• Walter Gasperi

Narziss und Goldmund


Anhand der Geschichte zweier ungleicher Freunde erzählt Hermann Hesse in seiner 1930 erschienenen Erzählung vom Gegensatz von vita contemplativa und vita activa. Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky hat die im Mittelalter spielende Vorlage als opulenten, aber auch sehr kitschigen Bilderbogen verfilmt, in dem äußere Handlung wichtiger als Tiefgang ist.


Erstaunlich ist es, dass die Bücher des Nobelpreisträgers Hermann Hesse nur selten für die Leinwand adaptiert wurden, bietet sich doch gerade „Narziss und Goldmund“ mit starken Figuren und bewegter Handlung dafür an. Rund fünf Jahre hat nun Stefan Ruzowitzky, der vor zwölf Jahren für das KZ-Drama „Die Fälscher“ mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, in die Produktion dieses Filmes investiert, dennoch wird nie spürbar, was den gebürtigen Wiener an der Vorlage wirklich inszeniert hat.


Für einen Film, in dem es um gegensätzliche Lebensentwürfe geht und die äußere Handlung letztlich dazu dient, um von Innerem zu erzählen, ist das ein entscheidendes Problem, denn das Bohrende der Suche der beiden Protagonisten wird so nie spürbar und zurück bleibt ein opulenter, aber oberflächlicher Bilderbogen.


Der Aufwand, der für diese Produktion betrieben wurde, ist nicht zu übersehen. Bekannte Schauspieler wie Sunnyi Melles, Georg Friedrich, Johannes Krisch oder Uwe Ochsenknecht sind in Nebenrollen zu sehen, Kloster und mittelalterliche Städte sind im Grunde starke Schauplätze, doch echtes Leben und dichte Atmosphäre entwickelt dieser „Narziss und Goldmund“ kaum.


Großes Potential bietet der Gegensatz von Narziss, der ganz für Gott leben will, und Goldmund, der als Kind von seinem Vater im Kloster abgegeben wird, sich aber bald mehr zum weltlichen Leben und den Frauen hingezogen fühlt, doch wenig holt Ruzowitzky letztlich aus dieser Konstellation heraus.


Nach kurzem Blick auf die Kindheit und Jugend der beiden Protagonisten im Kloster wird die Geschichte Goldmunds (Jannis Niewöhner) rückblickend erzählt, nachdem Narziss (Sabin Tambrea) seinen Freund 15 Jahre später aus dem Gefängnis gerettet hat. Reichlich platt werden dabei die unterschiedlichen Lebenswürfe einander gegenübergestellt, wenn eine Selbstgeißelung von Narziss, dessen homoerotischen Gefühle für Goldmund deutlich herausgestrichen werden, mittels Parallelmontage von einer Sexszene seines Freundes mit einer Frau kontrastiert wird.


Nicht nur hier wird spürbar, dass Ruzowitzky („Anatomie“, „Die Hölle“) ein Mann des Genrekinos und des kräftigen Strichs ist, sondern auch in der Schilderung der Abenteuer Goldmunds, der sich bald als Schreiber versucht, bald Bildhauerei studiert, vor allem aber immer wieder mit Frauen im Bett landet.


Pralle Mittelalter-Szenen, in denen dem Lebensgenuss der Tod durch die Pest gegenübersteht, zeichnet Ruzowitzky zusammen mit Kameramann Benedict Neuenfels und Production Designer Sebastian Soukop, aber der Kitsch und das Klischee trieft in diesen Bildern von blühenden Mohn-Wiesen, verschneiter Landschaft, hübschen jungen Frauen, die alle Goldmund begehren, bis zu einem Gefängniswärter, der dem „Glöckner von Notre Dame“ entsprungen zu sein scheint, eben auch. Und über allem liegt eine schwer erträgliche Musiksauce.


Redlich bemühen sich die beiden Hauptdarsteller Jannis Niewöhner und Sabin Tambrea, können ihren Figuren aber kaum packende Ambivalenz und Vielschichtigkeit verleihen, sondern werden vielmehr durch Äußerlichkeiten auf Typen reduziert. Da charakterisieren auf der einen Seite Kutte, Tonsur und Introvertiert Narziss als den vergeistigten Asketen und auf der anderen blondes Haar und kräftiger Körper, der freilich im Laufe des leidenschaftlichen Lebens auch zunehmend malträtiert wird, Goldmund als Sinnenmensch, der (Liebes)Glück und Leid erlebt


Was man hier nicht spürt ist Inspiration und Leidenschaft. Der Wunsch Goldmunds beim Bildhauer in einem Holzscheit dessen Seele zu finden und die passende Figur heraus zu schnitzen, steht geradezu in diametralem Gegensatz zu diesem Film, der nicht nur ganz der allzu schönen Oberfläche verhaftet bleibt, sondern auch ohne Verdichtung einzelner Momente dahinplätschert und schließlich ohne Nachhall verpufft.


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Trailer zu "Narziss und Goldmund"