• Walter Gasperi

Rosas Hochzeit


Für alle ist Rosa da und alle spannen sie ein, doch jetzt will die Mittvierzigern ihr Leben mal selbst in die Hände nehmen, ihre Wünsche und Träume in die Tat umsetzen. – Iciair Bollains sommerliches Feelgood-Movie fordert schwung- und lustvoll zu mehr Selbstliebe und Selbstachtung auf.


Alle feuern Rosa (Candela Peña) beim Marathonlauf an, aber die Strecke muss sie natürlich selbst absolvieren. Nicht einmal das Zielband kann sie schließlich stoppen und weiter läuft sie über Felder bis ans Meer. Schon vor die Mittvierzigerin in der Schneiderei eines Filmstudios aus dem Nickerchen erwacht, ist klar, dass dieser Auftakt ein Traum sein muss. Gleichzeitig verweist die Szene aber auf die Bewegung und Selbstbefreiung, die die Kostümbildnerin im Laufe von Iciar Bollains Dramödie von Valencia an die Küstenstadt Benicassim, in der ihre Mutter einst eine Schneiderei führte, vollziehen wird.


Zunächst aber steht Rosa im Alltag noch so unter Strom wie im Marathonlauf, wird von Bruder Armando (Sergi López) als Babysitter für seine beiden Kinder eingespannt, soll ihren Vater zu einer Untersuchung bringen, die Blumen des Nachbarn gießen und sich um die Haustiere einer Freundin kümmern. Zudem sorgt sie sich stets von sich aus um die nach Manchester übersiedelte Tochter Lidia (Paula Usero), die vor kurzem Zwillinge geboren hat, und soll sich an einem Filmset auch noch um die unterschiedlichsten Kostüme kümmern.


Als ihr Vater auch noch bei ihr einziehen will, läuft aber das Fass förmlich über und Rosa entschließt sich zu einer radikalen Wende. Sie kündigt bei der Filmfirma ihren Job, fährt nach Benicassim, wo sie die Schneiderei ihrer Mutter wieder eröffnen will, und lädt ihre nächsten Verwandten zu ihrer kurzfristig angesetzten Hochzeit ein.


Klein und intim möchte sie das Fest halten und weil niemand dem jeweils anderen zuhört, kommt Rosa einerseits nie dazu zu erklären, wen sie denn nun heiraten wird, andererseits glauben Vater und Bruder weitere Gäste einladen und ein großes Fest aufziehen zu müssen.


Doch nicht nur von Rosas Wandlung erzählt Iciar Bollain, sondern deckt – ein gewohntes Thema solcher Familienfeiern im Film – auch die Probleme ihrer Geschwister und Tochter auf. Da hat der Bruder mit Eheproblemen und drohender Scheidung zu kämpfen und möchte ohne Rosas Wissen die Schneiderei der Mutter verkaufen, um seine Schule zu vergrößern. Die als Übersetzerin arbeitende Schwester Violeta (Nathalie Poza) hat dagegen mit einem Alkoholproblem zu kämpfen, während Tochter Lidia mit ihren Zwillingen überfordert ist und auch mit dem Umzug nach Manchester nicht zurechtkommt.


Wirklich ausgelotet werden die Probleme nicht und auch die Brüche in der Selbstbefreiung und Selbstfindung Rosas bleiben mild, denn Bollain will ja vor allem gute Stimmung verbreiten und zu einem selbstbestimmten Leben anregen. Das gelingt ihr mit der durch warmes Licht und kräftige Farben evozierten lebensfrohen Sommerstimmung ebenso wie durch die temporeiche Erzählweise und das lustvoll aufspielenden Ensemble.


Sicher hält die 54-jährige Spanierin die Fäden in der Hand, wechselt locker zwischen den einzelnen Figuren, führt Geschwister und Vater bald zusammen, folgt ihnen dann wieder auf ihren eigenen Wegen. Nie verliert sie aber bei diesen Seitenblicken die von Candela Peña mit Leidenschaft gespielte Rosa aus den Augen – sie ist das Herz und Kraftzentrum dieses Films.


Ein leichthändiges Feelgood-Movie ist Bollain so gelungen, das nicht nur, aber doch vor allem ein weibliches Publikum ansprechen und finden wird und das auch mit viel spanischem Lebensgefühl schwungvoll und flott, aber nie aufdringlich, sondern ganz selbstverständlich in die Handlung integriert seine Botschaft transportiert. So wird warmherzige und rundum sympathische Unterhaltung geboten, die ansteckend dafür plädiert nicht immer an die anderen zu denken, sondern auch auf sein eigenes Wohl zu schauen und seine Träume nicht hintanzustellen und zu verschieben, sondern auch gegen den Willen anderer in die Tat umzusetzen.


Läuft derzeit in den Vorarlberger Kinos, z.B. im Cinema Dornbirn und im Feldkircher Kino Rio und am 16.6. im Rahmen des Programms des Filmforum Bregenz im Metrokino Bregenz. Ab 15.7. in den Schweizer Kinos.


Trailer zu "Rosas Hochzeit"