• Walter Gasperi

Mit stahlharter Faust – Man Without a Star

Aktualisiert: März 31


Ein Cowboy gerät in den Konflikt zwischen einer Großrancherin, die nur auf Profit aus ist, und kleinen Rinderzüchtern, die durch die Expansion der Ranch in ihrer Existenz bedroht sind. - King Vidors 1955 gedrehter Western, der bei Explosive Media (Vertrieb: Koch Films) auf Blu-ray und DVD neu aufgelegt wurde, ist nicht nur ein schnörkellos inszeniertes und ambivalentes Kinostück, sondern besitzt auch durchaus aktuelle Bezüge.


In einem Güterwaggon ist Cowboy Dempsey Rae (Kirk Douglas) als blinder Passagier von Kansas nach Wyoming unterwegs. Nirgends hält es ihn lange, immer ist er unterwegs, der englische Titel "Man Without a Star" bezieht sich auf dieses ziellose Wandern, das eben von keinem fixen Stern geleitet wird.


Auf seiner Fahrt rettet Dempsey den jungen Jeff vor dem Zugpersonal und anschließend nochmals, als Jeff eines Mordes verdächtigt wird. Zum Lehrmeister und Ersatzvater wird der erfahrene Cowboy somit rasch, wohl auch, weil das Greenhorn ihn an seinen verstorbenen Bruder erinnert.


In Wyoming heuern sie auf einer großen Ranch an. Die Zivilisation der Ostküste trifft hier auf den noch rauen Westen. Der weiten, noch unberührten Landschaft steht das exklusiv ausgestattete Herrenhaus der Ranch gegenüber. Verstärkt wird dieser Eindruck vom Vordringen der Zivilisation noch durch den Umstand, dass es sich beim Besitzer der Ranch um eine Frau handelt.


Einen Gegenpol bietet sie aber zu den kleinen Farmern der Gegend nicht nur durch ihr Geschlecht, sondern mehr noch durch ihr Bestreben ihre Viehherde kontinuierlich zu vergrößern und damit ihren Profit zu steigern. Weil das Land, das dem Staat gehört, aber nicht genug Futter für eine unbegrenzte Zahl an Rindern bietet, beginnen die kleinen Farmer Weidegründe mit Stacheldraht einzuzäunen. – Der freiheitsliebende Dempsey hasst zwar diese Zäune, dennoch müssen er und Jeff Position beziehen.


Altmeister King Vidor , zu dem anlässlich der Retrospektive bei der Berlinale 2020 ein prächtiges Filmbuch erschienen ist, hat diesen im Vergleich zu seinem epischen "Duel in the Sun" (1946) oder der Tolstoi-Verfilmung "War and Peace" (1956) kleinen Film souverän inszeniert. Zügig entwickelt er die Handlung, hat die Fäden immer sicher in der Hand und baut vor allem am Beginn auch einige komische Momente ein. Herrlich wird hier ein sich anbahnendes Duell von einer Bardame unterbunden, indem sie Dempsey eine Gitarre zuwirft und er zu singen und spielen beginnt.


Vom lockeren Beginn entwickelt Vidor die Geschichte aber sicher zu einem zunehmend ernsteren Ton und bringt unübersehbar, aber unaufgesetzt aktuelle Bezüge ins Spiel. Denn mag die Geschichte auch im amerikanischen Westen des späten 19. Jahrhunderts spielen, so übt Vidor, der in der Stummfilmzeit mit sozialkritischen Filmen wie "The Big Parade" (1925) und "The Crowd" (1928) berühmt wurde, im Aufeinandertreffen von Großrancherin und kleinen Viehzüchtern doch Kritik an einem rücksichtslosen Kapitalismus, der in seiner Profitgier alle anderen vom Markt verdrängt.


Ambivalent spielt Vidor mit diesem Gegensatz, kritisiert er doch einerseits die rücksichtslos ihre Freiheit nutzende Großrancherin, bedauert andererseits aber auch die Einschränkung der Freiheit, zu der sich die Kleinrancher gezwungen sehen. Neben diesem Konflikt entwickelt Vidor aber auch eine spannungsgeladene Beziehung zwischen Dempsey und der Rancherin, die ihre Erotik zur Machtausübung über Männer einsetzt, sowie zwischen Dempsey und Jeff.


Und gleichzeitig erzählt er wie zahlreiche andere Western vom Wandel des Westens. Dieser wird nicht nur im Vordringen der Zivilisation, mit der eine zunehmende Einschränkung der Freiheit, die im Stacheldraht markant zum Ausdruck kommt, spürbar, sondern auch in den Charakteren. Während der Herumtreiber Dempsey noch zur alten Generation gehört und seine Freiheit über alles stellt, kündigt sich in seinem Schützling Jeff schon die neue Lebensweise an, wenn er am Ende nicht weiterzieht, sondern sesshaft werden und eine Familie gründen wird.


Die bei Explosive Media (Vertrieb: Koch Films) neu aufgelegten Blu-ray und DVD verfügen über die englische Original- und die deutsche Synchronfassung sowie über Untertitel in diesen beiden Sprachen. Die Extras beschränken sich auf den Kinotrailer und eine Bildergalerie.


Trailer zu "Mit stahlharter Faust"