Obsession – Du sollst mich lieben
- Walter Gasperi

- vor 6 Minuten
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Der Traum von der Traumfrau entwickelt sich für einen introvertierten jungen Mann zum Alptraum, als er sich die Liebe seines Schwarms mit Hilfe eines Wunschzweigs verschafft: Atmosphärisch dichter, intensiv gespielter und mit schwarzem Humor durchsetzter, satirischer Beziehungshorror.
Ein – oder auch drei – freie Wünsche sind ein beliebtes Motiv in Mythos und Märchen. Doch der Wunsch von König Midas, mit einer Berührung alles in Gold verwandeln zu können, entpuppt sich rasch ebenso als Fluch, wie die drei Wünsche im Grimmschen Märchen "Vom Fischer und seiner Frau".
Im zweiten langen Spielfilm des Social-Media-Comedian Curry Barker kauft sich der junge Angestellte Bear (Michael Johnston) einen solchen freien Wunsch in einem Esoterikladen mit dem Wunschzweig "One Wish Willow". Eigentlich möchte er diesen ja seiner Arbeitskollegin Nikki (Inde Navarrette) schenken, für die er schwärmt, die er aber aufgrund seiner Schüchternheit nicht anzusprechen wagt.
Doch dann behält er das Objekt selbst, bricht den Zweig und wünscht sich, dass Nikki ihn mehr liebt als alles andere auf der Welt. Prompt geht der Wunsch in Erfüllung, doch Nikki ist nicht mehr sie selbst, sondern changiert zwischen ihrer eigenen Persönlichkeit und einer Besessenheit.
In dieser Besessenheit kann man auch eine Variation von William Friedkins Horrorklassiker "The Exorzist" sehen. Denn Nikki ist zwar nicht vom Teufel besessen, legt aber in diesem Zustand ähnlich gewalttätige und zudem auch besitzergreifende Charakterzüge an den Tag.
Minimalistisch ist "Obsession" dabei in der weitgehenden Konzentration auf das Duo sowie ihre beiden Arbeitskolleg:innen und Freund:innen Ian (Cooper Tomlinson) und Sarah (Megan Lawless). Auch von den Schauplätzen her kommt Barker großteils mit Bears und Ians Wohnung sowie ihrem Arbeitsplatz in einem Musikgeschäft einem Diner und einem Pub aus.
So beliefen sich die Produktionskosten dieses neben Kane Parsons "Backrooms" zweitem großem US-Sensationserfolgs dieses Frühlings auch nur auf 750.000 US-Dollar. Das Einspielergebnis an den Kinokassen liegt dagegen derzeit bei über 300 Millionen US-Dollar. Steht hinter "Backrooms" als Produktionsfirma das Independent-Studio A24 ist es bei "Obsession" das auf Horror spezialisierte Blumhouse-Studio.
Lange verzichtet der 26-jährige Regisseur auf Gewaltexzesse, sondern beschränkt sich auf das Psychoduell zwischen den beiden Protagonist:innen. Bears Freude über die neue Beziehung weicht dabei rasch Verstörung über das unberechenbare Verhalten Nikkis. Für eindrückliche Schockmomente sorgt dabei immer wieder ein starkes Sounddesign, das die Ausraster Nikkis großartig verstärkt, während die oft grün- und gelbstichigen und in dunkle Farben getauchten Bilder von Kameramann Taylor Clemons eine ebenso dichte wie unbehagliche Atmosphäre evozieren.
Dazu kommt Barkers konzentrierte und von schwarzem Humor durchzogene Inszenierung. Immer wieder mischt sich so in den Schrecken ein Lachen, das einem sogleich wieder im Hals stecken bleibt. Aber auch das intensive und bestens harmonierende Spiel der vier Hauptdarsteller:innen trägt diesen fiesen kleinen Horrorfilm. Großartig ist so Michael Johnston als zwischen romantischer Liebe und zunehmender Verstörung zerrissener Bear, während Inde Navarrette mit Verve Nikki als zunehmend durchgeknallte junge Frau spielt, in der noch immer wieder kurz ihre sympathische reale Persönlichkeit aufblitzt.
Nach langer Exposition, in der sich eine romantische Liebesgeschichte anzubahnen scheint, schraubt Barker gekonnt an der Eskalationsschraube und treibt das verstörende Verhalten Nikkis zunehmend ins Extrem. Da erzählt "Obsession" anhand dieser toxischen Beziehung auch eindringlich von männlicher Unfähigkeit die Gefühle auszudrücken und mit der Wunscherfüllung von der Übergriffigkeit, um doch den Schwarm für sich zu gewinnen. Verpackt in eine Horrorgeschichte deckt Barker so plastisch und drastisch die verheerenden Auswirkungen von Manipulation und Besessenheit auf eine Beziehung auf, und plädiert im Kern für die Freiheit des Individuums.
Lustvoll spielt er dabei auch mehrfach mit dem Kontrast von Romantik und Entsetzen, wenn es bei zunächst romantischen Szenen nur eine Frage der Zeit ist, bis diese in blutigen Horror kippen. Souverän wird so das alte Mythen- und Märchenmotiv in unsere heutige Welt transponiert und dessen zerstörerischen Folgen aufgedeckt, aber auch dem zwanghaften Festhalten an Wünschen und Träumen wird eine Lebenshaltung gegenübergestellt, bei der man die Dinge einfach auf sich zukommen lässt – und vielleicht gerade dadurch das Glück finden könnte, würde sich nicht die besessene Geliebte massiv dagegenstellen.
Obsession – Du sollst mich lieben
USA 2025
Regie: Curry Barker
mit: Michael Johnston, Inde Navarrette, Cooper Tomlinson, Megan Lawless, Andy Richter, Haley Fitzgerald
Länge: 109 min.
Läuft derzeit in den Kinos, z.B. im Cineplexx Hohenems.
Trailer zu "Obsession - Du sollst mich lieben".




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