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  • AutorenbildWalter Gasperi

Challengers - Rivalen

Zwei Männer, eine Frau: Luca Guadagnino entwickelt vor dem Hintergrund dreier Tennis-Karrieren ein an François Truffauts "Jules et Jim" erinnerndes Beziehungsdreieck, bei dem Rivalitäten auf dem Platz immer wieder in persönliche Auseinandersetzungen übergehen – und umgekehrt: Eine große, sehr stylisch inszenierte Plattform für die Sängerin und Schauspielerin Zendaya und Guadagnino selbst, der ausgiebig seine Regiekünste demonstriert.


Zwei Freunde, die beide zu unterschiedlichen Zeiten eine Beziehung mit der gleichen Frau haben. – Das erinnert an François Truffauts um die Zeit des Ersten Weltkriegs spielenden "Jules et Jim" (1962). Bleiben dort freilich die beiden Protagonisten lange Zeit Freunde, so entwickeln sich bei Guadagnino doch rasch Rivalitäten, Eifersüchteleien und Intrigen.


Der Italiener, der seit "I Am Love" (2009) und vor allem "Call Me By Your Name" als Meister des modernen Gefühlskino gilt, rollt die Geschichte von hinten auf. Leitlinie ist das Finalspiel zwischen dem erfolgreichen Tennis-Profi Art (Mike Faist) und dem abgebrannten Patrick (Josh O´Connor), der sich nicht einmal ein einfaches Motel leisten kann, bei einem kleinen Challenger-Turnier, das mit Ort- und Zeitinsert aufs Jahr 2019 datier wird.


Guadagnino spannt dieses Spiel und dessen drei Sätze über den ganzen Film. Hier schießen sich die Kontrahenten nicht nur zunehmend heftiger die Bälle zu, sondern gleichzeitig steigern sich damit auch die Emotionen. Damit steigert sich aber auch der Furor von Guadagninos Inszenierung, wenn die Bälle bald direkt auf die Kamera des thailändischen Kameramanns Sayombhu Mukdeeprom zufliegen und schließlich die Kamera auch die Perspektive der Bälle übernimmt.


Der sportliche Schlagabtausch korrespondiert mit einem persönlichen, wenn in eingeschnittenen Rückblenden sukzessive Einblick in die Geschichte der Beziehung von Art, Patrick und der einstigen großen Tennishoffnung Tashi (Zendaya), die nun Arts Ehefrau und Trainerin ist, geboten wird.


Über 13 Jahre spannt sich hier die Handlung, doch Guadagnino verzichtet bei den Rückblenden auf klare Chronologie, wirbelt vielmehr die Zeitebenen durcheinander, sorgt aber mit Inserts immer dafür, dass die Zuschauer:inenn den Überblick bewahren.


Beste Freunde waren Art und Patrick, spielten Doppel, als sie 2006 am Rande der Junior US-Open den Jungstar Tashi kennenlernten. Beide schwärmten sofort gleichermaßen für sie. Homoerotik kommt auf, wenn sie sich zu dritt leidenschaftlich küssen, doch schließlich wird sich Tashi für einen von beiden entscheiden, dann aber die Entscheidung auch wieder revidieren.


Während im zentralen Spiel die Rivalitäten auf dem Tennisplatz ausgetragen werden, treten sie in den Rückblenden in privaten Gesprächen zu Tage. Bald geht da im Kampf um Tashi die Freundschaft den Bach runter – und Tashi wiederum dirigiert die beiden Verehrer wie Balljungen herum, macht erst mit ihrem Ehrgeiz Art zum Tennis-Champion.


Auch wenn dabei immer wieder über Tennis geredet, dann macht Guadagnino doch unverkennbar spürbar – und lässt dies auch die Protagonist:innen erkennen -, dass es hier um die Beziehung geht. Wie die Bälle schießen sie sich die Sätze zu und mit der treibenden Techno-Musik von Trent Reznor und Atticus Ross heizt der Italiener ebenso die Stimmung und Spannung an, wie durch den Einsatz von Zeitlupe, ungewöhnliche Kameraperspektiven oder Licht- und Farbsetzung.


Meisterhaft intensiviert er Momente, wenn der nicht nur die durchtrainierten Körper der beiden Spieler ausgiebig ins Bild rückt, sondern auch jeden Schweißtropfen oder Tashis Gesicht bei einer nächtlichen Begegnung mit Patrick in rotes Licht taucht.


Ausführlich wird aber auch Product Placement betrieben von Adidas und Aston Martin über Gatorade und Dunkin Donuts bis Chanel und wie ein Werbefilm wirkt "Challengers – Rivalen" so teilweise, denn eine kritische Position zu dieser Kommerzialisierung des Sports und zur Rolle von Sportler:innen als Werbeträger:innen lässt sich nicht erkennen. Der Sport ist im Grunde für Guadagnino auch nicht das Thema, denn trotz eines dramatischen Karriereknicks interessiert ihn die sportliche Ebene nur als Background, um darin verpackt seine Dreiecksgeschichte zu erzählen.


Ganz auf seine drei von Mike Faist, Josh O´Connor und Zendaya gespielten Protagonist:innen konzentriert er sich so, Nebenfiguren gibt es dagegen kaum. Während Faist und Connor mit großem Körpereinsatz agieren, brilliert Zendaya, die auch als Co-Produzentin fungierte, als kühle Königin, die stets die Zügel in der Hand hält und für die im Gegensatz zu den beiden Männern immer Erfolg und Karriere über den Gefühlen steht.

 

 

Challengers USA 2024 Regie: Luca Guadagnino mit: Zendaya, Mike Faist, Josh O’Connor, Joan Mcshane, Jason Tong, Hailey Gates, A. J. Lister, Jake Jensen Länge: 132 min.



Läuft derzeit in den Kinos.


Trailer zu "Challengers - Rivalen"





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