top of page

Der gelbe Strom – Blood Alley (1955)

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 11 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit
"Der gelbe Strom - Blood Alley" (1955): John Wayne und Lauren Bacall in einem antikommunistischen Abenteuerfilm der 1950er Jahre
"Der gelbe Strom - Blood Alley" (1955): John Wayne und Lauren Bacall in einem antikommunistischen Abenteuerfilm der 1950er Jahre

Nach der Machtübernahme durch die von Mao Zedong angeführten Kommunisten soll ein amerikanischer Kapitän die rund 180 Einwohner:innen eines chinesischen Dorfes mittels Schiff in die britische Kronkolonie Hongkong bringen. – Bei Plaion Pictures ist William A. Wellmans für die 1950er Jahre typisch antikommunistischer Abenteuerfilm, der mit John Wayne und Lauren Bacall prominent besetzt ist, in einem Mediabook auf DVD und Blu-ray erschienen.


Wenn ein amerikanischer Film der 1950er Jahre "Der gelbe Strom" betitelt ist, darf man davon ausgehen, dass damit nicht nur ein Fluss, sondern unterschwellig auch eine Bedrohung durch China gemeint ist. Politisch unverfänglicher ist der Originaltitel "Blood Alley", der einerseits der Spitzname für die Meeresstraße zwischen China und Taiwan, andererseits für ein verrufenes Viertel in Shanghai war.


Die Vorlage für William A. Wellmans Abenteuerfilm lieferte Albert Sidney Fleischman, der während des Zweiten Weltkriegs in der US Navy in Ostasien diente und anschließend mehrere, in dieser Region spielende Abenteuerromane schrieb. Zu "Der gelbe Strom", der noch im Jahr des Erscheinens des Buchs verfilmt wurde, schrieb Fleischman auch selbst das Drehbuch.


Gedreht wurde freilich nicht in China, sondern die Außenaufnahmen des von John Waynes neu gegründeter Firma Batjac produzierten Films entstanden vor der Küste von San Francisco. Während die Schifffahrtsszenen dabei durchaus Authentizität ausstrahlen, wirken die Innenszenen mit blitzblanken Räumen und stets perfekt gekleideten Protagonist:innen studiohaft und steril. Kräftig rot leuchten zwar Lauren Bacalls Bluse und John Waynes Halstuch, doch diese Hochglanzästhetik will nicht zum Setting passen.


Seltsam wirkt auch, wie John Wayne als Kapitän Tom Wilder in der ersten Szene zwar noch in zerschlissener Kleidung in einem chinesischen Gefängnis sitzt, sich aber unmittelbar nach der Flucht schon in perfekter Uniform zeigt. Ein Fährmann bringt den Amerikaner zu einem Dorf, dessen gesamte Einwohnerschaft inklusive Schafe und Ziegen der erfahrene Kapitän auf einem alten Raddampfer in die britische Kronkolonie Hongkong bringen soll. Mit dabei ist mit Cathy (Lauren Bacall) auch die Tochter eines von den Kommunisten gefangen genommenen amerikanischen Missionsarztes.


Die Handlung ist klar vorgezeichnet: Bedrohung durch die Kommunisten, die bald das Dorf durchsuchen, dann mit einem Zerstörer den Dampfer angreifen, über Hunger bis zu einem heftigen Sturm auf der einen Seite steht auf der anderen Seite die Beziehung zwischen dem Kapitän und Cathy gegenüber. Genretypisch versteckt sich hinter deren Auseinandersetzungen im Kern selbstverständlich Liebe.


Gegensätze prallten hier auch mit der Besetzung der Hauptrollen mit Lauren Bacall und John Wayne aufeinander. Denn während Wayne, der erst ins Spiel kam, als Robert Mitchum wegen Differenzen mit Wellman entlassen wurde, politisch rechts stand, galt Bacall allgemein als linksorientiert. Doch als Profis ließen die beiden Stars diesen Gegensatz nicht spüren und harmonieren in ihren Rollen, ohne freilich die knisternde Erotik der Bacall-Bogart-Filme zu entwickeln.


Unübersehbar sind auch die Parallelen zwischen "Der gelbe Strom" und John Hustons "African Queen". Hier wie dort muss nämlich ein ungleiches Duo ein klappriges Schiff durch feindliche Linien steuern. Den Witz und die Geschlossenheit von Hustons Klassiker erreicht dieser im Cinemascope-Format gedrehte Abenteuerfilm, dessen antikommunistischer Grundton der Zeit geschuldet ist, allerdings nicht.


Dennoch inszeniert Wellman, der im Laufe seiner Karriere vom ersten Oscar-Sieger "Wings" (1927) über den Gangsterfilm "The Public Enemy" ("Der öffentliche Feind", 1931) und die Komödie "Nothing Sacred" ("Denen ist nichts heilig", 1927) bis zu "The Ox-Bow-Incident" ("Ritt zum Ox-Bow", 1943) zahlreiche Klassiker schuf, schnörkellos und sorgt mit ständig neuen Situationen und Gefahren für Abwechslung, auch wenn sich die Spannung insgesamt in Grenzen hält.


An Sprachversionen bieten die bei Plaion Pictures in einem Mediabook erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel. An Extras gibt es neben zwei siebenminütigen Promo-Spots, die mittels Interviews mit John Wayne Einblick in die Dreharbeiten bieten, eine Pathé-Wochenschau zu einer Preisverleihung und Auftritten John Waynes mit Reden zum Kampf für die Freiheit, den englischen Trailer und eine Bildergalerie sowie ein Booklet mit einem 15-seitigen Essay von Christoph N. Kellerbach, der ausführlich Einblick in die Genese des Projekts, die Besetzung und die Probleme bei deren Zusammenstellung bietet.



Trailer zu "Der gelbe Strom - Blood Alley" (1955)



Kommentare


bottom of page