• Walter Gasperi

Raubfischer in Alaska / Piraten in Alaska


Henry Hathaway verlegt in seinem 1938 gedrehten Abenteuerfilm einen klassischen Westernplot ins Fischermilieu von Alaska. Der mit Henry Fonda und George Raft stark besetzte Schwarzweißfilm ist bei Pidax Film auf DVD erschienen.


An die Stelle der Grenzstadt im Western tritt in Henry Hathaways Abenteuerfilm ein Fischerdorf in Alaska. Staatliche Ordnung scheint es hier noch nicht zu geben, die Bewohner*innen regeln selbst das Zusammenleben. Klassische Westernfiguren sind auch die Hotelbesitzerin (Dorothy Lamour), die einst wohl eine Prostituierte war, und ebenso vor der Polizei hierher geflohen ist wie der Herausgeber der örtlichen Zeitung (John Barrymore).


Wie sie sich von ihrer zumindest halbkriminellen Existenz aber im abgelegenen Dorf zu aufrechten Bürger*innen entwickelt haben, so hat sich auch der Fischer Jim (Henry Fonda) auf die Seite des Rechts geschlagen und dem Fischdiebstahl abgeschworen. Sein Jugendfreund Tyler (George Raft) dagegen ist auf schnelles Geld aus, um den soeben gekauften Dampfschoner zu finanzieren, mit dem er auf lukrative Robbenjagd gehen will. Mit seinen Plänen hält gewissermaßen der Kapitalismus Einzug in dieser abgelegenen Region.


Um diese Pläne zu verwirklichen, schließt sich Tyler dem Russen Red Skain (Akim Tamiroff) an, der sein Geld mit der Plünderung der Netze anderer Fischer macht. Zunehmend brüchig wird so die Freundschaft zu Jim, der Position beziehen muss, als das Dorf eine Bürgerwehr gegen die Fischdiebe aufstellt.


Statt der Prärie im Western ist das Meer der Schauplatz der Konfrontationen und statt Rinderdiebstahl geht es um Fischdiebe und wie in vielen Western fehlt mit der Tochter des Zeitungsherausgebers, die mehrere Jahre im College war, auch eine Frau aus der zivilisierten Welt nicht.


Klassisches Westernmotiv ist auch, die schmale Grenze zwischen Verbrecher und gesetzestreuem Bürger. Wie im amerikanischsten aller Genres erzählt auch Hathaway davon, dass letztlich solche rauen Schurken erst den Aufbau der Zivilisation möglich machten, sich dann aber zwischen Gesetz und gesetzlosem Leben entscheiden mussten.


Zwei Seiten einer Medaille sind so Jim und Tyler, während mit Red Skain, der schon durch sein ungepflegtes Äußeres als negative Figur aufgebaut wird, das Feindbild Russland gepflegt und der Besitzanspruch der USA auf Alaska untermauert wird. Für die Entstehungszeit des Films ein ungewöhnlicher Aspekt ist dagegen, wie der Arroganz der Weißen eine Absage erteilt wird und Fondas Figur die Meinung vertritt, dass die Religion der indigenen Bevölkerung dem Christentum gleichwertig sei.


Viel Zeit lässt sich Hathaway für die Exposition, nützt sie um plastische Charaktere zu zeichnen, das Beziehungsgefüge aufzubauen und die Konfliktfelder vorzubereiten. Auch mit komödiantischen Momenten spart er dabei nicht, ehe mit den zunehmend gewalttätigeren Konfrontationen die Spannung gesteigert wird.


Auch die stimmige Schilderung des Lebens im Fischerdorf und dokumentarische Aufnahmen des von Eisbergen bestimmten Meeres evozieren eine dichte Atmosphäre, die auch durch einige unübersehbar im Studio entstandene Szenen vom Fischfang nicht grob beeinträchtigt wird. Auch das geradlinig aufgebaute, schnörkellose Drehbuch von Jules Furthman und Talbot Jennings, die starken Schwarzweißbilder von Kameramann Charles Lang und vor allem ein engagiert spielendes und bestens harmonierendes Ensemble um Henry Fonda und George Raft sorgen dafür, dass dieser Abenteuerfilm auch über 80 Jahre nach seiner Uraufführung immer noch spannende Unterhaltung bietet.


An Sprachversionen bietet die bei Pidax Film erschienene DVD die englische Original- und die deutsche Synchronfassung, aber keine Untertitel. Die Extras beschränken sich auf Trailer zu weiteren Titeln dieses Labels und einen Nachdruck des Illustrierten Film-Kuriers, der viele Fotos und eine Inhaltsangabe des Films bietet.