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  • AutorenbildWalter Gasperi

Es sind die kleinen Dinge - Les petites victoires

Die Bäckerei ist geschlossen, die Wirtshäuser sind verschwunden, Arzt gibt es auch keinen mehr und jetzt soll auch noch die Grundschule wegen Schülermangels geschlossen werden. – Mélanie Auffret entwickelt um die weit verbreiteten realen Probleme kleiner Dörfer eine grundsympathische, typisch französische Komödie.


Malerisch liegt das 400 Einwohner:innen zählende fiktive Dorf Kerguen inmitten von Feldern in der Bretagne. Doch dass das Dorf in einer schweren Krise steckt, macht schon das einleitende Handyvideo deutlich, mit dem die junge Bürgermeisterin Alice (Julia Piaton) neue Betreiber:innen für die geschlossene Bäckerei finden will.


Für alles scheint Alice zuständig zu sein, wenn ein Paar in ihrem Büro von seinen Eheproblemen erzählt, eine alte Frau über ihr Rheuma klagt, um das sich angesichts des Fehlens eines Arztes niemand kümmert, oder der ziemlich ungehobelte und cholerische Émile (Michel Blanc) sich über ein großes Schlagloch beschwert, das die Bürgermeisterin schließlich selbst ausbessern wird.


Flott vermittelt Mélanie Auffret, die selbst in einer bretonischen Kleinstadt aufgewachsen ist, in diesem Auftakt die vielfältigen Probleme des kleinen Dorfes. So real diese auch sind, so bleibt der Erzählton doch komödiantisch, dennoch wird die Krise, die nicht nur Kerguen betrifft, nicht verharmlost.


Neben den vielfältigen Aufgaben als Bürgermeisterin ist Alice aber auch noch die Grundschullehrerin des Dorfes. Weil sie aber nur zehn Kinder in der einklassigen Schule hat, plant die Behörde auch diese zu schließen.


Als neuer Schüler stellt sich aber der 65-jährige Émile hat, der sich nach dem Tod seines Bruders, der für ihn immer alle bürokratischen Angelegenheiten erledigt hat, eingestehen muss, dass er nicht lesen kann und dies nun endlich lernen will.


Eine große Bühne bietet diese Rolle Michel Blanc, der mit der Verwendung von Schimpfwörtern und mit Beleidigungen die Schüler:innen zunächst vor den Kopf stößt, dann aber doch ihr Herz und auch das von Alice gewinnt. Zudem bietet diese Figur Möglichkeiten für witzige Szenen, wenn der ältere Herr nach einem Fehlverhalten auf den "Nachdenkstuhl" sitzen muss oder wenn er mit seiner Schultasche auf dem Rücken durch die Dorfstraße geht.


Aber Émile lernt nicht nur lesen und schreiben und versucht zusammen mit Alice die Schule zu retten, sondern beide versuchen auch, dem persönlichen Glück des jeweils anderen auf die Sprünge zu helfen. Da organisiert er für sie ein Tinder-Date, während er endlich die Briefe lesen kann, die vor 40 Jahren eine Dorfbewohnerin an ihn geschrieben hat, deren Inhalt ihm aber aufgrund seines Analphabetismus verborgen blieb und auf die er natürlich auch nie antworten konnte.


Zu knapp wird zwar Émiles Wut und Schmerz über die Erkenntnis abgehandelt, was er durch seinen Analphabetismus verpasst hat, und auch das Tinder-Date verflüchtigt sich zu schnell, aber insgesamt ist das doch eine rund erzählte und grundsympathische, typisch französische Komödie.


Zu verdanken ist das neben dem malerischen Ambiente ganz wesentlich auch den Schauspieler:innen. Blendend harmonieren Julia Piaton als Alice, die sich für das Dorf aufopfert, und Michel Blanc, der sich vom Grantler zum sanften Menschenfreund wandelt, und großartig sind die natürlich agierenden Kinder.


So erzählt Auffret auch, wie die unterschiedlichen Generationen voneinander profitieren können. Sie feiert nicht nur das Miteinander der Kinder mit der auf die 40 zugehenden Lehrerin und dem 65-jährigen Emile, der im Klassenzimmer ein herrlicher Fremdkörper ist, sondern auch den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft.


Auch das Spannungsfeld von Verwurzelung im Ort und den Chancen, die ein Neuaufbruch - sei es mit einer Fahrt ans Meer, dem Besuch der Schule im Nachbardorf oder einer Radreise - bietet, bringt die Französin unaufdringlich ins Spiel. – Mit dem Wohlfühl-Faktor mag es Auffret dabei teilweise und vor allem am Ende zwar übertreiben, und Ecken und Kanten darf man nicht erwarten, doch 90 Minuten herzerwärmende Unterhaltung werden dennoch geboten.  

 

Es sind die kleinen Dinge – Les petites victoires Frankreich 2023 Regie: Mélanie Auffret mit: Michel Blanc, Julia Piaton, Lionel Abelanski, Marie Bunel, Marie Pierre Casey, Sébastien Chassagne, India Hair Länge: 89 min.



Läuft derzeit in den deutschen und österreichischen Kinos, z.B. im Cinema Dornbirn und Metrokino Bregenz. TaSKino Feldkirch im Kino GUK: 2.5. bis 4.5. Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz: Do 23.5., 20 Uhr



Trailer zu "Es sind die kleinen Dinge - Les petites victoires"




 

 

 

 

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