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Siri Hustvedt – Dance Around the Self

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 3 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit
"Siri Hustvedt - Dance Around the Self": Feinfühliges und vielschichtiges Porträt der bedeutenden US-amerikanischen Schriftstellerin
"Siri Hustvedt - Dance Around the Self": Feinfühliges und vielschichtiges Porträt der bedeutenden US-amerikanischen Schriftstellerin

Sabine Lidl zeichnet nicht chronologisch das Leben der US-amerikanischen Schriftstellerin Siri Hustvedt nach, sondern bietet in poetisch-assoziativer Erzählweise Einblick in ihr Werk und feministisches Engagement ebenso wie in ihre starke familiäre Bindung und die große Liebesgeschichte mit ihrem Ehemann Paul Auster.


Der Einstieg gibt die verspielt-poetische Erzählweise dieses Dokumentarfilms vor. Zum Voice-over, das über den Aufbruch der 1955 geborenen Siri Hustvedt aus dem ländlichen Minnesota in die Metropole New York informiert, sieht man nicht nur grobkörnige Super 8-Aufnahmen einer jungen Frau, die durch die Straßen der Großstadt streift, sondern auch die Schwarzweißzeichnung einer Frau, die mit Riesenschritten der Provinz zu entkommen versucht.


Immer wieder bricht Sabine Lidl, die auf Off-Kommentar verzichtet, mit solchen Einschüben ihren Film auf. Den größten Raum nehmen insgesamt aber doch von Hustvedt selbst gelesene Passagen aus ihren Romanen ein sowie Kommentare zu ihrem literarischen Schaffen und ihrem Leben, in denen die 71-Jährige sich als ausgesprochen kluge und reflektierte Frau präsentiert. Nicht nur Einblick in ihr Werk, sondern auch in ihre Person wird dabei geboten, verarbeitete sie in ihrem Roman "Die unsichtbare Frau" (1993) doch ebenso ihre Migräne wie in "Die zitternde Frau. Die Geschichte meiner Nerven" (2010) eine Zitterattacke, die sie während ihrer Gedenkrede beim Begräbnis ihres Vaters befiel.


Doch auch an ihr Engagement für die in der Kunst und Wissenschaft über Jahrhunderte benachteiligten Frauen wird erinnert, wenn sich ein Exkurs ihrer Leitfigur Louise Bourgeois widmet, sie im Roman "Damals" Marcel Duchamps vorwirft sein weltberühmtes Urinal der Dada-Künstlerin Baroness Elsa von Freytag-Lohringhoven gestohlen zu haben oder sie in Norwegen ein Mahnmal für die Opfer der Hexenverfolgung besucht.


In der Offenheit und Ehrlichkeit Hurstvedts spürt man das Naheverhältnis und die Vertrautheit zwischen der Regisseurin und ihrer Protagonistin. Dies kommt freilich nicht von ungefähr, sondern resultiert aus einer langjährigen Zusammenarbeit. Schon 2019 hat Lidl nämlich in der 55-minütigen Arte-Dokumentation "Paul Auster – Was wäre wenn" Hustvedts Ehemann porträtiert und nun für ihren ersten Kino- Dokumentarfilm vier Jahre lang die herausragende Schriftstellerin mit der Kamera begleitet.


Kontrast zu den Romanpassagen und intellektuellen Ausführungen Hustvedts bilden die Szenen, in denen sie sehr persönlich über ihre Familie spricht. Ausführlich wird hier zunächst ein Bild ihrer innigen Beziehung zu ihrer Mutter gezeichnet, ehe später der Blick auf das ambivalente Verhältnis zu ihrem Vater folgt. Auch die drei Schwestern der Autorin kommen dabei zu Wort und nicht nur mit dem Studium von alten Fotoalben und der Einblendung von Fotos wird an die Familiengeschichte erinnert, sondern auch mit einem Besuch des Grabs der Eltern in Minnesota.


Gleichzeitig wird dieses Familienbild aber auch fortgeführt, wenn nun Siri ihren Enkel Miles in den Armen hält, wenn ihre Singer-Songwriter-Tochter Sophie mit ihrem Ehemann zu Besuch kommt. Die geräumige Wohnung des Ehepaars Auster-Hustvedt in Brooklyn ist so der zentrale Ort des Films. Nicht nur die Autorin kommt hier zu Wort, sondern auch ihr Ehemann Paul Auster spricht über seine große Liebe zu der Frau, mit der er 43 Jahre verheiratet war.


Lidl zeichnet ein intensives und berührendes Bild dieser Liebesgeschichte, die erst mit dem Krebstod Austers am 30. April 2024 endete. Bewegend vermittelt sie auch Hustvedts Schmerz über den Verlust ihres "Lebensmenschen", zeigt aber auch, wie sie diesen überwindet, indem sie den Dialog mit dem Verstorbenen im Buch "Ghost Stories" fortführt.


Wie die Intellektuelle das Leben als großen, nie ruhenden Fluss beschreibt und Ratgebern zur Findung des Lebensglücks eine klare Absage erteilt, fließt auch dieser Dokumentarfilm dahin. Nie lässt er sich ganz fassen, sondern mäandert leichthändig zwischen dem literarischen Schaffen und der privaten Geschichte, holt beim Blick auf die Zitterattacke zu einem Exkurs über die Geschichte der Hysterie und das Verhältnis von Psychologie und Neurologie aus, um dann wieder zu ihren Romanen, zu ihrem Ehemann und zu ihrer Familie zurückzukehren.


Trotz der Fülle und dem Tod Austers wird "Siri Hustvedt – Dance Around the Self", dessen Untertitel kein selbstverliebtes Kreisen um sich selbst, sondern vielmehr ein ständiges Überdenken der eigenen Positionen durch Perspektivenwechsel meint, aber nie schwer, sondern bewahrt nicht zuletzt dank der flüssigen und runden Montage von Maxine Goedicke und der Musik von Balz Bachmann, die die poetische Stimmung verstärkt, durchgängig große Leichtigkeit.



Siri Hustvedt – Dance Around the Self

Deutschland / Schweiz 2026

Regie: Sabine Lidl

Dokumentarfilm mit: Siri Hustvedt, Paul Auster, Sophie Auster, Katerina Fotopoulou, Liv Hustvedt, Asti Hustvedt

Länge: 110 min.



Läuft derzeit in den Kinos.

Filmforum Bregenz im Parktheater Lindau: Mi 3.6., 19.30 Uhr (engl. OmU.)

Spielboden Dornbirn: Di 26.5 + Mi 3.6. - jeweils 19.30 Uhr (engl. OmU.)



Trailer zu "Siri Hustvedt – Dance Around the Self"



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