Rückkehr nach Ithaka
- Walter Gasperi

- 1. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Ein physisch und psychisch verwundeter Odysseus kehrt nach dem zehnjährigen Krieg um Troja und ebenso langer Irrfahrt in sein von den Freiern um seine Frau Penelope terrorisiertes Königreich Ithaka zurück. – Bei Piffl Media ist Uberto Pasolinis konzentriertes Drama, das von den großartigen Hauptdarsteller:innen Ralph Fiennes und Juliette Binoche getragen wird, auf DVD und Blu-ray erschienen.
Seit den Anfängen der Filmgeschichte inspirierte Homers Epos "Odyssee" immer wieder Filmemacher:innen. Berühmteste Ergebnisse sind wohl Mario Camerinis "Die Fahrten des Odysseus" (1954), in dem Melodram und Abenteuerfilm gemischt werden, Franco Rossis vierteilige TV-Serie "Die Odyssee" (1968) und Christopher Nolans mit Spannung erwarteter "Die Odyssee" (2026).
Immer stehen darin die spektakulären Abenteuer des mythologischen Helden wie der Kampf mit dem einäugigen Zyklopen, der Aufenthalt bei der Zauberin Zirze oder die Bedrohung durch die Sirenen im Zentrum, während die Rückkehr in die Heimat und der Sieg über die Freier, die Odysseus´ Gattin Penelope heiraten und die Herrschaft auf Ithaka übernehmen wollen, nur das Finale bilden. Gleichzeitig wird mit den Abenteuern immer spektakuläres Kino geboten und Odysseus wird als Held gefeiert, der mit seinen Listen alle Gegner besiegt.
Uberto Pasolini, dem schon mit "Still Life" ("Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit", 2013) und "Nowhere Special" (2020) zwei ebenso leise wie bewegende Filme gelangen, setzt dazu mit "Rückkehr nach Ithaka" einen konsequenten Gegenpol. Weder interessiert sich der Großneffe Luchino Viscontis für die scheinbar so heroischen Abenteuer des Odysseus noch für das Spektakel, sondern fokussiert vielmehr auf den schrecklichen Folgen des Krieges.
Ganz auf die letzten Kapitel, die Gesänge 17 bis 24, von Homers "Odyssee" konzentriert sich Pasolini und lässt seinen Film mit der Ankunft von Odysseus (Ralph Fiennes) in Ithaka beginnen. Aber kein glorreicher Held kehrt hier zurück, sondern vielmehr wird der Protagonist nach einem Schiffbruch an Land geschwemmt und muss vom Schweinehirten Eumaios wieder aufgepäppelt werden. Nicht nur alt, sondern auch zerschunden und ausgemergelt ist dieser König und Krieger.
Mehr noch als die physischen Verwundungen macht Ralph Fiennes in seinem ebenso zurückhaltenden wie intensiven Spiel die psychischen Narben erfahrbar, die der Krieg und die Irrfahrten hinterlassen haben. Er wagt nicht seinem Volk vor die Augen zu treten, weil er ohne seine Männer zurückgekehrt ist. Schuldig fühlt er sich an diesem Verlust und während die anderen ihn bitten, über die scheinbar heldenhafte Eroberung Trojas zu erzählen, erinnert er sich nur an ein brutales Gemetzel.
Aber auch in seiner Heimat Itaka hat seine Abwesenheit Spuren hinterlassen. Eine Gruppe von Freiern, die um die Hand seiner Gattin Penelope (Juliette Binoche) anhält, terrorisiert die Insel, beutet die Bevölkerung aus, plündert und vergewaltigt. Mit zunehmend massiverem Druck fordern sie auch von Penelope eine Entscheidung bezüglich ihres zukünftigen Gatten und bedrohen schließlich auch Odysseus´ Sohn Telemach (Charlie Plummer).
Ruhig, aber konzentriert entwickelt Pasolini die Handlung im Wechselspiel zwischen Odysseus, der sich als Bettler verkleidet, und der immer noch in der Burg auf seine Rückkehr wartenden Penelope. Den gewalttätigen Männern steht die Frau gegenüber, die standhaft gegenüber den Freiern bleibt und von Frieden träumt. Eindringlich vermittelt Juliette Binoche gerade durch ihr ruhiges Spiel, das stille Leiden Penelopes, ihre Sehnsucht, aber auch ihre Ablehnung gegenüber männlicher Gewalttätigkeit und Machtstreben.
Folgt der Film dabei zunächst meist getrennt Odysseus und Penelope, so zurrt Pasolini nicht nur diese beiden Erzählstränge langsam stärker zusammen, sondern verengt damit auch den Raum. Vom Wechselspiel zwischen Aktionen auf der Insel und den Ereignissen in der auf einem Berg thronenden Burg entwickelt sich der Film so zum blutigen Finale im Festsaal des Palasts.
Respektvoll adaptiert Pasolini dabei Homer, wenn Eumaios erst langsam, Odysseus´ alter Hund Argos und seine Amme Eurykleia aber sofort die wahre Identität des vermeintlichen Bettlers erkennen, Odysseus seinen Sohn zu beschützen versucht und schließlich im Festsaal der Burg grausame Rache an den Freiern nimmt. Gleichzeitig ist sein Film aber zeitlos. Denn in der zurückhaltenden Inszenierung und in der Konzentration auf die Charaktere statt aufs Spektakel entwickelt sich "Rückkehr nach Ithaka" zu einem stillen Drama, das universell von der zerstörerischen Kraft des Krieges und der Schwierigkeit der Heimkehr erzählt.
Spürbar machen Fiennes und Binoche, wie der Krieg und die lange Irrfahrt Odysseus und die lange Abwesenheit ihres Mannes Penelope verändert haben. Nicht einfach weitergehen kann das Leben nun, sondern gemeinsam müssen sie die Traumata aufarbeiten und langsam wieder zueinander finden, während ein Segelschiff, das mit Telemach übers Meer gleitet, schon wieder das Heraufdämmern neuer Abenteuer oder auch eines neuen Kriegs andeutet.
An Sprachversionen bieten die bei Piffl Medien erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie deutsche Untertitel. Die Extras beschränken sich auf Trailer zu weiteren bei diesem Label erschienenen Filmen.
Trailer zu "Rückkehr nach Ithaka"




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