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Über den Fluss und in die Wälder

  • Autorenbild: Walter Gasperi
    Walter Gasperi
  • vor 11 Minuten
  • 3 Min. Lesezeit
"Über den Fluss und in die Wälder": In Paula Ortiz´ Hemingway Verfilmung zieht sich ein herzkranker US-Offizier nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs für ein Wochenende nach Venedig zurück.
"Über den Fluss und in die Wälder": In Paula Ortiz´ Hemingway-Verfilmung zieht sich ein herzkranker US-Offizier nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs für ein Wochenende nach Venedig zurück.

Liev Schreiber brilliert in Paula Ortiz´ Verfilmung von Ernest Hemingways gleichnamigem Roman als schwer herzkranker US-Offizier, der sich kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs für ein Wochenende nach Venedig zurückzieht. – Bei Black Hill Pictures (Vertrieb: Plaion Pictures) ist das leise melancholische Drama auf DVD und Blu-ray erschienen.


Von einer persönlichen platonischen Liebesgeschichte beeinflusst, schrieb Ernest Hemingway 1950 den Roman "Über den Fluss und in die Wälder". Auch wenn der Nobelpreisträger während des Zweiten Weltkriegs auf Kuba weilte, durchziehen mit der Alkoholsucht des Protagonisten und dessen Begeisterung für die Jagd weitere, sein Werk prägende Themen dieses Buch.


Im Mittelpunkt steht der zwar erst 50-jährige, aber schwer herzkranke US-Offizier Colonel Richard Cantwell (Liev Schreiber). Nicht nur im Zweiten Weltkrieg, sondern auch schon im Ersten Weltkrieg hat er in Europa gekämpft und ist innerlich schwer gezeichnet von den Kriegserfahrungen. Zur Herzkrankheit kommt so eine schwere Lebensmüdigkeit, doch für ein Wochenende will er nochmals Venedig besuchen - angeblich um Enten zu jagen.


Gegen Cantwells Willen wird der junge Sergeant Jackson (Josh Hutcherson) mehr als Aufpasser, denn als Fahrer mitgeschickt. Momente eines Buddy-Movies entwickelt "Über den Fluss und in die Wälder" in dieser Beziehung, wenn Jackson unbedingt seinen Befehl ausführen will, Cantwell ihn aber möglichst schnell loswerden will, langsam aber doch Sympathie für seinen Begleiter entwickelt.


Vor allem begegnet der US-Offizier bei der Fahrt zur Lagunenstadt aber der jungen Renata (Matilda de Angelis), die aus einer verarmten adeligen Familie stammt und einen Mann aus reichem Haus heiraten soll. Offen bleibt, was diese Frau an Cantwell fasziniert: Ist er für sie ein Ersatz für den im Krieg verstorbenen, geliebten Vater?


Jedenfalls sucht sie den Kontakt mit dem Amerikaner und streift mit ihm eine Nacht lang durch die Stadt, zeigt ihm die schönsten Plätze und versucht mit ihrer Lebensfreude auch in ihm wieder den Lebenswillen zu wecken. Mit diesen Treffen zieht sich Cantwell aber auch die Wut von Renatas Verlobtem auf sich, der Schläger auf ihn ansetzt, die in ihren schwarzen Ledermänteln Erinnerungen an den Faschismus wecken.


Langsam wird aber auch klar, dass die Entenjagd nur ein Vorwand für diese Venedig-Reise war und Cantwell in Wahrheit von Kriegstraumata verfolgt wird, die er vor seinem Tod noch aufarbeiten möchte.


Ruhig, aber sehr stimmungsvoll und rund erzählt Paula Ortiz. Nie werden in den von gedeckten Farben dominierten, großartigen Bildern von Kameramann Javier Aguirresarobe die Sehenswürdigkeiten der Lagunenstadt ausgestellt, sondern immer steht das menschliche Drama im Zentrum. Gleichzeitig spiegelt die Morbidität Venedigs aber unaufdringlich den Gefühlszustand Cantwells.


Nicht nur alt und jung und Lebensmüdigkeit und Lebensfreude lässt Ortiz dabei mit den beiden Protagonist:innen aufeinandertreffen, sondern auch die Unterschiede zwischen den USA und Italien. Bewegend verkörpert Liev Schreiber mit seinem ebenso zurückhaltenden wie feinfühligen Spiel den vom Krieg schwer gezeichneten Amerikaner. Seine Verzweiflung wird aber erst durch Renatas Optimismus als Gegenpol in seiner ganzen Tiefe spürbar.


Mag es der jungen Frau auch gelingen seinen Gemütszustand etwas aufzuheitern, so ist das Ende doch vorgezeichnet. Dennoch hält Ortiz mit einem Geheimnis, das Cantwell sichtlich belastet und das erst gegen Ende mit kurzen, aber erschütternden Rückblenden gelüftet wird, in diesem bittersüßen Drama über Schuld, das Leben und den Umgang mit dem eigenen Tod die Spannung hoch.


An Sprachversionen bieten die bei Black Hill Pictures (Vertrieb: Plaion Pictures) erschienene DVD und Blu-ray die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie englische und deutsche Untertitel. Während dabei die Originalfassung im Kontakt mit der venezianischen Bevölkerung zweisprachig englisch und italienisch gehalten ist, ist die Synchronfassung durchgängig eingedeutscht, wodurch die atmosphärische Dichte und Stimmigkeit stark beeinträchtigt wird. Die Extras beschränken sich auf den Trailer zum Film.



Trailer zu "Über den Fluss und in die Wälder"


 

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