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  • AutorenbildWalter Gasperi

Schweigend steht der Wald


Eine Forstpraktikantin stößt 1999, 20 Jahre nach dem spurlosen Verschwinden ihres Vaters, auf neue Spuren, doch im oberpfälzischen Dorf will man nichts davon wissen. – Saralisa Volms atmosphärisch dichtes und konzentriertes Spielfilmdebüt, das Krimispannung mit geschichtlicher Erinnerungsarbeit verbindet, ist bei Alpenrepublik Filmverleih auf DVD erschienen.


Als Forstpraktikantin führt Anja Grimm (Henriette Confurius) in einem Wald Bodenbohrungen. Genau untersucht sie die zu Tage geförderte Erde. So konkret diese Arbeit ist, so sehr verweist sie doch auch auf die historischen Tiefenbohrungen, die Saralisa Volm in ihrer Verfilmung des gleichnamigen Romans von Wolfram Fleischhauer durchführt. Unter der Oberfläche verschüttet liegt im Jahr 1999 nämlich Einiges.


Die oberpfälzische Gemeinde schweigt lieber darüber und verdrängt die Vergangenheit, doch wie Anja ein Wildschwein ausnimmt und die Gedärme herausflutschen, so bricht auch langsam die Vergangenheit durch. Immer wieder verweisen solche Bilder und Szenen auf die Handlung, doch Volm überstrapaziert in ihrem Langfilmdebüt diese Metaphern nicht, ermöglicht solche Gedanken, drängt sie den Zuschauer:innen aber nicht auf.

Im Jahr 1979 ist Anjas Vater bei einer Wanderung in der Gegend dieses Dorfes verschwunden. Nie wurde sein Verbleib geklärt. Als 20 Jahre später die nun 28-jährige Frau, die einst als Kind mit ihren Eltern in diesem Dorf Urlaub machte, zufällig bei ihrer Arbeit dem damaligen Hauptverdächtigen begegnet, reagiert dieser verstört und wird wenig später seine bettlägerige Mutter brutal ermorden.


So lösen nicht nur die Bodenproben, die Unstimmigkeiten für diese Waldgegend aufweisen, sondern auch dieser Mord bei Anja weitere Recherchen auf, die wiederum die Dorfbevölkerung in Beunruhigung versetzen und ihre ablehnende Haltung der Fremden gegenüber verstärken.


Im Grunde folgt der Plot gewohnten Mustern, doch die Langsamkeit und Konzentriertheit, mit der Volm die Handlung entwickelt, beeindruckt. Mehr als in Worten erzählt die 38-jährige Debütantin in Bildern. Dichte Atmosphäre erzeugt sie immer wieder mit der nah am Boden durch den Wald gleitenden Kamera oder isoliert die Figuren mit Flugaufnahmen im Raum.


Geschickt verengt Volm auf die Handlung, indem sie sich auf wenige Figuren konzentriert, diesen dafür mehr Platz einräumen kann. Da gibt es neben der Forstpraktikantin auf der einen Seite eine Bauersfamilie, die mit dem angeblichen Täter verwandt ist, und auf der anderen einen pensionierten Polizisten. Der Elterngeneration, die die 20 Jahre zurückliegenden Ereignisse lieber verdrängen und nichts davon wissen wollen, stehen jeweils Söhne gegenüber, die die Eltern zu vereinnahmen versuchen.


Wesentlich zur Spannung trägt aber auch der Handlungsaufbau bei. Denn Volm versteht es großartig zunächst vieles im Dunkeln zu lassen und erst langsam Stück für Stück Einblick in die Hintergründe zu gewähren. Ahnen kann man dabei freilich schon früh, dass es nicht nur um das Verschwinden des Vaters geht, sondern dass dahinter auch eine historische Schuld der Dorfgemeinschaft steckt.


So funktioniert "Schweigend steht der Wald" als packender Krimi, bei dem freilich eine Alptraumszene Anjas, die den Mustern des Mystery-Thrillers folgt, nicht nötig gewesen wäre, als auch als Erinnerungsarbeit. Das offene Ende leitet dabei auch an die Zuschauer:innen die Frage weiter, wie sie sich im Umgang mit der Geschichte verhalten würden und ob sie Verdrängung und Vertuschung unterstützen oder sich für eine Aufarbeitung einsetzen.


An Sprachversionen bietet die bei Alpenrepublik Filmverleih erschienene DVD die deutsche Originalfassung, deutsche Untertitel für Hörgeschädigte und eine Audiodeskription für Sehgeschädigte. Die Extras beschränken sich auf mehrere Trailer zu weiteren, bei diesem Label erschienenen Filmen.



Trailer zu "Schweigend steht der Wald"


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