• Walter Gasperi

Otto Neururer - Hoffnungsvolle Finsternis


Hermann Weiskopf versucht nicht nur das Leben des Tiroler Priesters Otto Neururer, der von den Nazis ermordet wurde, nachzuzeichnen, sondern auch dessen Bedeutung für die Gegenwart bewusst zu machen. – Ein ehrenwertes Vorhaben, doch das Ergebnis befriedigt nicht.


Der 1882 in Igls bei Innsbruck geborene Otto Neururer war in den 1930er Jahren Priester in Götzens. Weil er auch nach dem Anschluss Österreichs das nationalsozialistische Regime heftig kritisierte, wurde er im Dezember 1938 verhaftet, zuerst in Innsbruck gefangen gehalten, dann im März 1939 ins KZ Dachau und schließlich im September 1939 ins KZ Buchenwald verlegt. Als bekannt wurde, dass er auch dort verbotenerweise heimlich seelsorgerisch tätig ist, wurde er kopfüber an den Füßen aufgehängt und starb am 30. Mai 1940 nach 36 qualvollen Stunden. 1996 wurde Otto Neururer von Papst Johannes Paul II. als Märtyrer selig gesprochen.


An den Terror des NS-Regimes, aber auch an einen Mann, der unverbrüchlich an seinem Glauben und am Humanismus bis zum Tod festhielt, zu erinnern, ist zweifellos eine wichtige und lobenswerte Aufgabe, doch muss das Thema auch künstlerisch bewältigt werden. Dass dies gelungen ist, garantiert auch nicht unbedingt der Hinweis auf mehrere Preise, die „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis" bei diversen Festivals erhielt, denn angesichts der Fülle solcher Veranstaltungen kann inzwischen fast jeder Film gewisse Auszeichnungen vorweisen.


Komplex hat Hermann Weiskopf seinen Film angelegt. Er will nicht nur das Leben Neururers nachzeichnen, sondern gleichzeitig auch seine Bedeutung für die Gegenwart bewusst machen. Der didaktische Gestus ist dabei dieser Produktion von Anfang an eingeschrieben.


Auf der Gegenwartsebene wird von einem alternden Hühnerzüchter (Heinz Fitz), Sohn eines SS-Offiziers, erzählt, der sich mit seinen Glaubenszweifeln an einen Priester (Ottfried Fischer) wendet, der aufgrund seiner Parkinson-Erkrankung im Rollstuhl sitzt. Der Priester, der selbst auch mit seinem Glauben hadert, empfiehlt dem Hühnerzüchter sich mit dem Märtyrer Otto Neururer zu beschäftigen.


So macht sich das Duo mit der punkig-aggressiven jungen Sofia (Jasmin Mairhofer), die beim Hühnerzüchter wegen einer Straftat Sozialstunden verrichten muss, auf eine Reise zu den Wirkungsstätten Neururers. – Vorhersehbar ist, dass diese Reise für alle drei heilende Wirkung haben wird.


Eingeschnitten in diese Reise sind einerseits schwarzweiße Fotos von Otto Neururer, zu der ein Off-Kommentar Informationen zu dessen Leben liefert, sowie Spielszenen, die anhand konkreter Situationen Einblick in Neururers tiefen Glauben und entschlossen humanistische Haltung bieten sollen.


Da stört nicht nur die beinahe durchgängige Musiksauce, die dem Film unterlegt ist, sondern durch den permanenten Szenenwechsel kommt auch nie ein echter Erzählfluss auf. Auch gelingt es Weiskopf nicht die verschiedenen Ebenen überzeugend zu verschränken, sondern kann sie bestenfalls notdürftig verbinden.


Kein Raum lässt die bruchstückhafte Erzählweise auch für das Aufkommen von Atmosphäre, keine Figur gewinnt echtes Profil und Tiefe, sondern bleibt im holzschnittartigen Stil des Films einzig Funktionsträger. Hier scheint es nämlich nicht um eine stimmige filmische Erzählung zu gehen, sondern jede Szene und jede Figur zielen auf Belehrung ab.


Das gilt für das Road-Movie in der Gegenwart ebenso wie für die Aufarbeitung von Neururers Leben, dessen Haltung eine flammende Predigt über die Gleichheit aller Menschen, ein Gespräch mit seiner Haushälterin und einer jungen Frau, die er von der Heirat mit einem NS-Bonzen abbringt ebenso vermitteln sollen, wie drastische Folterszenen den Terror des Regimes.


Praktisch nicht entwickelt wird auch die Wandlung des Trios in der Gegenwartsebene: Ein kurzer Einblick ins Leben und Leiden Neururers – und schon ist man ein neuer Mensch, kann wieder glauben oder wird von der Null-Bock-Punkerin, die mit dem „alten Nazi-Scheiss“ nichts zu tun haben will, zur offen auf die anderen zugehenden jungen Frau, die die Bedeutung der Beschäftigung mit der Geschichte und im speziellen mit der NS-Zeit erkennt und daraus Lehren zieht.


So einfach geht es nicht nur im Leben, sondern auch in einem guten Film nicht. Das wichtige Thema und dessen Relevanz für die Gegenwart rechtfertigen das künstlerische Scheitern dabei nicht, sondern machen es noch bedauerlicher, denn gerade ein großes Thema verlangt auch einen überzeugenden Film. Erschütternd ist zwar, was hier erzählt wird, doch der Dilettantismus, mit dem davon erzählt wird, löst vor allem Fremdschämen aus.


Das Filmteam begleitet die Vorführungen bei einer Vorarlberg-Tour Cinema Dornbirn: Di 7.1., 19.30 Uhr + weitere Vorstellungen an den folgenden Tagen Kinothek Lustenau: Mi 8.1., 19.30 Uhr

Kino Bludenz: Do 9.1., 19.30 Uhr Kino Rio, Feldkirch: Fr 10.1., 19.30 Uhr

Cineplexx Lauterach: So 12.1., 17.30 Uhr


Trailer zu "Otto Neururer - Hoffnungsvolle Finsternis"