Coyote vs. ACME


Die Zeichentrick-Figur Wile E. Coyote klagt den Konzern ACME, weil dessen Produkte ihm bei der Verfolgung seines Gegners Roadrunner nicht halfen, sondern nur Leid zufügten: Hinreißender Hybrid aus Animations- und Realfilm, der mit Einfallsreichtum und Detailfreude die Figuren der legendären Trickfilmreihe Looney Tunes (1930 – 1969) in Erinnerung ruft und die klassische Geschichte vom Kampf eines Underdogs gegen einen übermächtigen Gegner erzählt.
Fast wäre diese hinreißende Produktion nie in die Kinos kommen. Schon 2023 fertiggestellt, wollte Warner Bros. "Coyote vs. ACME" zunächst als steuerlichen Abschreibposten in der Schublade verschwinden lassen, bot ihn aber nach Protesten von Fans und Filmschaffenden doch diversen Verleihern an. Als die Verhandlungen aber an den Forderungen Warners scheiterten, erwog das Unternehmen erneut den Film steuerlich abzuschreiben, ehe Ketchup Entertainment 2025 um 50 Millionen Dollar die Rechte kaufte, um ihn 2026 weltweit in die Kinos zu bringen.
So spiegelt sich in dieser langwierigen Verwertungsgeschichte teilweise die Filmhandlung, geht es doch auch hier um die unsauberen Praktiken eines scheinbar allmächtigen Konzerns. Auch der Vorspann spielt schon witzig mit der Realität, wenn Warner Bros. als Tochtergesellschaft des fiktiven ACME-Konzerns – ein Backronym für "A Company that Manufactures/Makes Everything" – präsentiert wird und das Insert "basierend auf wahren Ereignissen" ironisch mit der Flut an True Stories spielt.
Wie vor fast 40 Jahren Robert Zemeckis in "Who Framed Roger Rabbit" ("Falsches Spiel mit Roger Rabbit", 1988) mischt auch Dave Green spielerisch leicht Animationsszenen und Realfilm, um die legendäre Trickfilmserie Looney Tunes zu feiern. In dieser Reihe entstanden zwischen 1930 und 1969 über 1000 jeweils siebenminütige Kurzfilme um so ikonische Figuren wie Schweinchen Dick (1935), Daffy Duck (1937), Bugs Bunny (1940), Tweety (1942) sowie Roadrunner und Wile E. Coyote (1949).
Im Mittelpunkt von "Coyote vs. ACME" steht Wile E. Coyote, der mit immer wieder neuen Produkten des Konzerns ACME versucht, den flugunfähigen, aber pfeilschnellen Vogel Roadrunner zu fassen. Er scheitert dabei aber nicht nur immer wieder, sondern erleidet durch die hochexplosiven Stoffe auch schweres Leid, wird in die Luft gesprengt, von einem Truck überfahren, von einem Felsen zerdrückt oder verkohlt, gibt aber dennoch nie auf.
Ein Fernsehspot bringt den Steppenwolf aber auf die Idee, den Konzern wegen Fehlerhaftigkeit seiner Produkte zu verklagen. Doch Anwalt Kevin Avery (John Cena) ist das komplette Gegenteil von Coyote. Im Gegensatz zu dessen unermüdlichem Bemühen hat dieser Jurist längst aufgegeben, schließt lieber faule Vergleiche ab, als sich auf einen Prozess einzulassen.
Doch Wile E. Coyote steigt darauf nicht ein, sodass sich ein klassischer Gerichtsfilm und Thriller entwickelt, müssen doch die dunklen Machenschaften des Konzerns aufgedeckt werden. Gleichzeitig werden die ernsten Genres durch die Cartoonfiguren immer wieder mit spielerischer Leichtigkeit ins Komödiantische gekippt.
Begeisternd ist hier nicht nur, wie fließend Animations- und Realfilm gemischt werden, sondern auch das hohe Erzähltempo und der übersprühende Einfallsreichtum. Liebevoll wird beispielsweise mit dem Namen der Anwaltskanzlei "Avery, Jones & Maltese" den Looney-Tunes-Regisseuren Tex Avery, Chuck Jones sowie dem Drehbuchautor Michael Maltese die Reverenz erwiesen. Dazu kommt als Looney Tunes-Figur der verschwundene ACME-Professor Peter Lorre, der auch physiognomisch Erinnerungen an den großen deutschen Schauspieler ("M", "Casablanca", "The Maltese Falcon") weckt.
Doch auch abseits dieser filmgeschichtlichen Spielereien begeistert "Coyote vs. ACME", der lose auf dem 1990 im New Yorker erschienenen gleichnamigen satirischen Artikel von Ian Frazier beruht, mit seinem Detailreichtum. Ein animierter Klingelknopf sorgt hier ebenso für Witz wie die zahlreichen, teils hochexplosiven Produkte von ACME oder immer wieder überraschende Verfolgungsjagden. Aber auch die kurzen Auftritte weiterer Looney Tunes-Figuren von Schweinchen Dick über Tweety und den aufgeblasenen Gockel Foghorn Leghorn als CEO des Konzerns bis zu Bugs Bunny als geheimnisvollem Informanten von Coyotes Anwalt bereiten Vergnügen.
Bissig rechnet Green aber auch mit den Praktiken von Konzernen ab, ruft im Kampf des Underdogs Erinnerungen an James Stewarts Auftreten in Frank Capras "Mr. Smith Goes to Washington" (1939) in Erinnerung und schafft mit seinem warmherzigen Blick auf die leidgeprüften Trick- und Realfiguren auch bewegende Momente.
Ganz im Gegensatz zu klassischen amerikanischen Erfolgsgeschichten wird hier auch nicht ein großer Sieg und ein Aufstieg gefeiert, sondern vielmehr auf mehreren Ebenen das Scheitern und das unermüdliche, aber doch nie erfolgreiche Streben als Essenz des Lebens.
Während Wile E. Coyote zwar immer wieder knapp dran sein mag Roadrunner zu fassen, der Vogel ihm dann aber doch wieder entwischt, muss der antriebslose Anwalt Avery erst wieder lernen diesen Kampfgeist zu entwickeln und mit dem geheimen Sisyphus-Projekt von ACME wird diese Lebensphilosophie vom endlosen Bemühen auch noch in den passenden mythologischen Kontext gestellt.
Coyote vs. ACME
USA 2026
Regie: Dave Green
mit: John Cena, Will Forte, Lana Condor, Tone Bell, Martha Kelly, Luis Guzmán
Länge: 101 min.
Läuft derzeit in den deutschen und österreichischen Kinos, z.B. im Kino GUK in Feldkirch und im Cineplexx Hohenems.
Trailer zu "Coyote vs. ACME"




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