15 Liebesbeweise - Des preuves d´amour
- Walter Gasperi

- vor 13 Minuten
- 3 Min. Lesezeit

Ein gleichgeschlechtliches Ehepaar bekommt ein Kind, doch die nicht-biologische Mutter muss im Frankreich des Jahres 2014 bürokratische Hürden überwinden, um offiziell als Mutter anerkannt zu werden: Alice Douard gelang mit ihrem Spielfilmdebüt eine leichthändige und frische Komödie, die auch durch starke Schauspielerinnen und den genauen Blick für Situationen überzeugt.
Während die einfachen Vorspanntitel auf tiefroter Leinwand ablaufen, informiert aus dem Off ein Audio-Mitschnitt über die Abstimmung im französischen Parlament, bei der im Februar 2013 die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe beschlossen wird. - Der hier aufgebaute Bild-Ton-Kontrast mit dem Rot der Liebe auf der einen Seite und dem sachlichen Kommentar auf der anderen Seite verweist schon auf das Spannungsfeld von emotionaler Beziehung und gesetzlichen Vorgaben, das den Film bestimmt.
Céline (Ella Rumpf), die als DJ und Tontechnikerin arbeitet, und die als Zahnärztin in der Notaufnahme tätige Nadia (Monia Chokri) gehörten zu den ersten, die nach Erlass des Gesetzes heirateten. Auch ihren Kinderwunsch wollen sie sich nun erfüllen und Nadia ist schon im sechsten Monat schwanger. Für die künstliche Befruchtung musste das Paar aber nach Dänemark reisen, denn in Frankreich wurde dies für gleichgeschlechtliche Paare erst 2021 legalisiert.
Dass Nadia die Mutter ist, steht außer Frage. Céline aber muss, um als Mutter gesetzlich anerkannt zu werden, vor Gericht die persönlichen Aussagen von 15 möglichst unterschiedlichen Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten vorlegen, in denen diese versichern, dass Céline als Elternteil geeignet ist. Erst seit 2021 muss die nicht-biologische Mutter das Kind ihrer Partnerin nicht mehr adoptieren, sondern ist dem Vater in einer heterosexuellen Ehe gleichgestellt.
Alice Douard macht in ihrem Spielfilmdebüt aus dieser Ausgangssituation aber keinen kämpferischen Film gegen diese Ungleichheit, sondern eine leichthändige und frische Komödie. Im genauen Blick für die Sorgen des Paares und für Situationen spürt man die persönlichen Erfahrungen, die die Regisseurin selbst als nicht-biologische Mutter in einer gleichgeschlechtlichen Ehe gemacht hat.
Auch die visuelle Gestaltung sorgt dafür, dass "15 Liebesbeweise" fest in der Realität verankert bleibt. Mit seinem kalten weißen Licht und seinen matten Farben wirkt nichts geschönt und auch durch die nah geführte Kamera und schnelle Schnitte entwickelt sich ein ungeschminkter Großstadtfilm.
Der Fokus liegt dabei ganz auf den werdenden Eltern, vor allem aber auf Céline. Mit warmherzigem Blick bietet Douard Einblick nicht nur in die bürokratischen Hürden, sondern auch in die Ängste angesichts der anstehenden neuen Rolle. Hinreißend witzige und gleichzeitig berührende Szenen entwickeln sich, wenn das Paar von einem jungen Arzt zu Krankheiten innerhalb der Familie befragt wird oder wenn Céline sich für die Mutterrolle vorbereiten will, indem sie bei einem befreundeten Paar mit einem Baby und einem etwa fünfjährigen Kind babysittet.
Nicht fehlen darf auch ein Besuch bei Nadias Eltern, bei dem nicht nur thematisiert wird, dass ihre Mutter ihre Querness lange nicht akzeptierte, sondern auch über den unerfüllten Kinderwunsch von Nadias Schwester gesprochen wird. Kontrast zu Nadias Familie bietet wiederum Célines schwierige Beziehung zu ihrer Mutter (Noémie Lvovsky), die als erfolgreiche Pianistin immer die Karriere vor ihre Tochter stellte. Sichtbar wird beim Besuch eines Billardclubs aber auch die immer noch verbreitete Homophobie, gegen die sich das Paar aber zur Wehr zu setzen weiß.
So bleibt diese ganz im Alltag verankerte Komödie trotz der realen Benachteiligungen und Schwierigkeiten durch und durch optimistisch und verbreitet Lebensfreude. Zu verdanken ist dies auch dem engagierten Spiel von Ella Rumpf und Monia Chokri. Großartig harmoniert dieses Duo, vermittelt nicht nur die innige Liebe, sondern bietet auch Einblick in die Unsicherheit hinsichtlich der beruflichen und finanziellen Folgen der anstehenden Elternschaft.
Stark ist aber auch Noémie Lvovsky als Célines Mutter, mit deren Beruf als Pianistin auch das schwierige Spannungsfeld von künstlerischer Karriere und Mutterschaft ins Spiel kommt. Zerrissenheit und Schuldgefühle werden hier sichtbar, aber letztlich auch große Mutterliebe.
Bis zum Glück einer Geburt, das vorhersehbar am Ende steht, wirkt hier nichts gekünstelt oder kitschig, sondern "15 Liebesbeweise" begeistert durch eine Lebensnähe und Unverfälschtheit, die einem die Figuren mit ihren Sorgen und Freuden rasch ans Herz wachsen und nahe gehen lässt.
15 Liebesbeweise - Des preuves d'amour
Frankreich 2025
Regie: Alice Douard
mit: Ella Rumpf, Monia Chokri, Noémie Lvovsky, Emy Juretzko, Julien Gaspar-Oliveri
Länge: 96 min.
Läuft derzeit in den deutschen und Schweizer Kinos, z.B. im Kinok St. Gallen und im Skino Schaan. - In den österreichischen Kinos ab 1.1.
TaSKino Feldkirch im Kino GUK: Fr 2.1. + Sa 3.1.
Spielboden Dornbirn: Di 6.1. + Fr 23.1. - jeweils 19.30 Uhr
Trailer zu "15 Liebesbeweise - Des preuves d´amour"




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