reise durch das Werk des 66-jährigen Regisseurs.


Viele von diesen Schauspielern haben nämlich schon in früheren Filmen Jarmuschs mitgespielt von Tom Waits in „Down by Law“ über Steve Buscemi in „Night on Earth“, Iggy Pop in „Dead Man“, Bill Murray in „Broken Flowers“ und Tilda Swinton in „The Limits of Control“ und „Only Lovers Left Alive“ bis zu Adam Driver in „Patterson“. Wunderbar trocken können sich hier Murray und Driver die Bälle zuspielen, während Swinton als neue Leichenbestatterin aus Schottland nicht nur mit ihrem Akzent für einen Kontrast sorgt, sondern auch mit ihrem meisterlichen Umgang mit dem Samurai-Schwert Akzente setzt.


Fürs Genre passend, für einen Jarmusch-Film aber ungewöhnlich blutig wird diese Zombie-Komödie, wenn Menschen gebissen, die Eingeweide gefressen oder der Reihe nach Köpfe abgeschossen oder abgeschlagen werden. Das kennt man eigentlich schon zur Genüge aus anderen Filmen und auch das lustvolle Zitieren bleibt letztlich selbstzweckhaft. Etwas müde kommt „The Dead Don´t Die“ so daher und gehört sicher nicht zu den stärksten Filmen von Jarmusch, schön anzusehen ist das insgesamt aber immer noch, denn nur selten sieht man heutzutage einen so von liebevoller Cinephilie durchzogenen Film.


Läuft derzeit im Cinema Dornbirn (Deutsche Fassung) und im Takino Schaan (engl. O.m.U.)


Trailer zu "The Dead Don´t Die"