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Pressure

Autorenbild: Walter Gasperi
Walter Gasperi
vor 3 Minuten
3 Min. Lesezeit
"Pressure": Packendes Kammerspiel um die Wetterprognose für die Invasion in der Normandie im Juni 1944
"Pressure": Packendes Kammerspiel um die Wetterprognose für die Invasion in der Normandie im Juni 1944

Die Vorgeschichte zur Landung in der Normandie im Juni 1944 aus ungewöhnlicher Perspektive: Ein britischer Meteorologe soll eine Wetterprognose für den geplanten Termin erstellen. – Kein Kriegsfilm, sondern ein packendes Kammerspiel, in dem nicht nur der Meteorologe James Stagg, sondern auch Dwight D. Eisenhower als Oberbefehlshaber der alliierten Landungstruppen unter enormem Druck steht.


Mächtige Wolkenformationen türmen sich am Himmel, während ein sterbender junger Soldat im blutroten Wasser am Strand liegt: Der Exercise Tiger genannte Test für die Invasion in der Normandie war ein Fiasko, das im April 1944 rund 700 unerfahrene Soldaten das Leben kostete.


Beim für Montag, den 5. Juni desselben Jahres geplanten Ernstfall, bei dem mehrere 100.000 Soldaten zum Einsatz kamen, musste aber alles klappen - auch das Wetter spielte dabei eine große Rolle. So holte Dwight D. Eisenhower (Brendan Fraser) auf Empfehlung Winston Churchills mit James Stagg (Andrew Scott) den besten britischen Meteorologen ins Southwick House, dem Hauptquartier der alliierten Seestreitkräfte.


Während freilich Stagg in der Realität schon seit November 1943 führender Meteorologe der Alliierten war, wird er im Film aus dramaturgischen Gründen erst 72 Stunden vor der geplanten Invasion hinzugezogen. Zugespitzt wird auch seine persönliche Situation, wenn er seine hochschwangere Frau verlassen muss und kontraproduktiv überzogen wird diese Ebene, wenn er später mitten während einer heftigen Diskussion mit Eisenhower per Telefon informiert wird, dass das Krankenhaus, in das seine Frau gebracht wurde, - ebenfalls eine fiktionale Zuspitzung - bombardiert wurde und ihr Schicksal unklar ist.


Doch diese dramaturgischen Erfindungen beeinträchtigen die Wirkung von Anthony Maras´ Verfilmung von David Haigs 2014 uraufgeführtem, gleichnamigem Theaterstück nicht wesentlich. Einerseits merkt man dem von Brauntönen dominierten Kammerspiel im schnellen Wechsel zwischen dem Arbeitszimmer von Staff und seinem Team sowie dem Sitzungsraum der hohen Militärs die Herkunft von der Bühne nicht an, andererseits baut der Australier Maras mit unterschiedlichen Konfliktfeldern und straffer Inszenierung eine Spannung auf, die den Druck, unter dem die Protagonisten stehen, fast physisch spürbar macht.


Da treffen nämlich nicht nur der stets stoische und humorlose Schotte Stagg und der zu Wutausbrüchen neigende Eisenhower aufeinander, sondern auch unter den Meteorologen herrscht eine heftige Rivalität zwischen Stagg und dem prahlerischen Amerikaner Irving P. Kirck (Chris Messina). Während Kirck sich auf seine stets richtigen Wetterprognosen während Eisenhowers Nordafrika-Feldzug beruft und mit historischen Wetterkarten für die Normandie argumentiert, weist Stagg auf das launische Wetter in Nordeuropa hin und setzt auf aktuelle Wetterdaten des gesamten Nordatlantiks.


Wie Stagg so unter Druck steht, steht aber auch Eisenhower unter Druck, denn mit jeder Verschiebung der Landung in der Normandie wächst die Gefahr, dass Nazi-Deutschland Wind von dem Plan bekommt und die Verteidigungslinien verstärkt. Beeindruckend ist, wie entschlossen und bestimmt der Brite dennoch gegenüber den versammelten hohen Militärs seine Position vertritt, auch wenn er zugeben muss, dass es bei Wetterprognosen nie eine 100%ige Sicherheit geben kann.


So konventionell "Pressure" auch inszeniert ist, so fesselnd ist es doch diesem verbalen Schlagabtausch zu folgen. Zu verdanken ist das auch einer bis in die Nebenrollen exzellenten Besetzung, aus der aber Brendan Fraser als Eisenhower und Andrew Scott als James Stagg herausragen. Fiktional ausgeweitet wurde dabei – wohl um auch einer Frau in diesen Männerfilm Gewicht zu geben – die Rolle von Eisenhowers Sekretärin Kay Summersby (Kerr Condon). Deren Beziehung zu den beiden Männern, zwischen denen sie das vermittelnde Bindeglied ist, ist im Film wohl vertrauter und persönlicher als in der Realität.


Obwohl der Ausgang von Anfang an bekannt ist, sorgen aber nicht nur die Diskussionen für Spannung, sondern auch die Wendungen, die das Wetter und damit auch die Handlung gegen Ende nimmt. Nicht nötig wäre es vielleicht gewesen dabei auch Southwick House zu verlassen und in einer Mischung aus Archivmaterial und inszenierten Szenen einen Eindruck von der Invasion zu vermitteln. Andererseits machen aber gerade diese Szenen bewusst, wie grausam zahlreiche Soldaten im deutschen Maschinengewehrfeuer niedergemetzelt wurden und welchen Blutzoll diese Militäraktion trotz der perfekten Wettervorhersage kostete.

 


Pressure

Großbritannien / Frankreich 2026

Regie: Anthony Maras

mit: Andrew Scott, Brendan Fraser, Kerry Condon, Chris Messina, Damian Lewis, Daniel Quinn, Henry Ashton

Länge: 100 min.



Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Cineplexx Hohenems.



Trailer zu "Pressure"



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