In the Grey
- Walter Gasperi

- vor 39 Minuten
- 3 Min. Lesezeit

Eine Verhandlerin hat sich darauf spezialisiert mit einer Truppe von Internet-, Waffen- und Organisationsexperten Geld, das Investmentfirmen gestohlen wurde, zurückzufordern: Guy Ritchie bietet Popcornkino, bei dem der vermeintliche Inhalt weitgehend Vorwand für rasant inszenierte Action vor spektakulärer Kulisse ist.
"In the Grey", also in der Grauzone, zwischen Legalität und Illegalität, zwischen Moral und Unmoral behauptet Rachel Wild (Eiza González) zu arbeiten. Ihr Geschäftsfeld hat sie nämlich darin gefunden, für Investmentfirmen das Geld, das sie verliehen haben, aber nie zurückgezahlt wurde, zurückzuholen. Im Gegensatz zu dieser einführenden Erklärung gibt es in Guy Ritchies Actionfilm freilich keine Grauzonen, sondern nie kommen Zweifel darüber auf, wer hier die Guten und wer die Bösen sind.
Von Anfang an ist so klar, dass der Milliardär Salazar (Carlos Bardem), der nach Unterzeichnung eines Vertrags zur Rückzahlung von mehreren hundert Millionen Dollar den Verhandler von seinem Sicherheitschef erschießen lässt, das inkarnierte Böse ist. Andererseits werden die Zuschauer:innen schon durch das erklärende Voice-over von Rachel auf ihre Perspektive eingeschworen.
Weil sie in ihrem Job die beste ist, kann sie auch die aalglatte Vertreterin der Investmentfirmen (Rosamunde Pike) überreden, ihr – natürlich gegen entsprechende Bezahlung - den Auftrag zur Rückholung des von Salazar hinterzogenen Vermögens zu geben.
Voice-over und Dialog dominieren dabei in der ersten Hälfte des Films, wenn Rachel Einblick in ihre Methoden bietet. Wenn Verhandlungen nichts bringen, lässt sie den Gegner mittels Wanzen aushören, Internetspezialisten die Computer der Firmen hacken und auch mittels Gerichtsurteilen kann Druck ausgeübt werden. In rasendem Tempo wechselt "In the Grey" hier zwischen den USA, Saudi-Arabien und Salazars Insel, bietet in knappen Szenen Einblick in die unterschiedlichen Mittel der Einflussnahme, bis Salazar schließlich einem Treffen auf seiner Insel zustimmt.
Dort hat Rachels Team freilich die Lage nicht nur geprüft, sondern auch schon alles für eine allenfalls nötige Flucht vorbereitet: Mit Enduro-Bikes liefert man sich als Test schon mal Wettrennen mit der Polizei, stellt Quads und ein Kleinflugzeug bereit, installiert Fallgruben und Landminen, um Verfolger abzuschütteln, ebenso wie eine Seilrutsche, um im Notfall eine Schlucht zu überqueren.
Überraschenderweise kann zwar ein Deal mit Salazar ausgehandelt werden, doch als Rachels Auftraggeberin ihre Verpflichtungen nicht einhält, schlägt der Milliardär zurück und ein Actionfeuerwerk bricht los, bei dem Rachels Team sich gegen eine Übermacht behaupten muss.
Im Grunde arbeitet Guy Ritchie mit den klassischen Mustern von "The Magnificent Seven" über "The Dirty Dozen" bis zu "Ocean´s 11". Die Rekrutierung des Teams wird zwar ausgespart, doch auch hier gibt es Experten für unterschiedliche Bereiche. Neu ist freilich, dass an der Spitze mit Rachel eine toughe Frau steht, die die Truppe liebevoll "Mom" nennt und deren Schutz und Rettung immer im Zentrum steht.
Wie dieses Team hochprofessionell arbeitet, so demonstrieren auch Ritchie und seine Filmcrew ihre Professionalität. Der Inhalt dient hier nur als Vorwand für die Demonstration rasanten Storytellings und die Inszenierung spektakulärer Actionszenen. Scheinbar mühelos hält der Brite nicht nur das Tempo über 98 Minuten hoch, sondern sorgt auch dafür, dass die Zuschauer:innen trotz der Rasanz nie den Überblick verlieren.
Kein Leerlauf kommt hier auf und großes Vergnügen bereitet "In the Grey" mit seinem Tempo und seinem großartig harmonierenden Ensemble. Differenzierte Figurenzeichnung darf man freilich nicht erwarten, doch Eiza Gonzalez als coole Chefin sowie Henry Cavill und Jake Gyllenhaal als versierte Leiter ihres Teams reißen mit ihrer Spielfreude mit. Die klassischen Geschlechterbilder, die hier zunächst auf den Kopf gestellt werden, werden am Ende allerdings wieder zementiert, wenn in einer Notlage doch wieder ausschließlich Männer die Akteure sind.
Wie eine Seifenblase zerplatzt dieser Popcorn-Film, der mit seinen luxuriösen Schauplätzen und dem Insel-Ambiente (Kamera: Ed Wild) auch Augenfutter bietet, freilich schon mit dem Abspann, denn hanebüchen ist insgesamt die Story. – Und dennoch erzählt Ritchie über die äußere Handlung hinaus doch auch von Professionalität und einer Loyalität, die man nicht kaufen, sondern sich durch Einsatz für das Gegenüber verdienen muss. Lohn dafür ist aber eine Einsatzbereitschaft, mit der man vielleicht auch gegen eine scheinbar unüberwindbare Übermacht bestehen kann.
In the Grey
Großbritannien / USA 2026
Regie: Guy Ritchie
mit: Henry Cavill, Rosamund Pike, Jake Gyllenhaal, Eiza González, Fisher Stevens, Emmett J Scanlan, Jason Wong
Länge: 98 min.
Läuft jetzt in den Kinos.
Trailer zu "In the Grey"




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