Power Ballad - Der Song meines Lebens
- Walter Gasperi
- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit

Ein ehemaliger Boyband-Musiker landet mit dem Song eines alternden Hochzeitsband-Sängers einen Hit: John Carney lässt in seinem schwungvollen Feelgood-Movie persönliche Leidenschaft und Musikindustrie aufeinandertreffen und wirft auch Fragen des Urheberrechts auf.
Der Ire John Carney ist nicht nur Filmemacher, sondern auch Musiker. Nicht verwunderlich ist es so, dass sich die Kraft der Musik als großes Thema durch seine Filme zieht. Erzählte er in seinem Debüt "Once" (2007) von einem Dubliner Straßenmusiker, der sich in eine tschechische Immigrantin verliebt, so standen in "Can a Song Save Your Life?" (2013) ein einst erfolgreicher New Yorker Musikproduzent und eine junge britische Singer-Songwriterin im Mittelpunkt und in "Sing Street" (2016) ging es um ein Coming-of-Age mit einer Teenagerband im Dublin der 1980er Jahre.
Diese Leidenschaft zur Musik durchzieht auch schon die ersten Szenen von "Power Ballad", in denen Rick Power (Paul Rudd) als Frontman einer Hochzeitsband die Festgesellschaft mit klassischen Hits begeistert. Wenn er einer seiner eigenen Songs einstreut, verfliegt die ausgelassene Stimmung aber rasch und die Tanzfläche leert sich.
Immer noch hängt der gebürtige Amerikaner aber dem Traum von einer Musikerkarriere nach, den er vor 15 Jahren während einer Tournee hinter sich ließ, als er sich in Irland verliebte und Familie über Karriere stellte. Als er bei einem Hochzeitsauftritt dem 20 Jahre jüngeren, ehemaligen Boyband-Musiker Danny (Nick Jonas) begegnet, verstehen sich die beiden Musiker auf Anhieb blendend und feilen in einer alkoholreichen Nacht gemeinsam an den Songs des jeweils anderen.
Monate später muss Rick aber feststellen, dass Danny mit einem seiner Songs einen Welthit gelandet hat, muss aber seine Urheberschaft beweisen, um einen Credit als Co-Writer und einen finanziellen Anteil zu erkämpfen.
Mit einer mobilen Kamera (Yaren Orbach) und schnellem Schnitt (Stephen O´Connell) erzeugt Carney in den Hochzeitsszenen viel Schwung, dazu kommt aber auch ein Gespür für markante Figuren. Ein starkes Quintett schafft er so mit der Hochzeitsband, dem mit Ricks Frau (Marcella Plunkett) und Teenager-Tochter (Beth Fallon) die private Ebene gegenübersteht.
Ins Zentrum rückt aber bald die Konfrontation zwischen Rick und Danny, mit der auch einfaches irisches Milieu und Luxusleben eines US-Stars sowie persönliche Musik und synthetische Musikindustrie aufeinandertreffen. Der häufige Wechsel zwischen Irland und den USA mag den Erzählfluss dabei etwas zerhacken, aber das spürbare Engagement von Carney und die große Spielfreude vor allem von Paul Rudd halten "Power Ballad" locker am Laufen.
Da wirkt eben nichts retortenhaft, sondern durch Carneys Blick für Details entwickeln Milieu und Figuren Echtheit. Hinreißend ist es zuzusehen, wie Paul Rudd als Loser Nick sich immer mehr in seine Bemühungen hinsteigert, seine Urheberrechte zu beweisen und durchzusetzen. Markant stellt Carney diesem Underdog Dannys Produzenten gegenüber, der alle Anfragen abschmettert, während Danny selbst doch langsam Gewissensbisse entwickelt.
Immer bewahrt diese Musikkomödie dabei Leichtigkeit, verliert aber nie die ernsten Themen des Business aus den Augen. Denn da geht es nicht nur um die Frage des Urheberrechts, sondern zur Diskussion gestellt wird auch, was letztlich aus einem Songtext durch entsprechende Produktion erst einen Hit macht und wie viel Anteil daran der ursprüngliche Songwriter hat.
Gleichzeitig relativiert Carney im Finale seines durch und durch sympathischen Feelgood-Movies solche rechtlichen Fragen aber wieder und stellt – wie in seinem bisherigen Werk – die Musik an sich ins Zentrum, bei der für jeden ein Song je nach persönlicher Situation etwas ganz anderes bedeuten kann.
Power Ballad – Der Song meines Lebens
Irland / USA 2026
Regie: John Carney
mit: Paul Rudd, Nick Jonas, Peter McDonald, Marcella Plunkett, Beth Fallon, Jack Reynor, Havana Rose Liu, Rory Keenan
Länge: 99 min.
Läuft derzeit in den deutschen und österreichischen Kinos, z.B. im Cineplexx Hohenems.
Trailer zu "Power Ballad - Der Song meines Lebens"
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