• Walter Gasperi

Subway


Der Titel ist Programm: Die unterirdische, nur von Neonlicht erhellte Welt der Pariser Metro ist der beinahe einzige Schauplatz von Luc Bessons postmodernem Neo-Noir aus dem Jahr 1985. Bei Studiocanal ist das rasante und visuell immer noch beeindruckende Katz-und-Maus-Spiel zwischen Polizei und einem anarchistischen Punk auf DVD und Blu-ray erschienen.


Wie die Bezeichnung Cinéma du look schon sagt, ist die schicke Oberfläche zentral, der Inhalt dagegen Nebensache bei dieser Stilrichtung des französischen Film, die mit den Werken von Jean-Jacques Beineix ("Diva"), Leos Carax ("Les amants du Pont-Neuf") und Luc Besson in den 1980er Jahren eine kurze Blüte feierte. Von der etablierten Filmkritik wurden diese Filme zumindest anfangs vielfach abgelehnt, beim jungen Publikum erlangten sie dagegen Kultstatus.


An – zumindest offener – Gesellschaftskritik sind diese Regisseure kaum interessiert, ihre filmische Welt wird vielmehr von Kinobildern gespeist. Fern ist die soziale Realität auch in "Subway", vielmehr entführt Luc Besson in das Gewirr von offiziellen und versteckten Gängen der Pariser Metro. Nicht nur mit Neon-Licht und Farbspielen, sondern auch mit seinen exzentrischen Protagonisten weckt er das Interesse des Publikums.


Hier wird nicht psychologisiert, nichts erfährt man über die Vorgeschichte der Figuren, die bewusst flach bleiben. Wie mit dem U-Bahn-Setting wird mit ihren Kostümen und Frisuren Augenfutter geboten. Haften bleiben die weißblonden Haare des Punks Fred (Christopher Lambert), der zunächst konträr zu seinem Typ mit schwarzem Smoking und Fliege auftritt, und das Ballkleid beim ersten Auftritt der Millionärsgattin Héléna (Isabelle Adjani) ebenso wie später ihre Irokesenfrisur.


Unvermittelt setzt "Subway" mit einer spektakulären Verfolgungsjagd quer durch Paris ein, bei der Herren im schwarzen Anzug mit einem Mercedes dem in einem Kleinwagen fliehenden Fred heftig zusetzen, ihn aber freilich nicht fassen können. Wieso Fred gejagt wird, wird erst später klar werden. Nicht um Erklärungen geht es hier, sondern durch genau getimten Wechsel zwischen Blicken aus der Windschutzscheibe, Freds Manövern und den Aktionen der Verfolger sollen Tempo und Spannung erzeugt und gleichzeitig auch schon mit der Fahrt durch ein System von Straßentunneln und dem Ende der Verfolgung vor oder in einer U-Bahn-Station der Zuschauer von der Oberwelt in dieses unterirdische Labyrinth entführt werden.


Im Spiel mit der Bewegung ist dies pures Kino und für Dynamik ist auch in der Folge gesorgt. Denn einerseits sind in dieser U-Bahn-Parallelwelt die Menschen stets in Bewegung sind, andererseits zieht auch ein Rollschuhfahrer, der hier seinen Lebensunterhalt mit Taschendiebstahl finanziert, seine Kreise. Die Polizei ist schon seit längerem hinter Fred und diesem Skater her, stellt sich aber nicht besonders geschickt an, sodass ihnen beide, die in diesen Gängen auch zu leben scheinen, immer wieder entkommen.


Nachdem Fred aber bei einer Party von Hélénas Ehemann einen Tresor gesprengt und mysteriöse Dokumente geraubt hat, mit denen er den Millionär nun erpresst, erhöht nicht nur die Polizei ihre Bemühungen den Punk zu fassen, sondern auch eine Truppe des Beraubten heftet sich an seine Fersen.


Zu den klassischen Krimimotiven gehört, dass der Kommissar einen Straßenverkäufer – konkret einen Blumenverkäufer – durch Druck zum Spitzel machen will, während die Liebe der unglücklich im goldenen Käfig lebenden und von der Oberschicht gelangweilten Héléna zu Fred an Konstellationen im klassischen amerikanischen Film noir erinnert.


Wie die Figuren keine Tiefe gewinnen, so stellt sich aber auch keine große Geschichte ein. Vielmehr will sich Besson als Spieler präsentieren, der virtuos mit den Stilmitteln von Musik- und Werbeclip arbeitet und mit Parallelmontagen, vielen Zooms, rasanten Verfolgungsjagden und skurrilen Typen dafür sorgt, dass nie Leerlauf aufkommt und diese Kinomaschine über knappe 100 Minuten am Laufen gehalten wird.


Unterstützt wird die Bildebene dabei auch ganz entscheidend vom Sounddesign. Immer wieder werden so Verfolgungsjagden zusätzlich durch die Musik dynamisiert und völlig aus dem Rahmen fällt im Finale ein von Fred rasch improvisiertes Konzert seiner Band.


An Sprachversionen bieten die bei Studiocanal erschienene DVD und Blu-ray die französische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Die Extras beschränken sich auf Trailer zu weiteren Filmen dieses Labels.


Trailer zu "Subway"