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Renoir

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 16 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit
"Renoir": Einfühlsames Drama um eine Elfjährige, die mit Fantasie einem bedrückenden Alltag trotzt.
"Renoir": Einfühlsames Drama um eine Elfjährige, die mit Fantasie einem bedrückenden Alltag trotzt.

Chie Hayakwa zeichnet in ihrem zweiten Spielfilm ein einfühlsames Porträt einer einsamen Elfjährigen, die vor der unheilbaren Krebserkrankung ihres Vaters in eine Fantasiewelt flüchtet: Ein leises und unaufgeregtes Drama mit einer großartigen Yui Suzuki in der Hauptrolle.


Nachdem Chie Hayakawa in ihrem Debüt "Plan 75" (2022) ein dystopisches Bild eines zukünftigen Japans zeichnete, in dem aufgrund der Überalterung der Gesellschaft ein Euthanasie-Programm für Menschen ab 75 Jahren staatlich gefördert wird, blickt die 1976 geborene Japanerin in "Renoir" in die 1980er Jahre und rückt statt einer Seniorin eine Elfjährige ins Zentrum.


Wie schwierig die Finanzierung des Films gewesen sein dürfte, vermittelt eindringlich die schier endlos lange Liste von Koproduktionspartnern und die sich um den Globus spannende Liste an damit involvierten Ländern.


Den Titel "Renoir" wählte Hayakawa, weil sie selbst als Kind wie ihre Protagonistin von Auguste Renoirs Gemälde "La petite Irène" verzaubert war und wie diese auch eine Reproduktion davon in ihrem Zimmer aufhängte. Aber auch in der Dominanz von sanften Farben und der Erzählweise kann man eine Reverenz an den französischen Impressionisten sehen. Hayakawa entwickelt nämlich nicht stringent eine Geschichte, sondern reiht vielmehr unaufgeregt und impressionistisch Szenen aneinander, die eine Stimmung beschwören und sich zu einem zunehmend komplexeren Bild der elfjährigen Fuki (Yui Suzuki) verdichten.


Nicht nur mit der Begeisterung für "La petite Irène" hat Hayakawa dabei eigene Erfahrungen eingearbeitet. Denn wie Fuki im Film war auch die Regisseurin 1987 elf Jahre alt und auch ihr Vater erkrankte damals an Krebs.


Weil sich die Krankenhausaufenthalte von Fukis Vaters (Lily Franky) häufen und die Mutter (Hikari Ishida) durch ihren Vollzeitjob gefordert ist, ist das Mädchen zunehmend sich selbst überlassen. Für Kartentricks begeistert sie sich ebenso wie für TV-Sendungen über telepathische Fähigkeiten und beginnt so auch bald bei einer Nachbarin mit Hypnose zu experimentieren.


Fantasie und Einfallsreichtum legt die Grundschülerin aber auch bei ihren Schulaufsätzen zutage, wenn sie beispielsweise als Ermordete auf ihre eigene Beerdigung blickt und sich die Frage stellt, ob Menschen weinen, weil sie die Verstorbenen betrauern oder weil sie sich selbst leidtun. Fließend gehen nicht nur in der Visualisierung dieses Aufsatzes Realität und Einbildung ineinander über, sondern auch später, wenn Fuki beispielsweise den im Krankenhaus liegenden Vater zuhause am Essenstisch oder sich auf einer Party auf einer Luxusjacht sieht.


So pendelt "Renoir" zwischen Besuchen im Krankenhaus, in dem Fuki ein Stoffband ans Zimmer ihres Vaters hängt, um es von außen zu erkennen, Treffen mit einer Freundin und Anrufen auf einer Hotline, auf der sie die Nachrichten einsamer Menschen abhört. Ihre Neugier führt dabei auch zu einem Kontakt mit einem jungen Mann, der pädophile Züge an den Tag legt.


Wie Hayakawa aber die Krebserkrankung des Vaters nicht dramatisiert, so löst sich auch diese Begegnung in sanftem Witz und Leichtigkeit auf. Ganz auf Augenhöhe mit ihrer von Yui Suzuki mit umwerfender Natürlichkeit gespielten kleinen Protagonistin ist die 50-jährige Regisseurin, lässt sie mit ihren Streifzügen durch die Stadt und ihren kleinen Abenteuern den Schmerz über die unheilbare Erkrankung des Vaters verdrängen und dem im Grunde bedrückenden Alltag entfliehen.


Durch diesen Blick auf Fuki wird "Renoir" trotz der Themen Verlust, Trauer und Einsamkeit auch nicht zu einem deprimierenden Film, sondern zu einer ebenso leichten wie poetischen Beschwörung einer Kindheit, in der Fantasie und der Ausbruch aus der Realität eine zentrale Rolle bei der Bewältigung von Krisen spielen. - So wird auch nicht nur Fukis lange Zeit sehr kühle Beziehung zur Mutter am Ende emotionaler, sondern das Glück, das mit einem finalen Traum beschworen wird, entlässt auch die Zuschauer:innen gelöst und mit einem Glücksgefühl aus dem Kino.

 

 

Renoir

Japan / Frankreich / Singapur / Philippinen / Indonesien / Katar / USA 2025

Regie: Chie Hayakawa

mit: Yui Suzuki, Hikari Ishida, Lily Franky, Ayumu Nakajima, Yūmi Kawai, Ryōta Bandō

Länge: 120 min.



Läuft derzeit in den Schweizer Kinos, z.B. im Kinok St. Gallen.



Trailer zu "Renoir"



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