• Walter Gasperi

Smuggling Hendrix


Problemlos entwischt ein Hund aus dem griechischen Teil Zyperns in den türkischen, die Rückholung wollen die Grenzbehörden aber nicht erlauben. – Mit genauem Blick für Details und einem spielfreudigen Ensemble erzählt Marios Piperides von der Absurdität der Teilung der Insel.


Endlich satt hat der etwa 40-jährige Yiannis (Adam Boudoukos) das Leben im griechischen Teil Zyperns: Der Traum von der Musikerkarriere hat sich nicht erfüllt, seine Freundin hat ihn verlassen und die Vermieterin sitzt ihm ebenso wegen Mietrückstand im Rücken wie zwei zwielichtige Typen wegen anderer Schulden. – In drei Tagen möchte er nun die Insel verlassen, seinen geliebten Hund Jimi will er dabei freilich mitnehmen.


Eine genaue Liste, was noch zu erledigen ist, hat Yiannis gemacht, doch über den Verkauf seines Motorrads kommt er nicht hinaus, denn dann entwischt ihm Jimi über die Grenze Nikosias, der einzigen noch geteilten Hauptstadt der Welt, und die UN-Pufferzone in den türkischen Teil der Stadt. Bald findet er den geliebten Vierbeiner zwar bei einem türkischen Zollbeamten, doch bei der Grenzpassage wird Yiannis die Mitnahme des Hunds verweigert, da aufgrund von EU-Regeln keine Tiere aus einem nicht zur EU gehörigen Land eingeführt werden dürfen.


Auf den Hund will er aber natürlich keinesfalls verzichten und muss andere Wege einschlagen, um ihn zurückzubekommen. Zwar hält er nicht viel von den Türken, sucht aber dennoch das seit der Teilung der Insel im Jahr 1974 auf türkischer Seite gelegene Elternhaus auf und bittet den neuen Besitzer um Hilfe.


Im Kleinen spiegelt sich in der Situation dieses Hauses die Lage im Großen: Wie nämlich Griechen und Türken Zypern beanspruchen, beanspruchen auch Yiannis und Hasan (Fatih Al) das Haus für sich, denn beide verbinden Erinnerungen damit und beider Familien haben daran gebaut, dennoch scheint ein gemeinsames Zusammenleben im Privaten wie im großen Haus Zypern kaum möglich.


Während aber die staatliche Grenze unverrückbar bleibt, kommen sich Yiannis und Hasan im Verlauf ihrer Bemühungen näher. Um das Problem mit Jimi zu lösen wird sowohl ein kleinkrimineller Freund von Hasan als auch Yiannis Ex-Freundin eingeschaltet, doch alle Versuche scheinen zum Scheitern verurteilt.


Zahlreiche Wendungen sind so garantiert, aber vor allem lebt diese Komödie von ihrem spielfreudigen Ensemble und einem genauen Blick fürs Milieu und die politischen Verhältnisse. Ideal besetzt ist der schnoddrige Verlierer Yiannis mit Adam Boudoukos, der durch seine Mitwirkung in Filmen von Fatih Akin und "Tatort" bekannt ist, markante Gegenpole hat er in Fatih Al und Özgür Karadeniz als türkische Helfer.


Keine strahlenden Charaktere sind dies, sondern Menschen mit Schwächen und Fehlern, doch der liebevolle Blick des Regisseurs nimmt für sie ein. Zentral ist aber die Erdung der Geschichte im Milieu. Nicht nur die chaotische Wohnung von Yiannis fängt so die Kamera von Christian Huck treffend ein, sondern auch die heruntergekommenen Straßenzüge und Häuser diesseits und jenseits der Grenze sowie die entsiedelte triste Pufferzone und evoziert damit eine stimmige Atmosphäre.


Dass diese Teilung von der Weltöffentlichkeit kaum beachtet wird, wird dabei auch im Film angesprochen, wenn einer der Protagonisten feststellt, dass weder Lady Diana noch Angelina Jolie je hier waren. – Ohne grob zu belehren ruft "Smuggling Hendrix" dies anhand dieser kleinen Geschichte um einen Hund nicht nur in Erinnerung, sondern bietet mit seiner zu den sympathischen Underdogs passenden unperfekten, aber frischen und warmherzigen Erzählweise auch leichthändige Unterhaltung, die die Absurdität von Grenzen insgesamt bewusst macht.


Ab Freitag 10.7. in den österreichischen Kinos - z.B. TaSKino Feldkirch im Kino Rio


Trailer zu "Smuggling Hendrix"